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„Atmen“-Ausstellung in Darmstadt: Anweisungen als Kunstaktion

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Von: Jens Joachim

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Schildbürger: Matthias Berthold steht neben einem Schild, das er am Kantplatz auf dem TU-Campus Stadtmitte befestigt hat.
Schildbürger: Matthias Berthold steht neben einem Schild, das er am Kantplatz auf dem TU-Campus Stadtmitte befestigt hat. © Jens Joachim

Der Hamburger Matthias Berthold hat für das Kunstforum der Technischen Universität Darmstadt mehr als 40 Metallschilder an Plätzen und Grünflächen in der Stadt montiert.

Auf den weißen Schildern im Herrngarten könnten Verbote wie „Das Betreten der Grünanlage ist verboten“ zu lesen sein. Doch die Botschaften, die in der vorigen Woche in dem Park in der Innenstadt an Metallpfosten befestigt worden sind, sollen zum Nachdenken und zum Aktionismus anregen. „Zwischen Sonne und Mond wandern wenn beide am Himmel zu sehen sind“ steht – ohne Punkt, Komma oder Ausrufezeichen – auf einem der Schilder, „natürlich verhalten“ und „nichts darstellen“ auf zwei anderen.

Die Metallschilder mit den merkwürdig anmutenden Anweisungen hat der Hamburger Künstler Matthias Berthold für das Kunstforum der Technischen Universität (TU) Darmstadt an 14 Plätzen und Grünanlagen montiert. Sie hängen nicht nur im Herrngarten, sondern auch am Kantplatz, an der Hochschulstraße vor dem Alten Hauptgebäude der TU, auf dem Außencampus Lichtwiese der TU, am Oberfeld, der Rosenhöhe, im Botanischen Garten oder im Bürgerpark-Nord.

„Atmen“-Ausstellung in Darmstadt: TU-Kunstforum erneut in der Stadt präsent

Das Kunstforum der TU Darmstadt verlässt diesen Sommer bereits zum dritten Mal seine Räumlichkeiten im alten Hauptgebäude, um „im öffentlichen Raum erneut künstlerisch aktiv zu werden und sich einzumischen“, wie es Julia Reichelt formuliert, die seit 2016 das Kunstforum leitet.

„Atmen“ – der Titel der Freiluftausstellung – bezieht sich auf eine der 44 Handlungsanweisungen, die im Stadtgebiet aufgehängt worden sind. Die Anweisung, zu atmen, wirkt durchaus paradox, weil Menschen zu etwas aufgefordert werden, was sie ohnehin tun. Die Schilderbotschaft soll jedoch dazu animieren, sich einmal auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Anweisung am Eingang zum Hauptgebäude der TU und eine Buchstabenbotschaft auf einer im Wund flatternden Fahne.
Anweisung am Eingang zum Hauptgebäude der TU und eine Buchstabenbotschaft auf einer im Wund flatternden Fahne. © Jens Joachim

Darmstadt: Kunst im öffentlichen Raum mit Schildern und Glückskeksen

Seit 2005 widmet sich der Künstler in zahlreichen Projekten der Kunst im öffentlichen Raum. Die intensive Beschäftigung mit der Wirkung von Sprache und dem geschriebenen Wort ist die Grundlage für Bertholds Kunstaktionen. Bereits seit 2019 ziert sein „Wortfeld“ die Fassade der neuen Energiezentrale auf dem Außencampus Lichtwiese der TU.

Die auf den Metallschildern aufgepressten Anweisungen sowie weitere in 2000 „Glückskeksen“ versteckte Handlungsanleitungen sollen noch bis zum 30. Oktober dazu einladen, zu experimentieren, Erfahrungen zu sammeln und Freiräume zu entdecken.

Die Glückskekse, die eigene Anweisungen enthalten, werden an verschiedenen Stellen in der Stadt verteilt.
Die Glückskekse, die eigene Anweisungen enthalten, werden an verschiedenen Stellen in der Stadt verteilt. © Jens Joachim

„Atmen“-Ausstellung des TU-Kunstforums bis Ende Oktober in Darmstadt

Im Begleitprogramm bietet Simon Poppinga, der wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens, am Mittwoch, 11. Mai, von 18 Uhr an unter dem Motto „Die geheimen Baupläne der Pflanzen“ eine Führung durch den Garten, Schnittspahnstraße 5, an, wo ebenfalls einige von Bertholds Anweisungen entdeckt werden können.

Treffpunkt ist am Garten-Haupteingang bei den Gewächshäusern.

www.tu-darmstadt.de/kunstforum

Matthias Berthold will mit banalen Botschaften und Handlungsanleitungen anregend wirken.
Matthias Berthold will mit banalen Botschaften und Handlungsanleitungen anregend wirken. © Jens Joachim

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