Frommer Brauerwunsch am Fenster des Pfungstädter-Kesselhauses.
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Frommer Brauerwunsch am Fenster des Pfungstädter-Kesselhauses.

Pfungstadt

Corona-Krise setzt Brauerei zu: Pfungstädter will Pleite verhindern

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Nach dem gescheiterten Verkauf an einen Investor soll die Brauerei Pfungstädter im Schutzschirmverfahren saniert werden, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Der Betrieb wird mit allen 100 Mitarbeitern fortgeführt.

Die Pfungstädter Brauerei soll im Schutzschirmverfahren saniert werden. Dies habe das Amtsgericht Darmstadt auf Antrag der Privatbrauerei beschlossen, „um eine drohende Zahlungsunfähigkeit durch Umsatzeinbrüche in der Corona-Krise abzuwenden“, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Betrieb der Brauerei werde mit allen rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fortgeführt und von einem gerichtlich bestellten Verwalter überwacht.

Auch die Pfungstädter Brauerei, die zuletzt einen Umsatz von jährlich 17 Millionen Euro erwirtschaftete, musste durch die Corona-Krise deutliche Absatz- und Umsatzeinbußen hinnehmen. Gut 13.000 Hektoliter Bier seien in den vergangenen Wochen weniger verkauft worden, teilte Geschäftsführer Stefan Seibold mit. Der Export sei „fast vollständig eingebrochen“.

Betrieb der Brauerei Pfungstädter läuft ungestört fort

„Diese außergewöhnliche Belastung zwingt uns jetzt unter den Schutzschirm“, äußerte Seibold. „Im Unterschied zu einigen anderen Brauereien, die ihren Betrieb schon schließen mussten, können wir den Betrieb unter Aufsicht eines Sachwalters ungestört fortführen. Die Gehälter der rund 100 Mitarbeiter werden bis Ende August von der Arbeitsagentur übernommen. Unser Ziel ist es, die Brauerei zu sanieren und mit einem Investor möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, erklärte Seibold. Wie das Schutzschirmverfahren abläuft und wie die Brauerei saniert werden soll, will der Geschäftsführer am Freitag zusammen mit einer Anwältin erläutern.

Brauerei Pfungstädter ist nicht zahlungsunfähig

In dem Schutzschirmverfahren wird die Brauerei Seibold zufolge von der auf Restrukturierung und Insolvenzen spezialisierten Kanzlei Schiebe und Collegen in Darmstadt unterstützt, die schon zahlreiche Unternehmen habe sanieren und erhalten können. „Noch hat die Brauerei Luft und ist nicht zahlungsunfähig. Es wurden frühzeitig die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Deshalb sind wir zuversichtlich, die Brauerei zu sanieren“, sagt Rechtsanwältin Annemarie Dhonau.

Gespräche mit Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Banken geplant

In den nächsten Tagen und Wochen sollen nach den Worten von Seibold und Dhonau mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Banken Gespräche geführt werden. Dhonau hofft, dass „jeder ein Interesse an einer Sanierung und Fortführung der in Südhessen führenden Brauerei hat“. Dann könne die Brauerei, die sich seit einiger Zeit unter dem Slogan „die Biermacher“ vermarktet wird, auch zukünftig ihre Spezialitäten brauen, sagt die Rechtsanwältin.

Im Auftrag des Amtsgerichts Darmstadt überwacht der Rechtsanwalt Jan Markus Plathner aus Frankfurt als vorläufiger Sachwalter das Schutzschirmverfahren.

Verkauf der Brauerei Pfungstädter scheiterte im Februar

Im Februar war die Übernahme der Brauerei durch die Firma Spectrum Invest mit Geschäftsführer Uwe Dieter Krück an der Spitze gescheitert (Verkauf der Brauerei Pfungstädter geplatzt). Seither führt die im Jahr 1831 gegründete Privatbrauerei Gespräche mit weiteren Interessenten für das Unternehmen und das Grundstück, das in der Nähe des Pfungstädter Bahnhofs liegt. Investor Krück hatte zu Beginn der Verkaufsverhandlungen vollmundig davon gesprochen, auf dem Gelände des Pfungstädter Schwimmbads „die modernste Brauerei der Welt“ zu errichten. Die Gespräche mit anderen Interessenten „werden wir jetzt intensivieren“, teilte Brauerei-Geschäftsführer Seibold am Mittwoch mit.

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