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Auf der Mathildenhöhe wird das Kurzzeitparken demnächst mit bis zu fünf Euro je 30 Minuten richtig teuer.
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Auf der Mathildenhöhe wird das Kurzzeitparken demnächst mit bis zu fünf Euro je 30 Minuten richtig teuer.

Darmstadt

Darmstadt: Ärger über Parkgebühren in Wohnvierteln

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Im Darmstädter Woogsviertel sind viele sauer: Durch die Einführung von Parkraumbewirtschaftung will die Stadt den Autoverkehr reduzieren. Im Schnitt parkt jedes dritte Auto illegal.

Hier einen Parkplatz zu finden, ist katastrophal“, sagt ein Anwohner im Darmstädter Woogsviertel. Er hat sich in der Soderstraße gerade entgegen der Fahrtrichtung auf den Bürgersteig gestellt – er habe es eilig. Auch andere Autofahrer und Autofahrerinnen kurven an diesem Morgen durch das Wohnviertel. Wer hier parkt, ist in gut zehn Minuten in die Innenstadt gelaufen. Bislang kann man hier sein Auto kostenlos abstellen. Doch das soll sich ändern.

„Um den hohen Parkdruck und somit den Parksuchverkehr zu reduzieren und neue Freiräume für die Anwohnerinnen und Anwohner zu schaffen, beginnen wir nun auch im Woogsviertel mit der Bewirtschaftung“, sagt Mobilitätsdezernent Michael Kolmer (Grüne). Langfristig soll in der Innenstadt und den angrenzenden Vierteln flächendeckend Parkraumbewirtschaftung eingeführt werden.

Anwohner fürchten Parkplatzverknappung

Viele Anwohnende bezweifeln aber, dass sich die Situation für sie verbessern wird. „Dadurch werden die Parkplätze reduziert“, befürchtet eine Frau aus der Gervinusstraße. Zudem koste sie ein Anwohnerparkschein 120 Euro im Jahr ohne dass sicher sei, dass sie überhaupt einen freien Platz finde. Ein anderer Anwohner sagt, dies sei „nur gut für die Stadt“, die damit Einnahmen generiere. Eine weitere Anwohnerin, die sich mit ihrem Ärger an die Frankfurter Rundschau wandte, vermutet, es gehe eher darum, eine „Gelddruckmaschine“ einzuführen und „Parkplätze zu verknappen“. Auch seien die Anwohner:innen nicht wirklich eingebunden worden.

Neben dem Anwohnerparken für 120 Euro jährlich ist künftig Kurzzeitparken montags bis samstags von 8 bis 22 Uhr für maximal zwei Stunden erlaubt. Dafür werden 75 Cent je halbe Stunde fällig. Für Gäste der Anwohnerschaft gibt es kostenlose Tickets. Im Gebiet sollen Parkscheinautomaten aufgestellt werden – auch per Handy soll man zahlen können.

Gebühren im Vergleich

In einigen Darmstädter Vierteln gilt schon Parkraumbewirtschaftung. Dabei dürfen Nichtanwohnende maximal zwei Stunden parken. Das kostet zwischen 0,50 Cent und 5 Euro für 30 Minuten.

Anwohnende der betroffenen Viertel können für 120 Euro im Jahr unbegrenzt parken. Im Vergleich zu anderen Großstädten erscheint das teuer.

In Frankfurt kostet Bewohnerparken 50 Euro in zwei Jahren. Wiesbaden erhebt eine Gebühr von 23,50 für zwei Jahre. Offenbach nimmt 30 Euro pro Jahr.

Teurer ist das Bewohnerparken laut Deutschem Institut für Urbanistik im Ausland. Marseille: 160 Euro, Zürich: 290 Euro, Amsterdam: 535 Euro, Stockholm 827 Euro.

Die bisher gedeckelte Gebührenhöhe für Bewohnerparkausweise von 30 Euro pro Jahr hat der Bund 2020 gekippt.

Künftig können Kommunen ihre eigenen Sätze erheben. Darmstadt weist die Gebühr nicht als Bewohnerparken aus, sondern als „Ausnahmegenehmigung zum Parken“. cka

Das Konzept soll „keine Änderungen des aktuellen Parkplatzangebots, der Verkehrsregelung oder in der Aufteilung der Straßenräume bedeuten“, so Kolmer. Allerdings soll im zweiten Schritt „eine Stellplatzneuordnung in kritischen Straßenabschnitten“ umgesetzt werden. Illegale Parkplätze würden wegfallen. Wie aus der Beantwortung einer kleinen Anfrage der FDP hervorgeht, ist jedes dritte der im Schnitt 1600 geparkten Fahrzeuge unerlaubt abgestellt. Insgesamt rechnet die Stadt mit einer Reduzierung der Parkraumauslastung von 20 Prozent, schreibt Dezernent Kolmer an die FDP. Die zeigt sich wenig überzeugt: Als „Blindflug und reine Symbolpolitik“ bezeichnet Fraktionsvize Leif Blum das städtische Parkraumbewirtschaftungskonzept. „Hier wird auf dem Rücken der Anwohner Geld gemacht“, sagt er der FR. „In keiner deutschen Großstadt zahlt man 120 Euro dafür, dass man sich einen Parkplatz suchen darf.“ Auch hätte diese Preispolitik keinen lenkenden Einfluss auf die Belastung im Viertel. Denn die Nachfrage sei so hoch, dass die Leute bereit seien, das Geld zu zahlen. „Es trifft nur diejenigen mit weniger Geld.“

Parkeinnahmen der Stadt gestiegen

In anderen Quartieren, etwa Kapellplatzviertel oder Bessungen-Nord, gilt schon die Parkraumbewirtschaftung. Jüngst wurde sie an der Mathildenhöhe eingeführt, was zu Ärger bei den Mitarbeitenden des Elisabethenstifts sorgte. Diese dürfen nun kostenlos parken. Die Einnahmen der Stadt durch Parkgebühren sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Laut Pressestelle lagen 2010 die „Hartgeldeinnahmen“ bei rund 850 000 Euro und sind inzwischen auf 1,7 Millionen jährlich gewachsen. Hinzugekommen seien circa 100 000 Euro Einnahmen durch das 2017 eingeführte Handy-Parken. Für das Aufstellen und Warten der Automaten sind dagegen seit 2009 nur insgesamt zwei Millionen Euro angefallen.

Experte: Alternativen sollten angeboten werden

Blum kritisiert, dass es anderer Instrumente bedürfe, um eine Mobilitätswende anzustoßen – etwa den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) oder Carsharing-Angebote. „Vollkommenes Verständnis“ für den Ärger der Anwohnenden äußert Mobilitätsexperte Volker Blees von der RheinMain-Universität in Wiesbaden. Er hat 2011 für die Stadt eine Stellplatzstrategie entwickelt. Er ist überzeugt, dass die Parkraumbewirtschaftung der richtige Weg ist, um Autos im Quartier zu reduzieren – nicht nur von Fremdparkern. Zum einen würden diejenigen, die aus Bequemlichkeit auf der Straße statt in der eigenen Garage parken, dies sein lassen. Zum anderen brächte es die Leute zum Nachdenken, die einen Zweitwagen haben, ohne ihn wirklich zu brauchen. „Wir beobachten, dass in den Städten die Akzeptanz für einen mit Autos vollgestellten öffentlichen Raum sinkt“, sagt er der FR. Menschen, die sich zu Fuß oder per Rad fortbewegen, wollten mehr berücksichtigt werden.

Dennoch hält Blees die Strategie der Stadt für zu kurz gegriffen, wenn sie nicht gleichzeitig Alternativen anbiete, die die Menschen motiviere, auf ein eigenes Auto zu verzichten: etwa Werbung für Carsharing-Angebote oder vergünstigte ÖPNV-Tickets.

An diesem Donnerstag (30. September) stimmt das Stadtparlament über die Parkraumbewirtschaftung im Woogsviertel ab. Ein Ja gilt als sicher.

Eine aktuelle Studie aus Darmstadt zeigt: Gehwege werden als Garagenersatz genutzt

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