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Erfahrungsbericht

Covid-Intensivstation in Darmstadt: 30% der Corona-Patienten sterben

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Der stellvertretende Leiter der Covid-Intensivstation des Klinikums Darmstadt, Gunnar Gölzenleuchter, berichtet von der Arbeit.

  • Die Corona-Krise hat auch die Krankenhäuser in Hessen fest im Griff.
  • Der stellvertretende Leiter der Covid-Station des Klinikums Darmstadt erzählt aus seinem Alltag.
  • Gunnar Gölzenleuchter: „ Obwohl wir so hart um jeden Erkrankten kämpfen, sterben doch zu viele.“
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Mit aktuell sinkenden Infektionszahlen entspannt sich auch langsam die Lage auf den Covid-Stationen in den Krankenhäusern. Das Klinikum Darmstadt, Koordinierendes Krankenhaus für Südhessen, will auf Wunsch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeigen, was auf den Stationen wirklich los war.

In mehreren Berichten erhalten die Beschäftigten verschiedener Stationen des Klinikums eine Stimme und erzählen, wie es ihnen ergangen ist. Ihre Schilderungen veröffentlichen wir hier im Wortlaut.

Der stellvertretende Leiter der Covid-Intensivstation des Klinikums berichtet von seiner Arbeit

Darmstadt – Gunnar Gölzenleuchter, stellvertretender Leiter einer Covid-Intensivstation und Intensivfachpflegekraft im Klinikum Darmstadt: „Ich bin stellvertretender Stationsleiter einer Covid-Intensivstation. Momentan fühle ich mich einfach nur müde und erschöpft. Seit Wochen habe ich – und natürlich auch meine Kollegen:innen – immer wieder mehrere Dienste hintereinander gemacht. Corona verschont auch uns nicht, die gelernt haben, sich im beruflichen Umfeld zu schützen: Einige Kolleginnen und Kollegen sind selbst an Corona erkrankt und fallen aus. Auch als Teamleiter mache ich daher wie alle Kolleg:innen Dienst direkt am Patienten – eigentlich hätte ich wie immer administrative Aufgaben zu erledigen, aber dazu komme ich jetzt erst nach Dienstende.

Wir arbeiten auf einer Intensivstation und sind es daher gewohnt, dass auch Patient:innen sterben. Was wir momentan erleben, ist aber anders. Die Patient:innen, die wir hier sehen, haben alle dasselbe Krankheitsbild. Sie sind im Alter von Ende 40 bis Mitte 80, und der Krankheitsverlauf in seinen Phasen ist oft sehr ähnlich und so aggressiv. Obwohl wir so hart um jeden Erkrankten kämpfen, sterben doch zu viele.

Corona: Zahlreiche Covid-Todesfälle auf der Intensivstation

Sehr belastend ist für uns alle, dass unsere Patientinnen und Patienten hochmotiviert, aber mit extrem niedrigen Sauerstoffwerten im Blut auf unsere Station kommen, alle zum Teil sehr anstrengenden Therapiemaßnahmen bereitwillig mitmachen. Beispielsweise die Atmung mit sehr hohen Sauerstoffkonzentrationen, die sogenannte High-Flow-Sauerstofftherapie, die für die Patientinnen und Patienten wirklich anstrengend und belastend ist. Wir selbst haben aber von Anfang an die Angst im Hinterkopf, dass es zu einem tragischen Verlauf kommen könnte, den wir, obwohl wir es mit aller Kraft versuchen, nicht immer verhindern können.

Gunnar Gölzenleuchter ist stellvertretender Leiter der Covid-Intensivstation.

Die Arbeit mit den schwerstkranken Covid-Patient:innen ist so anstrengend: Wir drehen die beatmeten Patient:innen vom Rücken auf den Bauch und wieder zurück, wir überwachen ständig alle Organfunktionen, wir pflegen sie rundum – und das alles mit der Schutzkleidung, unter der man wahnsinnig schwitzt. Es ist frustrierend, wenn man unter diesen schwierigen Bedingungen alles tut, dass eine erkrankte Person gesund wird und dann passiert es trotzdem ... Wir wissen, dass auch bei uns knapp 30 Prozent der Covid-Intensivpatienten:innen versterben. Das ist auch für uns auf der Intensivstation viel zu viel.

Corona: Unterstützung für Intensivstation kommt auch von Restaurants

Schön ist, dass das Team so gut funktioniert und zusammenhält. Wir unterstützen und trösten uns gegenseitig. Letztens hat hier eine Kollegin so geweint, weil jemand gestorben ist. In solchen Momenten kommt einem die ganze Anstrengung manchmal sinnlos vor, und man fühlt sich so machtlos. Schlimm ist es auch, wenn man einen Menschen betreut hat, dem es erst besser geht, und dann kommt man zum nächsten Dienst und sein Zustand hat sich wieder verschlechtert.

Was uns immer wieder motiviert ist, dass wir von außen so viel Unterstützung erfahren. Es gibt Restaurants, die uns Essen bringen oder Kuchen spenden, und auch von Privatleuten kommt viel Unterstützung. Immer wieder bringen Angehörige uns Kuchen oder schreiben uns nette Karten – das hilft!

Die Mitarbeiter von Covid-Intensivstationen sehen viele Menschen sterben. Der stellvertretende Leiter der Station in Darmstadt berichtet (Symbolbild).

Covid-Patienten geben Dank an Station zurück

Und es gibt richtige Lichtblicke: Zwei Covid-Patienten, die wir im Frühjahr hier intensivmedizinisch behandelt haben, sind vorbeigekommen und haben sich bei uns bedankt. Das hat unser gesamtes Team sehr gefreut und motiviert. Beiden ging es wirklich schlecht. Jetzt zu sehen, dass sie wieder fit sind, das ist einfach toll.“ (Claudia Kabel)

Darmstadt: Blick in den Klinikalltag auf Covid-Stationen

Das Klinikum Darmstadt, Koordinierendes Krankenhaus für Südhessen, will auf Wunsch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeigen, was auf den Stationen wirklich los war: Ein Blick in den Klinikalltag auf Covid-Stationen in Darmstadt.

Die Klinikdirektorin der Zentralen Notaufnahme berichtet von ihrer Arbeit zu Corononazeiten. Die Angst ist ein ständiger Begleiter.

Zwei Pflegekräfte des Klinikums Darmstadt berichten von ihrer Arbeit auf der Corona-Station. Dort kommen Patient:innen mit den verschiedensten Krankheiten zusammen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht die aktuellen Corona-Fallzahlen für Deutschland sowie für Darmstadt und Südhessen.

Rubriklistenbild: © Robert Michael

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