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„Clubhotel“-Ruine verschwindet

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Lange Stand die Ruine des früheren „Clubhotel“ im Messeler Wald. Nun soll nahe der Fossiliengrube eine Reitakademie mit Gästehaus entstehen.

Von Timur Tinç

Im Messeler Wald wurde jetzt damit begonnen, die Ruinen vom früheren „Clubhotel“ abzutragen. Damit endet die lange Geschichte um das Etablissement, das in den siebziger und achtziger Jahren als Amüsierbetrieb Furore machte, in den Neunzigern zweimal abbrannte. Vor zwei Jahren ersteigerte Unternehmer Ralf Kudernak aus Dreieich die Ruine, um dann an ihrer Stelle seinen „Wald(t)raum“, eine Reitakademie mit Hotel, zu verwirklichen. Damit die Bagger anrücken konnten, mussten – eine Auflage der Naturbehörde – die Fledermäuse ausziehen. Die hatten die dunklen Kellerräume der Ruine des früheren „Clubhotels“ als Quartier ausgewählt. Dann wartete Investor Ralf Kudernak geduldig auf den Winter, auf einen tiefgefrorenen Boden, damit die schweren Maschinen nicht so tief in den Morast einsinken. Vergebens.

Der vorhabenbezogene Bebauungsplan für das acht Hektar große Grundstück ist – wie berichtet – von der Messeler Gemeindevertretung längst abgesegnet. Einen Vorentwurf für die Reit-Akademie und ein Hotel auf Stelzen gibt es. Aber noch keinen genehmigten Bauantrag. Kudernak sucht einen Hotelbetreiber, denn Größe und Art der Übernachtungsmöglichkeit müssen noch gefunden werden. Mit drei Projektentwicklern stehe er in engem Kontakt.

„Außergewöhnlich wird es schon sein, ökologisch, energieeffizient, durchaus Baumhaus. Wir starten klein und wachsen sukzessive“, hat sich der Unternehmer aus Dreieich zum Ziel gesetzt. Es mache aber keinen Sinn, dort ein Riesenhotel in den Wald zu stellen, von dem zu bezweifeln sei, ob es überhaupt gebraucht wird. Losgehen könne es erst einmal mit Reit-Lehrgängen an der Akademie.

Der Investor hat bereits einiges an Vorleistung erbracht. Eine davon: der Umweltbericht.

Reithalle, Dressurplatz und Gästehäuser

Das Büro Ökologie und Landschaftsplanung von Horst Franz hat ihn erstellt. Kudernak legt einen dicken Ordner auf den Schreibtisch seines Büros im Industriegebiet von Dreieich. Dass das Projekt im Einklang mit der Natur stehen muss, ist für den Geschäftsführer eines international tätigen Unternehmens, das Hör-Sprechsysteme (Headsets) herstellt, unbestritten. Im Umweltbericht ist alles aufgelistet, was auf dem acht Hektar großen Gelände kreucht und fleucht. Aber nicht nur Tiere und Pflanzen sind hier zu finden. Das Terrain, wo sich bis zum Verbot ein Gotcha-Verein paramilitärische Schießereien mit Farbpatronen lieferte, gilt auch als Rückzugsgebiet für Wohnsitzlose.

Investor Ralf Kudernak plant eine Hotelanlage inklusive Reit-Akademie. So soll an der Roßdörfer Straße westlich des Welterbes Grube Messel eine Reithalle sowie ein Dressurplatz entstehen; dazu Gästehäuser mit bis zu 70 Betten, zwei Wohnhäuser, ein Wellness-Bereich, eine Stallung, ein Empfangsgebäude.

„Bevor ich mit dem Hotelbau anfange, muss erst der Bedarf geklärt werden“, bleibt der Unternehmer zurückhaltend, aber fest entschlossen, nach dem Abriss der Ruine etwas aufzubauen, was für die ganze Region von Nutzen ist.

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