Mehrere Kinder sind bei Nacht von hinten zu sehen, sie tragen erleuchtete Laternenlichter vor sich her.
+
Dieses Jahr fallen wegen der Corona-Pandemie Laternenumzüge aus.

„Querdenken“-Initiative in Groß-Zimmern

Nach Verbot von Lichterumzug: „Querdenken“-Aktivistin meldet Spontandemo an

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
    schließen
  • Claudia Kabel
    Claudia Kabel
    schließen

Die Gemeindeverwaltung von Groß-Zimmern hatte einen Laternenumzug für Kinder, der als Demonstration angemeldet worden war, zunächst verboten. Das Verbot wurde auch vom Verwaltungsgericht Darmstadt bestätigt. Kurz vor Schließung des Rathauses meldete am Mittwochnachmittag dann eine weitere „Querdenken“-Aktivistin eine Spontandemo an, die unter Aufsicht der Polizei stattfinden konnte.

Update vom Donnerstag, 12. November, 15:45 Uhr: In Groß-Zimmern haben sich bekennende Aktivist:innen der Initiative „Querdenken“, an deren Kundgebungen bereits mehrfach gewaltbereite Rechtsextremisten teilgenommen haben, am frühen Mittwochabend doch noch zu einer Demonstration auf dem Rathausplatz versammelt. An der von einer Frau angemeldeten „Spontandemonstration“ hätten sich 17 Personen beteiligt, teilte Polizeisprecherin Andrea Löb am Donnerstag auf Anfrage mit.

Die Gemeinde Groß-Zimmern hatte die angemeldete Demonstration als Ersatz für einen Martinsumzug zunächst verboten. Das Verbot war am Mittwoch auch in einem Eilverfahren vom Verwaltungsgericht Darmstadt bestätigt worden.

Bekennende „Querdenken“-Aktivistin meldet Spontandemo ab

Allerdings meldete kurz vor Schließung der Gemeindeverwaltung am Mittwochnachmittag eine andere Frau eine spontane Versammlung an, um gegen die derzeitige Einschränkung der Grundrechten zu protestieren. Angesichts der kurzfristigen Anmeldung ließ die Gemeinde die spontane Versammlung zu.

Polizeisprecherin Löb sagte, die Spontandemo sei „friedlich und unproblematisch“ verlaufen. Mehrere Polizeikräfte hätten die 17 Teilnehmer:innen eskortiert und darauf geachtet, dass die Abstandsregeln eingehalten worden seien. Laut einem Bericht des „Darmstädter Echo“ waren die Protestierenden „durchweg unmaskiert“. Ein Beobachter berichtete auf Twitter, zu der Spontandemo hätten die Teilnehmenden auch Laternen mit der Aufschrift „I love Grundgesetz“ mitgebracht. Andere hatten Grablichter dabei.   

Aufregung um eine Laternenumzugs-Demo in Groß-Zimmern

Update vom Dienstag, 10. November, 18:00 Uhr: Ein als Demonstration angemeldeter Laternenumzug für Kinder sorgt in Groß-Zimmern (Kreis Darmstadt-Dieburg) für Aufregung. Dort hatten zwei Kinderkrankenschwestern, die bekannt für ihr Engagement in der Corona-kritischen „Querdenken“-Initiative sind, für Mittwoch einen Lichterumzug unter dem Titel „Licht im Dunkel“ angemeldet.

Bürgermeister Achim Grimm (CDU) verbot umgehend die Veranstaltung per Verfügung. Der Bescheid sei den Initiatorinnen am Dienstag zugestellt worden. Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau begründete er diese Entscheidung damit, dass man zwischen Demonstrationsfreiheit und Coronaverordnung abgewogen habe. „Wir stellen die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger drüber.“ Die Initiatorinnen seien bekennende Maskegegnerinnen. Die Ordnungsbehörde der Gemeinde sah es zudem nicht für gegeben, dass während des Demonstrationszuges in den beantragten Straßen, Flächen und Verkehrsknotenpunkten, auch aufgrund der nicht abzuschätzenden Teilnehmerzahl, der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden könne. 

Groß-Zimmern: Organisatorinnen der abgesagten Demo leugnen Notwendigkeit von Masken

In einem Artikel des Groß-Zimmerner Lokal-Anzeigers, der vor einigen Wochen erschien, werden die Organisatorinnen der Demonstration mit den Worten zitiert, es gebe „keinen Mundschutz, der Sars aufhalte“ und Kinder seien „weder gefährlich noch gefährdet“.

In Groß-Zimmern hat sonst niemand versucht, einen Umzug anzumelden

Der Umzug hatte laut Bürgermeister auf dem Rathausplatz starten und enden sollen und es sollten auch Lautsprecheranlagen aufgestellt werden. Nicht gerade typisch für einen Martinsumzug. Viele Anrufe und Mails hatten das Rathaus erreicht, nachdem die Ankündigung zum Lichterumzug am 11. November in örtlichen Medien erschienen war. Es wäre der einzige Martinsumzug im Ort gewesen, denn wegen den Corona-Auflagen sind solche Veranstaltungen derzeit nicht möglich. „Alle anderen waren vernünftig und haben sich dran gehalten“, so Grimm.

Wie die Kommune mitteilte, hatten sich in Abstimmung mit den Kirchengemeinden und besonders mit den örtlichen Kindertagesstätten die Gemeinde Groß-Zimmern schon in den vergangenen Tagen verständigt, alle Laternen und Lichterumzüge im öffentlichen Bereich abzusagen. Eine Zusage an die privaten Veranstalterinnen des geplanten Umzuges mit Lichtern und Lampen, wäre allen anderen nur schwer vermittelbar gewesen, so die Kommune.

Corona-Hotspot Seniorenheim: Ein Grund für die Absage der Demo in Groß-Zimmern

Die Entscheidung, die Demonstration zu untersagen, sei auch vor dem Hintergrund gefallen, dass es am Wochenende in einem Seniorenheim in Groß-Zimmern zu einem Ausbruch mit Covid-19 gekommen sei. Dort seien 26 Bewohner und Bewohnerinnen sowie Angehörige des Pflegepersonals infiziert, so Grimm. (Claudia Kabel)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare