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Darmstadt: Anzeige gegen Hessenforst wegen Baumfällungen

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Von: Jens Joachim, Claudia Kabel

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Gut Holz: Im Wald um den Herrgottsberg sind in den vergangenen Tagen etliche Bäume gefällt worden.
Gut Holz: Im Wald um den Herrgottsberg sind in den vergangenen Tagen etliche Bäume gefällt worden. © ROLF OESER

Der Landesbetrieb Hessen-Forst fällt etliche Bäume am Darmstädter Waldkunstpfad. Es gehe um „Einzelentnahmen“ aus Sicherheitsgründen. Eine Waldschutz-Aktivistin erstattet Strafanzeige.

Forstarbeiten – Lebensgefahr! Wir versorgen Sie mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz – heute und in Zukunft“ steht auf einem Banner, mit dem Forstarbeiter im Wald rund um den Darmstädter Herrgottsberg einen Waldweg gesperrt haben. „Zu Ihrer Sicherheit ist dieser Weg daher vorübergehend gesperrt. Wir bitten um ihr Verständnis. Durchgang verboten!“ lautet die mahnende Botschaft. Wenig Verständnis für die Baumfällarbeiten entlang des Waldkunstpfads in dem Natur- und Landschaftsschutzgebiet haben indes mehrere Waldschutzinitiativen aus Darmstadt und Südhessen.

Baumfällungen: Aktivistin wollte sich an Baum ketten

Simone Schramme von der Darmstädter Westwaldallianz berichtete der FR, am Mittwoch sei der Versuch einer Aktivistin und eines Aktivisten gescheitert, sich an einen Baum zu ketten. Waldarbeiter hätten ein Schloss mit einem Bolzenschneider durchtrennt, und mehrere Polizisten hätten die Protestierenden aufgefordert, die Fällungen nicht weiter zu behindern. Schramme sagte, sie habe daraufhin mit Verweis auf Paragraf 329 des Strafgesetzbuchs, in dem es um die Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete geht, Anzeige bei der Polizei erstattet.

Mit einem Banner, auf auch vom „nachwachsenden Rohstoff Holz“ die Rede ist, haben Forstarbeiter einen Waldeeg gesperrt.
Mit einem Banner, auf auch vom „nachwachsenden Rohstoff Holz“ die Rede ist, haben Forstarbeiter einen Waldeeg gesperrt. © ROLF OESER

Meike Plößer vom Netzwerk Bergsträßer Wald sprach am Donnerstag von „Wortbruch, Ignoranz und einer Machtdemonstration“ des Landesbetriebs Hessen-Forst, der mit der Fällung „Fakten geschaffen“ habe. So seien am Kunstwerk „U-Boot“ etwa 40 Bäume gefällt worden, obwohl es laut einer Absprache nur sechs sein sollten.

Darmstädter Wald: 160 Bäume sollten fallen

Bereits Ende vorigen Jahres hatte die geplante Fällung von etwa 160 Bäumen aufgrund der niederschlagsarmen vergangenen Jahre für Verwirrung und Unmut gesorgt. Nach massiven Protesten vereinbarten Umweltministerium, Hessen-Forst, der Naturschutzbund (Nabu) und die Stadt Anfang November, die Zahl der zu fällenden Bäume deutlich zu reduzieren und die Holzernte auf die notwendigen Schutzvorkehrungen für Waldbesucher:innen zu beschränken. Hessen-Forst-Sprecherin Michelle Sundermann hatte jedoch auf Nachfrage bekräftigt, es sei weiterhin geplant, zwecks notwendiger Pflege und Umwandlung des Waldgebiets in einen Mischwald in den nächsten Jahren 125 Bäume zu beseitigen.

Hessenforst spricht von „Einzelentnahmen“

Am Donnerstag kündigte die Hessen-Forst-Sprecherin nach Abschluss der aktuellen Arbeiten eine Mitteilung des Darmstädter Forstamts an. Sundermann zufolge handelt es sich bei den Fällungen um „Einzelentnahmen ausschließlich verkehrsunsicherer Bäume“ und keine großflächige Rodungsaktion.

Es seien nur Bäume gefällt worden, die eine akute Gefahr für Waldbesucher:innen darstellten. Zu „100 Prozent“, versicherte Michelle Sundermann, werde sich Hessen-Forst an die Anfang November getroffene Absprache halten.

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