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Im Einsatz auf der Corona-Normalstation: Katharina Abich und Edith Peschel (rechts).
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Im Einsatz auf der Corona-Normalstation: Katharina Abich und Edith Peschel (rechts).

Darmstadt

Corona-Normalstation: Angst vor dem Virus ist in Gesichtern zu sehen

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Zwei Pflegekräfte des Klinikums Darmstadt berichten von ihrer Arbeit auf der Corona-Station. Dort kommen Patient:innen mit den verschiedensten Krankheiten zusammen.

Mit aktuell sinkenden Infektionszahlen entspannt sich auch langsam die Lage auf den Covid-Stationen in den Krankenhäusern. Das Klinikum Darmstadt, Koordinierendes Krankenhaus für Südhessen, will auf Wunsch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeigen, was auf den Stationen wirklich los war.

In mehreren Berichten erhalten die Beschäftigten verschiedener Stationen des Klinikums eine Stimme und erzählen, wie es ihnen ergangen ist. Ihre Schilderungen veröffentlichen wir hier im Wortlaut.

Edith Peschel und Katharina Abich sind Pflegekräfte auf der Corona-Normalstation :

„Wir sind normalerweise das Team der interdisziplinären Wahlleistungsstation. Im Oktober haben wir unsere Station geschlossen und betreuen seitdem die Patienten auf einer der zwei Covid-19-Normalstationen im Klinikum Darmstadt. Unterstützung bekommen wir von Kolleg:innen aus der Urologie und der Hautklinik. So lernen wir alle voneinander. Durch die Arbeit auf einer interdisziplinären Station waren wir es gewohnt, Patient:innen mit den unterschiedlichsten Krankheiten zu pflegen. Aber dieses Spektrum an Krankheiten, das wir auf der Corona-Station betreuen müssen, ist auch für uns ungewohnt. Denn alle Patient:innen, die positiv getestet werden, kommen auf eine der drei Corona-Stationen – egal, welche Erkrankung sie sonst noch haben. So ist aus der Frauenheilkunde oder HNO bis zur Inneren Medizin so gut wie alles dabei. Die allermeisten Patient:innen haben nicht nur Corona, sondern auch eine andere Erkrankung, da sie alt und vorerkrankt sind. Das ist für unser Team eine große Herausforderung und eine riesengroße Umstellung. Unsere Arbeitsroutine gibt es plötzlich nicht mehr. Wir mussten uns schnell einarbeiten, und es gab viele Unsicherheiten, weil niemand die Krankheit kannte und keiner je eine Pandemie erlebt hatte. Wir geben als Team alles, kommen dabei aber an unsere persönlichen Grenzen. Das Aufwendige an Covid-19-Patient:innen ist, dass sie eine besonders engmaschige Überwachung brauchen, weil sich ihr Zustand rasch verschlechtern kann. Das bedeutet für uns viel Verantwortung, weil wir trotz des hohen Arbeitsaufkommens niemanden aus dem Blick verlieren dürfen. Wir haben in den letzten Monaten sehr viel über die Krankheit gelernt. Wir können die Symptome viel besser lesen und einen typischen Verlauf erkennen. Aber der medizinische und pflegerische Aufwand ist viel höher.

Hinzu kommt, dass wir sehr viele alte Patient:innen auf unsere Station haben, die viel Unterstützung bei der Körperpflege, bei der Ernährung oder bei der Bewegung brauchen. Anstrengend ist auch, dass wir immer mit persönlicher Schutzkleidung (PSA) arbeiten müssen. Wenn wir zu den Patienten gehen, ziehen wir eine FFP2-Maske, einen Haarschutz, eine Brille oder ein Visier, einen Schutzkittel und zwei Paar Handschuhe an. Dabei müssen wir sehr sorgfältig vorgehen. Wir müssen unsere Tätigkeiten viel genauer planen, denn wenn man etwas vergessen hat, muss man sich erneut wieder aus- und dann wieder anziehen. Das kostet enorm viel Zeit.

Also muss man idealerweise alle benötigten Materialien dabeihaben und auch auf Eventualitäten vorbereitet sein. Wir haben in diesen Fluren die wichtigsten Materialien aufgestellt, damit wir für die Versorgung alles Nötige schnell parat haben. Auch unser Miteinander hat sich durch die strengen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln stark verändert. Pausen verbringen wir getrennt, und auch die Übergaben laufen anders ab. Das ist natürlich nicht das Miteinander, das wir uns wünschen. Belastend ist auch, den psychischen Zustand der Patient:innen zu erleben. Ihnen steht die Angst häufig ins Gesicht geschrieben. Sie haben Angst vor dem Virus, sie sind geschwächt, sie dürfen keinen Besuch empfangen. Nur in absoluten Ausnahmefällen ist das möglich. Das ist sehr belastend, und wir versuchen für sie da zu sein, müssen aber erst einmal sehen, dass sie gut versorgt sind. Zwischendurch versuchen wir, so gut wie möglich Kontakt zu den Angehörigen zu halten, weil wir auch merken, wie sehr diese leiden.

Wir wussten von Anfang an, dass wir auf der Corona-Station mehr physische und psychische Belastung erfahren werden. Leider hat die Realität diese Befürchtungen bestätigt. Auch dass wir mehr Todesfälle erleben als normalerweise, ist für uns alle belastend.

In unserem Team können wir offen sprechen und uns einander mitteilen, was uns in dieser Krise weiter zusammenschweißt. Wir nehmen an Supervisionen teil, und eine Hotline wurde eingerichtet.

Das Wichtigste für uns ist: Wir halten sehr gut zusammen und achten aufeinander, weil es körperlich und mental sehr anstrengend ist. Aber es ist ein Marathon – und das schon sehr lange. Wir hoffen auf die Impfung und damit das Ende der Pandemie.“

Darmstadt: Blick in den Klinikalltag auf Covid-Stationen

Die Klinikdirektorin der Zentralen Notaufnahme berichtet von ihrer Arbeit zu Corononazeiten. Die Angst ist ein ständiger Begleiter.

Der stellvertretende Leiter der Covid-Intensivstation des Klinikums berichtet von seiner Arbeit. „Wir wissen, dass auch bei uns knapp 30 Prozent der Covid-Intensivpatienten:innen versterben“, sagt er.

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