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Daniela Wagner in der großen Stadt

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Die Grünen-Kreisverbandvorsitzende und ehemalige Darmstädter Schuldezernentin Daniela Wagner.
Die Grünen-Kreisverbandvorsitzende und ehemalige Darmstädter Schuldezernentin Daniela Wagner. © Arnold/FR

Die Grünen-Politikerin Daniela Wagner hat ihren Start als Bundestagsabgeordnete gemeistert - und auch schon die Freizeitqualitäten Berlins entdeckt.

Die Spree gefällt Daniela Wagner. Entlang des Ufers in der Mitte Berlins hat die neue Darmstädter Bundestagsabgeordnete der Grünen sich nach einer Jogging-Strecke umgesehen. "Da kann man weit laufen. Bis zum Reichstag." Wo die passionierte Läuferin künftig ihre Runden drehen wird, hat sie noch nicht entschieden. Zweieinhalb Monate nach der Bundestagswahl, die die 52-Jährige über die Landesliste ins Parlament brachte, ist in ihrem Hauptstadtleben noch manches provisorisch.

Das beginnt bei der Wohnung. Wagner ist bei einer Freundin aus Schulzeiten untergekommen. In Charlottenburg. Für den Übergang sei das in Ordnung, "ich bin kein raumgreifender Gast", sagt sie. Am liebsten würde sie in dem Stadtteil bleiben. Das viele Grün, die Altbauten mit ihren Cafés und kleinen Geschäften haben es ihr angetan. Nun ist sie auf Wohnungssuche.

Anders als Stadtparlament

Provisorisch sind auch die Arbeitsbedingungen. Drei Zimmer stehen einem Abgeordneten zu. Doch die Büroflucht muss sich die Darmstädterin derzeit mit zwei Fraktionsmitgliedern teilen. Denn noch sind die Räume ausgeschiedener Parlamentarier nicht renoviert. Es herrscht Enge. Ein Raum von 18 Quadratmeter für zwei wissenschaftliche Mitarbeiter, eine Sekretärin und sie selbst. "Da habe ich keine ruhige Minute." Nach Weihnachten steht der Umzug ins eigene Büro an.

Eingespielt hat sich bereits die Zeitplanung. Jede zweite Woche ist sie in Berlin. Dann ist Plenarwoche. Montags nach der Sitzung des Bauverein-Vorstandes, dem sie angehört, sitzt Daniela Wagner im Zug nach Berlin. Dienstagmorgen kommen Arbeitskreise zusammen, am Nachmittag trifft sich die Fraktion. Mittwochs folgt der Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, der Darmstadts frühere Wohnungsdezernentin als wohnungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion angehört. Am Donnerstag und Freitag sind die Plenarsitzungen.

Die Situation im Reichstag hat Daniela Wagner "schon sehr beeindruckt". Das ist etwas anderes als Landtag oder Stadtparlament, denen sie schon angehört hat. Es wird nicht erwartet, dass jeder bei allen Sitzungen dabei ist. "Es gibt Präsenzzeiten", sagt sie. Die gibt der Fraktionsvorstand vor. Bei wichtigen Entscheidungen müssen alle da sein. Ansonsten ist es themenbezogen. Einen festen Platz hat Wagner nicht. Die ersten beiden Reihen sind Fraktionsvorstand und -geschäftsführung vorbehalten. "Ab Reihe drei herrscht freie Platzwahl. Wessen Thema dran ist, kommt nach vorn, beschreibt die Darmstädterin die Berliner Sitz- und Rangordnung.

Wenn die Bundesregierung demnächst ihre Mietrecht-Novelle vorlegt, sitzt Daniela Wagner wohl in Reihe drei. "Dann werde ich meine erste Rede halten", kündigt sie an. Sie weiß: "Wohnungspolitik ist nicht der Aufreger." Zumal der soziale Wohnungsbau Ländersache ist. Was bleibt? "Das Mietrecht", sagt Wagner. Und die Anpassung des Wohnungsmarktes ans Energiesparen und an den demografischen Wandel.

Ein Aufreger ist dagegen die Verkehrspolitik. Wie in Darmstadt. Stichwort ICE-Anschluss. Mit Brigitte Zypries (SPD) und Heinrich Kolb (FDP) aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg will sie für die Vollanbindung "an einem Strang ziehen".

Zweites Darmstadt-Thema in der Hauptstadt ist die Nordostumgehung. Was will die Bundestagsabgeordnete, deren Partei in Darmstadt gegen das Straßenprojekt ist, unternehmen? "Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung hinter dem Vorhaben steht", sagt sie. "Aber vielleicht denkt der Minister darüber nach, ob es sinnvoll ist, so viel Geld für eine Straße auszugeben, die viele nicht wollen." Sie bereite eine Anfrage fürs Parlament vor. Doch aus der Opposition "kann ich keine Abstimmung gewinnen", sagte sie bei einem Talk im Presseclub Darmstadt. Ihr Blick auf die Realität hat sich nicht verändert.

Einiges hat sich verändert

Anderes schon. Selbst Nachrichten guckt sich Daniela Wagner im Fernsehen seit dem 27. September anders an. "Ich höre genauer hin, was ein Grüner sagt und frage mich, ob das meine Meinung ist." Nicht immer ist das so. Zuletzt, als der Grünen-Parteivorsitzende Cem Özdemir bei der Mautdiskussion die Niederlande als positives Beispiel nannte. "Aber ich kann ja nicht erwarten, dass er alles mit mir abspricht", fügt sie hinzu. Als Kommunalpolitikerin hat sie das früher weniger bewegt.

Den Faden zur Politik in Darmstadt will Daniela Wagner nicht abreißen lassen, Parteivorsitzende bleiben und auch beim Bauverein ehrenamtlich weiter arbeiten. In ihrer Heimatstadt kennt sie ja auch schon alle Laufstrecken. (rf)

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