Eine Grafik auf den Bussen weist darauf hin, wie viel Abstand beim Überholen von Radlern nun innerorts einzuhalten ist.
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Eine Grafik auf den Bussen weist darauf hin, wie viel Abstand beim Überholen von Radlern nun innerorts einzuhalten ist.

Darmstadt

Abstand halten beim Überholen von Radfahrern - Darmstadt will Tempo 30-Modellstadt werden

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Ein Werbemotiv auf Bussen weist Autofahrer auf die neue Abstandsregel hin. Es handelt sich um eine gemeinsame Kampagne der Stadt Darmstadt, von Radfahraktivisten und dem Nahverkehrsunternehmen Heag mobilo. Zudem will die Stadt generell Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet einführen.

Das hat es in Darmstadt bislang noch nicht gegeben: Die Stadt, Radfahraktivisten und das kommunale Verkehrsunternehmen Heag mobilo stemmen ein gemeinsames Projekt und werben bei Autofahrern für einen vorsichtigen und rücksichtsvollen Umgang mit Radfahrern.

Um Autofahrer darauf hinzuweisen, dass sie beim Überholen von Radfahrern innerorts einen Mindestabstand von eineinhalb Meter einhalten müssen, sind fünf von 80 Heag-Bussen mit Werbemotiven beklebt worden. Bis Anfang Dezember werden auf den Heckflächen der Busse der Schriftzug „Mindestabstand beachten!“ und eine entsprechende Infografik zu sehen sein.

Außerhalb von geschlossenen Ortschaften müssen Autofahrer sogar einen Abstand von zwei Metern einhalten. Ermöglicht die Verkehrssituation die Einhaltung des Abstands nicht, dürfen Radler nicht überholt werden. Dies schreibt die novellierte Straßenverkehrsordnung vor, die Ende April in Kraft getreten ist. Zuvor habe es hierzu keine konkreten Vorgaben gegeben, berichtete Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) am Freitag bei der Vorstellung der mit den Motiven beklebten Busse.

Unklare Situation beendet

So sei in der Straßenverkehrsordnung bislang nur von einem „ausreichenden Seitenabstand“ die Rede gewesen. Mit dem Inkrafttreten der Novelle sei nun diese unklare Situation beendet worden, sagte Partsch, der auch Darmstädter Verkehrsdezernent ist. Der OB, der selbst ständig in der Stadt mit seinem grünlackierten Fahrrad unterwegs ist, wies zugleich darauf hin, dass ein zu enges Überholen die Sicherheit der Radler gefährde.

In Darmstadt wird nach den Worten Partschs das Fahrrad zunehmend zu einem gängigen Verkehrsmittel. Laut der jüngsten Studie der Technischen Universität Dresden ist der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehr in Darmstadt inzwischen auf 22 Prozent gestiegen.

Darmstadt bewirbt sich als Tempo 30-Modellstadt

Nachdem die Initiative Radentscheid kürzlich auf der Rheinstraße einen temporären „Pop-up-Radweg“ eingerichtet hatte, äußerte OB Partsch nun, man werde die Einrichtung solcher temporären Radwege an den mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen in Darmstadt angesichts des derzeit geringeren Verkehrs „unter Umständen neu bewerten“. Zudem habe sich die Stadt für ein Modellprojekt mit generellem Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet beim Bundesverkehrsministerium beworben.

David Grünewald von der Initiative Radentscheid sagte, es brauche „nur den politischen Willen und einen Eimer Farbe“, um in kürzester Zeit in Darmstadt mehr Wegeflächen für Radfahrer zur Verfügung zu stellen.

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