Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Pianistin Çagla Gürsoy hat ihre Probleme mit der Ausländerbehörde in Darmstadt öffentlich gemacht.
+
Pianistin Çagla Gürsoy hat ihre Probleme mit der Ausländerbehörde in Darmstadt öffentlich gemacht.

Darmstadt

Darmstadt: Wieder Aufregung um Ausländeramt

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
    schließen

Eine Darmstädter Pianistin versucht monatelang, einen Termin auf der Ausländerbehörde zu bekommen. Die Linke fordert: Das Amt muss wenigstens zu Sprechzeiten erreichbar sein.

Eigentlich wollte die Darmstädter Pianistin Çagla Gürsoy keine Diskussion auslösen, als sie vor zwei Wochen auf Facebook ihre Erlebnisse mit der städtischen Ausländerbehörde schilderte und ein Video veröffentlichte, das belegt: Das Amt ist während der offiziellen Öffnungszeiten nicht erreichbar, ein Anrufbeantworter teilt mit, man rufe außerhalb der telefonischen Sprechzeiten an.

Darmstadt: Kein Termin bei Ausländerbehörde für Pianistin

„Ich wollte mit meinem Post nur um Ratschläge bitten“, sagt die 26-jährige Türkin der Frankfurter Rundschau. Seit November versucht die Musikerin, ihren Aufenthaltstitel, der im Januar auslief, zu verlängern. Sie lebt seit 2012 in Darmstadt, arbeitet seit 2014 als Klavierlehrerin, machte unter anderem ihren Abschluss an der Akademie für Tonkunst in Piano und Komposition, gibt Konzerte und studiert derzeit in Paris am staatlichen Konservatorium.

Einen Termin bei der Ausländerbehörde zu bekommen, gelang ihr jedoch nicht, weil sie schlichtweg trotz unzähliger Versuche niemanden erreichte. Auch ihr Rechtsanwalt habe erfolglos versucht, einen Termin zu vereinbaren, berichtet Gürsoy. Einfach hingehen darf man derzeit wegen der Pandemie nicht.

„Die Ungewissheit machte mich sehr nervös“, sagt sie, denn sie nehme Ende Mai im Finale eines Musikwettbewerbs in Italien teil und müsse einen Monat später in Paris das Abschlusskonzert für ihr Examen geben. In ihre Heimat, die Türkei, habe sie ebenfalls nicht fliegen können, „obwohl meine ganze Familie dort lebt“, weil sie fürchtete, nicht mehr nach Deutschland zurückkehren zu können. Zahlreiche Menschen antworteten auf ihren Beitrag und berichteten von ähnlichen Problemen. Dass die Wartezeit in der Behörde auf einen Termin mehrere Monate beträgt, das Amt schwer zu erreichen ist und die Bearbeitung lange dauert, ist bekannt.

Ausländerbehörde Darmstadt: Personalmangel ist bekannt

Der zuständige Dezernent, Rafael Reißer (CDU), hatte im Februar anlässlich einer Anfrage der Linken die Missstände bestätigt und begründet, diese rührten von massivem Personalmangel, den man jetzt aber beheben wolle.

Linken-Stadtverordneter Uli Franke hat sich nun aufgrund von Gürsoys Beitrag in einem offenen Brief erneut an Reißer gewandt. „Der dokumentierte Einzelfall und die vielen bestätigenden Kommentare lassen mich befürchten, dass von Ihrem Dezernat überhaupt keine Initiative ausgegangen ist, die Leistungsfähigkeit der Behörde zu erhöhen und bürgerfreundlich zu organisieren“, schreibt er. Es sei „das absolute Minimum der Pflichterfüllung einer Behörde, telefonische Sprechzeiten einzuhalten“.

Franke fordert, dass Reißer die Lösung der Problematik zur Chefsache macht. Wenigstens die Erreichbarkeit und einen schnellen, orientierenden Erstkontakt herzustellen, scheine keine Frage der Personalausstattung oder von Einarbeitungsrückständen zu sein, sondern ein organisatorisches Problem.

Eine Anfrage der FR dazu bei der Stadt wurde bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beantwortet.

Kurz nach Gürsoys Facebook-Post und einer Mail an die städtische Bürgerbeauftragte klappte es doch mit einer Übergangsbescheinigung, die ihr zugestellt wurde. Langfristig möchte sie sich einbürgern lassen. „Hier kann ich als junge Frau in Sicherheit und Freiheit leben“, sagt sie. Doch sie fürchtet, ihr Ziel sei vielleicht zu ehrgeizig. Denn auch hierbei habe die Behörde sie hingehalten, etwa ihre Tätigkeit während des Studiums nicht angerechnet, obwohl sie Steuern zahlte sowie kranken- und sozialversichert war. Derzeit betrage ihre Wartezeit noch ein Jahr. Gürsoy Eindruck: „Es gibt keine klaren Regeln.“ Viele Mitstudierende hätten unterschiedliche Informationen erhalten.

Dafür werde man aber bei Kontrollen am Flughafen oder im Zug oft daran erinnert, man müsse sich rechtzeitig um den Aufenthaltstitel kümmern, sonst bekomme man Schwierigkeiten. Gürsoy dazu: „Diese Sätze hört man als Ausländer sehr häufig, egal, wie vorsorglich man sich um seine Dokumente und Legalität kümmert.“ (Claudia Kabel)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare