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Freiheit für Adnan fordern Teilnehmer einer Demo vor der Ausländerbehörde in Darmstadt.

Abschiebeeinrichtung

Abschiebung trotz laufender Ausbildung

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Am Donnerstag sollen der 25-jährige Adnan G. und weitere Flüchtlinge, die in Darmstadt inhaftiert sind, ausgeflogen werden. Dagegen hat sich Protest formiert.

Adnan G. wollte an diesem Tag eigentlich seine Theorieprüfung für den Führerschein mache. Doch daraus wurde nichts. „Morgens um fünf Uhr rief er mich an und sagte: Die nehmen mich jetzt mit“, erzählt seine Verlobte. Adnan G. ist 25, lebt in Griesheim, macht in Darmstadt seit acht Monaten eine kaufmännische Ausbildung, die vom Arbeitsamt bezahlt wird, spricht gut Deutsch und hatte den Status der Duldung. Doch seit vergangener Woche sitzt der Pakistani im Abschiebegefängnis in Darmstadt-Eberstadt. Er soll gemeinsam mit anderen pakistanischen Flüchtlingen am Donnerstag in sein Heimatland abgeschoben werden. Angeblich weil er den Termin seiner Anhörung aufgrund eines Fehlers seiner Anwältin nicht wahrnehmen konnte, wie Samar Khan vom Verein „Wir sind Pakistan“ sagt. Gegen die Anwältin habe man Anzeige erstattet. Doch das interessiere die Ausländerbehörde offenbar nicht. „Am schlimmsten ist es für meine achtjährige Tochter“, sagt seine Verlobte, denn die dürfe Adnan nicht mehr besuchen. Sie hofft, dass die Abschiebung noch über das eingereichte Eilverfahren gestoppt werden kann.

Insgesamt sollen dem Vernehmen nach 18 Personen aus Hessens einziger Abschiebeeinrichtung in Darmstadt in ihre Heimatländer gebracht werden. Die meisten lebten in Frankfurt, andere in Neu-Isenburg, Hanau, Groß-Gerau und Worfelden, sagt Khan, die Adnan G. seit 2015 betreut. „Ich war da, als er vor fünf Jahren mit dem Bus in Darmstadt ankam, und erklärte ihm, wie hier alles funktioniert“, sagt die Erzieherin, die sich für Geflüchtete einsetzt. „Aber langsam zweifle ich an unserem System.“ In Pakistan werde Adnan G. verfolgt, weil er gegen die Taliban gekämpft habe. Knapp 30 Freunde, Arbeitskollegen und Klassenkameraden demonstrierten am Montag vor der Ausländerbehörde in Darmstadt gegen die drohende Abschiebung.

Kundgebung in Darmstadt gegen die Sammelabschiebung von Adnan G. und andere Flüchtlinge.

Betroffen ist auch Ali Z. (Name geändert). Er lebt mit Frau und zwei Kindern in Langen, nachdem sie aus Pakistan vor religiöser Verfolgung flüchteten. Auch er wurde von der Polizei zu Hause abgeholt. „Zurück blieben verzweifelte Familienangehörige und traumatisierte Kinder, wie Angehörige und die Klassenlehrerin seiner sechsjährigen Tochter berichten“, schreibt das Bündnis „Community for All“.

Auch Afitap D., die an der Demo teilnahm, fürchtet ihre Abschiebung. Die 59-jährige Kurdin ist seit 1985 in Deutschland, hat fünf erwachsene Kinder, die hier arbeiten oder studieren und einen Sohn, der auf ihre Hilfe angewiesen ist, weil er schwerbehindert ist. 2018 habe man sie bereits einmal abgeholt, berichtet sie. Als sie schon im Flugzeug saß, habe sie den Piloten überzeugen können, dass ihre Papiere zur Rückführung ohne ihre Unterschrift beantragt worden seien. Ihre Duldung sei dann verlängert worden, allerdings habe sie nicht mehr als Altenpflegehelferin arbeiten dürfen. Seither lebe sie von der Tafel und auf Pump, Sozialhilfe bekomme sie nicht, sagt sie. Nun sei seit 19. September ihre Duldung ausgelaufen. Von der Behörde habe sie aber nichts mehr gehört.

„Seit Corona hat sich die Lage verschärft“, sagt Sarmina Stuman, Sprecherin der Initiative „Afghan refugee movementin“. Man bekomme keinen Kontakt mehr zur Ausländerbehörde, gebe ein Formular ab und höre dann nichts mehr. Dadurch würden häufig Aufenthaltsgenehmigungen nicht verlängert werden, die Leute liefen monatelang ohne Papiere herum.

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