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Darmstadt: Ärger über Erhöhung von Ökostromtarif

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Von: Claudia Kabel

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Entega-Verwaltungssitz in Darmstadt.
Entega-Verwaltungssitz in Darmstadt. © Renate Hoyer

Der Energieversorger Entega erhöht seinen Ökostromtarif und begründet dies mit allgemein steigenden Energiepreisen. Das will ein Rentnerpaar nicht einfach hinnehmen.

Paul Reigrotzki und seine Frau Barbara sind Rentner:innen aus Darmstadt. Vor zwölf Jahren sind sie auf den Ökostromtarif des kommunalen Energieversorgers Entega umgestiegen. „Wir wollten den Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energien voranbringen“, schreibt der 80-Jährige der Frankfurter Rundschau. Doch nun flatterte dem Paar ein Brief von Entega ins Haus, der eine Preiserhöhung von 19 Prozent auf künftig 42,05 Cent pro Kilowattstunde ankündigte.

Dem ehemaligen Leiter in der IT-Sicherheit bei einer großen Schweizer Bank und der ehemaligen Lehrerin „erscheint die Preiserhöhung völlig ungerechtfertigt“, wie sie sagen. Einleuchtend, denn der von ihnen gebuchte Ökostromtarif speist sich laut Entega-Website ja zu hundert Prozent aus regenerativen Energien.

Zudem fühlten sie sich durch die allgemein gehaltene Begründung in dem Schreiben, dass der Grund die deutlich gestiegenen Einkaufspreise für Strom seien, „verhöhnt“. Das Unternehmen stelle keine Transparenz her, dass derzeit nicht Wasser-, Wind- und Solarenergie die Preistreiber seien, sondern fossile Energien wie Gas, kritisieren sie. Deswegen hat das Ehepaar jetzt schriftlich einen Widerspruch gegen die Preiserhöhung beim Energieversorger eingereicht, der auch der FR vorliegt.

Entega Darmstadt: Beschaffungskosten für Strom um mehr als 300 Prozent gestiegen

Nachgefragt beim Unternehmen, erklärt Entega-Sprecher Michael Ortmanns, die Strompreise seien im vergangenen Jahr „bei der langfristigen Beschaffung um über 300 Prozent gestiegen“. Infolge des Ukraine-Krieges hätten sie Anfang März einen neuen Höchststand erreicht. Ursache seien die sehr hohen Kosten für die Erzeugung aus konventionellen Energien wie Gas. Dies liege an den hohen Brennstoffkosten im Gasgroßhandel und an der Verdoppelung der CO2-Zertifikatspreise im Emissionshandel.

„Obwohl die Gestehungskosten für Strom aus erneuerbaren Energien im Vergleich zu Strom, der in konventionellen Kraftwerken produziert wird, geringer sind, sind an den Strombörsen aufgrund des Preismechanismus die teuersten Energieträger preissetzend“, teilt Ortmanns mit. Diesen nicht leicht zu begreifenden Widerspruch bestätigt auch Jörn Burger von der Bürger-Energie Rhein-Main (BERMeG). Die Genossenschaft mit Sitz im Kreis Groß-Gerau bietet Strom an, der von Anlagen produziert wird, die Privatleuten gehören. Also Strom, der tatsächlich nachvollziehbar nur aus regenerativen Quellen stammt. Denn laut Burger dürfen Versorger das Label Ökostrom bereits verwenden, sobald sie nur 20 Prozent aus regenerativen Energien einspeisen.

Stromkosten: Leipziger Strombörse legt Preis fest

Trotzdem sei auch der reine Ökostrom von der Genossenschaft nicht von Preiserhöhungen aufgrund der aktuellen Verteuerung abgekoppelt. Dies ergebe sich durch das System der Preisbildung an der Leipziger Energiebörse. Dort würden fossile, atomare und regenerative Energien in einen Topf geworfen und der teuerste – aktuell Gas – bestimme auch die Preise für Ökostrom.

Entega kündigte an, die durch den geplanten Wegfall der EEG-Umlage erwartete Kostensenkung an ihre Kunden weiterzugeben. Der Widerspruch der Reigrotzkis wird indes wohl ohne Erfolg bleien. „Wir werden den Kunden anschreiben und erläutern, warum Entega die Preise erhöhen muss“, kündigt Ortmanns an.

Dann müssen die Reigrotzkis entscheiden, welchem Anbieter sie mehr zahlen wollen. Die Überlegung, zu einer Genossenschaft zu wechseln, steht jedenfalls bereits im Raum.

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