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Clown der leisen Töne

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30 Arbeiter und Fahrer kümmern sich beim Russischen Staatszirkus um Aufbau und Transport.
30 Arbeiter und Fahrer kümmern sich beim Russischen Staatszirkus um Aufbau und Transport. © Roman Grösser

Manege frei: Der russische Staatszirkus gastiert auf dem Messplatz. Der legendäre Clown Oleg Popov führt durch die Show.

Laute Metallschläge hallen über den Darmstädter Messplatz. Arbeiter hämmern riesige Erdanker für das Zelt des Russischen Staatszirkus in den Boden. Mit vereinten Kräften ziehen die Männer gelbe Planen an den 20 Meter hohen Masten auf. Bei Regen und matschigem Boden wird geschwitzt und geschuftet, damit für die Premiere alles pünktlich fertig ist.

Von den Artisten ist am Dienstag auf dem Platz allerdings noch kaum jemand zu sehen. "Für die Künstler sind die Aufbautage wie Wochenende. Da haben sie Zeit, ins Schwimmbad zu gehen, einzukaufen oder ihre Wäsche zu waschen", erklärt Nicolette Sroka, die als Tourbegleiterin und Pressesprecherin seit sechs Jahren mit dem Zirkus unterwegs ist.

Der Charlie-Chaplin-Doppelgänger Gagik Avetisjan, Teufelsreiter Juri Wolodschenkow oder die Diavolo-Jongleure Anton und Ekaterina Tabejew treffen erst heute in Darmstadt ein. Und auch den Star des Zirkus, den legendären Clown und Moderator der Show, Oleg Popov, sucht man auf dem Messplatz noch vergeblich. Dass Popov mit seinen knapp 80 Jahren noch immer das Zugpferd der Truppe ist und die Massen begeistert, erklärt die Pressesprecherin mit seiner Ausstrahlung: "Er macht keinen lauten Klamauk, sondern schlägt auch mal besinnliche Töne an. Popov berührt die Menschen im Herzen."

Rund 100 Menschen arbeiten vor und hinter den Kulissen für den Russischen Staatszirkus. 30 Arbeiter und Fahrer kümmern sich um Aufbau und Transport, 40 Artisten zeigen sich in der Manege, inklusive Ballett und Orchester. Und dann sind da noch die Familien der Künstler, das Kassenpersonal und natürlich die Tiere. "Aber unser Schwerpunkt liegt eindeutig auf Artistik und Akrobatik", betont Sroka.

Dass die Tiere nur eine Nebenrolle spielen, mag man bei dem Geräuschpegel gar nicht glauben, der hinter dem Zirkuszelt herrscht. Das bunte Hunde-Rudel von Igor Markewitsch verstummt jedoch auf der Stelle, als sich der Tiertrainer zu seinen Schützlingen gesellt. Ein kleiner, schwarzer Pinscher, zwei Berner Sennenhunde und eine ganze Schar von Pudeln gehören zu seiner quirligen Truppe. Auch die Löwen von Dompteur Heiko Olf machen auf sich aufmerksam - jedoch nicht mit Gebrüll. In ihrem Außenkäfig sind sie einfach nicht zu übersehen. Unerschrocken steigt der Tierlehrer zu seinen Raubkatzen und "spielt" eine Runde mit ihnen. Die Aufmerksamkeit für Puma-Dame Lilly macht den männlichen Löwen ein wenig eifersüchtig. Ehrgeizig buhlt er um Aufmerksamkeit, bis auch er die gewünschten Streicheleinheiten bekommt.

Seit acht Jahren ist Heiko Olf Tierlehrer. Angst kennt er nicht. "Eher Vorsicht", sagt er, "denn alle Situationen können gefährlich werden." Erfahrung und Konzentration seien elementar, um solche Momente unbeschadet zu überstehen. Ein paar Narben an den Armen hat Olf dennoch schon davongetragen. Trotzdem liebt er seinen Beruf, sein Umgang mit den Tieren wirkt souverän und einfühlsam. "Gegenseitiger Respekt und Vertrauen sind wichtig - sonst funktioniert das Ganze nicht." (pi)

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