1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Darmstadt: Anstatt einer Wohnanlage entsteht am Woog eine Grünfläche

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Annette Schlegl

Kommentare

Abrissreif: Das Schul- und Trainingsbad am Großen Woog.
Abrissreif: Das Schul- und Trainingsbad am Großen Woog. © Jens Joachim

Der Kaufvertrag für das Schul- und Trainingsbad wird rückabgewickelt. Für die Stadt entstehen Mehrkosten von gut einer halben Million Euro.

Ein altes Schwimmbad abreißen und stattdessen Wohnungen entstehen lassen. Das war der Plan, den die Stadt Darmstadt im August 2018 für das Schul- und Trainingsbad an der Heinrich-Fuhr-Straße gefasst hatte.

Seit Donnerstagabend ist dieser Plan passé. Die Stadtverordnetenmehrheit hat einer Magistratsvorlage zugestimmt, dort eine Grünanlage zu schaffen und somit den künftigen Grünzug Woog als Frischluftschneise in der Stadt zu vervollständigen. Bereits im vorigen Jahr hatten sich die drei Koalitionsfraktionen von Grünen, CDU und Volt während einer gemeinsamen Haushaltsklausur auf dieses Verfahren verständigt.

Darmstadt: Schul- und Trainingsbad wurde 1969 in Betrieb genommen

Das Schul- und Trainingsbad war 1969 in Betrieb genommen worden. Mit Fertigstellung des neuen Nordbads hatte es aber ausgedient und sei „ein Klotz aus Beton mitten im Grünzug“, sagte Elisabeth Decker (Grüne).

Der Kaufvertrag für das alte Schwimmbad war schon längst abgewickelt. Die Bauvereinstochter BVD Quartier GmbH & Co. KG hatte das rund 4600 Quadratmeter große Gelände im Dezember 2018 für 3,9 Millionen Euro gekauft, wollte dort „40 bis 50 Wohnungen entstehen lassen“, wie Erich Bauer (Uwiga/WGD) in der Parlamentssitzung am Donnerstag sagte.

Darmstadt: Kaufvertrag für Schwimmbad-Areal wird rückabgewickelt

Weil die ursprünglich geplante Bebauung „seitens der Stadt nicht mehr gewünscht ist“, wie es in der Magistratsvorlage heißt, wird der Kaufvertrag nun rückabgewickelt. Das Schwimmbad-Gebäude soll abgerissen werden und zwischen dem Großen Woog und dem Vereinsgelände des TSG 1846 eine Grünfläche entstehen, die das Erholungsgebiet des Grünzuges am Woog erweitert.

Der Haken daran: Die Stadt kauft das Grundstück nun für 4,44 Millionen Euro zurück. Sie muss dem Bauverein nämlich die damals entstandenen Vertragsnebenkosten von rund 262 000 Euro erstatten. Dazu kommen rund 280 000 Euro an Vertragsnebenkosten. Summa summarum ergibt das gut eine halbe Million Euro an Mehrkosten – was die Oppositionsfraktionen am Donnerstag scharf kritisierten.

Darmstadt: Koalition stimmt für Rückabwicklung des Kaufvertrags

„Die Koalition muss für die in den Sand gesetzte Summe alleine gerade stehen“, sagte Ulrich Franke (Linke). Seine Fraktion enthielt sich, genauso wie SPD und Uwiga/WGD. Grüne, CDU, Volt und Uffbasse votierten für die Rückabwicklung des Kaufvertrags und für den Erwerb des Schwimmbad-Grundstücks, FDP und AfD waren dagegen. In der Magistratsvorlage fehle die Begründung für die Grünfläche, ärgerte sich die FDP. Eine Bebauung sei doch „die beste Wahrheit, die dort durchsetzbar ist“, so Sven Beißwenger (FDP). Um den Parkdruck in dem Viertel zu mindern, könne man das Grundstück auch mit Quartiersgaragen bebauen.

„Wenn es uns keine 500 000 Euro wert ist, Grünstrukturen und Biotopflächen zu stärken, bin ich sehr verwundert“, sagte Stadtrat Michael Kolmer (Grüne). Frederik Jobst (Volt) erklärte, eine getroffene Entscheidung zu überdenken, sei für ihn kein Mangel in der Politik, sondern ein Gütesiegel. Eine Wohnbebauung wäre rechtlich schwer durchzusetzen gewesen, machte Roland Desch (CDU) klar.

Auch interessant

Kommentare