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Chlorfrei genießen

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Eichen, Kastanien und Pappeln säumen das Ufer des Arheilger Mühlchens und spenden Schatten.
Eichen, Kastanien und Pappeln säumen das Ufer des Arheilger Mühlchens und spenden Schatten. © Claus Völker

An heißen Sommertagen laden gleich drei Naturbadeseen in Darmstadt dazu ein, aus dem Stadtgewimmel abzutauchen: Das Arheilger Mühlchen, der Große Woog und die Grube Prinz von Hessen.

Ruhig, fast ein wenig versteckt, liegt das Arheilger Mühlchen zwischen Arheilgen und Kranichstein. Wer vom Parkplatz der Sportgemeinschaft aus dem Rauschen des Wassers folgt, stößt bald an die Umzäunung des parkähnlichen Areals. Auch wenn der Eintritt in das städtische Naturbad frei ist, öffnet es seine Tore nur zu bestimmten Uhrzeiten von Mitte Mai bis Mitte September.

Die langgezogene Wasserfläche liegt ruhig im Schatten der alten Eichen, Kastanien und Pappeln, die das Ufer säumen. Die Stille wird durchbrochen von einem kleinen Springbrunnen im Teich, der neben Seerosen vor sich hinplätschert. Blesshühner jagen übers Wasser, manchmal rattert ein Zug vorbei. Seinen Namen verdankt das Mühlchen der benachbarten Gastwirtschaft, die anstelle einer 1877 abgebrannten Getreidemühle errichtet wurde. Der Teich ist seit 1924 Gemeindeschwimmbad.

Schon morgens trudeln die ersten Besucher ein. Einige haben nur Handtuch und Badesachen dabei, entkleiden sich rasch auf einer der weißen Bänke am Ufer, und lassen sich nach einer kalten Dusche ins 26 Grad warme Wasser gleiten. Zwei ältere Frauen hingegen transportieren auf Sackkarren Liegen, Sonnenschirme und Kühlboxen zu ihrem Lieblingsplatz am anderen Ufer. Alles ganz unaufgeregt.

Das schätzt auch Kristina Nießner aus Wixhausen: „Es ist hier nie voll und außerdem schön ruhig. Trotzdem kann man viel unternehmen.“ Sie ist mit ihrem Sohn Carl gekommen, der an diesem Tag seinen elften Geburtstag feiert. Ihn stört am Mühlchen nur eins: „Der Drei-Meter-Turm ist dauernd zu, weil im Sommer der Wasserstand oft zu niedrig ist.“

Abgeschieden im Wald

Mit bis zu 13,6 Metern tief genug für einen Sprungturm wäre die Grube Prinz von Hessen. Faktisch jedoch ist dieser mehr als sechs Hektar große See mitten im Wald südlich der Dieburger Straße jedoch so naturbelassen, dass ihm auch all die Annehmlichkeiten eines herkömmlichen Freibads fehlen: Es gibt keine Umkleiden, keine Duschen, keine Rutschen und auch keinen Sprungturm.

Lediglich acht, in den Augen der Badegäste fragwürdige Baustellenklos stehen nicht weit entfernt. Immerhin: Eine Frittenbude und die Eis-Friedel versorgen in den Sommermonaten die Badegäste. Und an Wochenenden und Feiertagen während der offiziellen Freibadsaison schauen Rettungsschwimmer nach dem Rechten.

Dafür gibt es Natur pur. Und die ist den Badegästen wichtiger als Rutschen oder Duschen. Zunächst geht es ein Stück durch den Wald, bevor dieser den Blick auf den von Büschen und Weiden gesäumten See mit seiner im Sonnenlicht glitzernden Wasseroberfläche freigibt. Allerdings ist nur die Ostseite der Grube, in der bis 1924 Braunkohle abgebaut wurde, zum Baden freigegeben. An den anderen Ufern wird geangelt. Trotz Badeverbots besuchten seit den 60er Jahren mehr und mehr Wasserratten den inzwischen zum Schwimmen freigegeben See. Allerdings auf eigene Gefahr, betont Stadt-Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel.

Ein wenig von diesem wilden Geist der damaligen Zeit ist auch heute noch zu spüren. Ein großer Teil des Stammpublikums etwa verzichtet gänzlich auf Badekleidung. Da kein Schild auf Beginn oder Ende des FKK-Bereichs hinweist, sitzen durchaus Besucher mit Badehose oder Bikini zwischen den Nackten.

Ines Nowak kommt seit mehr als 30 Jahren. „Diese Ruhe und Naturbelassenheit ist einfach herrlich“, schwärmt sie. Auch das Wasser sei sehr gut. Obwohl es keine Duschen gibt, ergaben Messungen der Wasserqualität seit 2008 stets ausgezeichnete Werte. Das einzige, was sie stört, sind trotz Verbot Grillpartys nachts und am Wochenende. „Da wird oft sehr viel Unrat hinterlassen.“

Der Große Woog zwischen Landgraf-Georg- und Heinrich-Fuhr-Straße ist dagegen fast schon ein Spaßbad. Fröhliches Kinderkreischen ist schon von draußen zu hören. Das Babybecken wird von den Kleinsten in Beschlag genommen, während sich die Älteren mit Tischtennis oder Badminton die Zeit vertreiben. Aber auch Ruhesuchende finden am Woog ihren Platz, etwa im Schatten großer Weiden auf der weitläufigen Liegewiese hinter dem Kiosk.

Familienfreundlich im Zentrum

Wo heute das pralle Sommerleben tobt, stellte man im 17. Jahrhundert Seeschlachten nach und brannte Feuerwerk ab. Bis ins 18.?Jahrhundert war das Baden im See verpönt. Erst 1828 richtete die Stadtverwaltung dort das erste öffentliche Bad ein.

Eine geschwungene Brücke führt auf Woogsinsel, wo Susanne Schneider und ihr fünf Jahre alter Sohn Moritz auf dem Handtuch sitzen und Kekse knabbern. Für Kinder sei der Woog ideal, vor allem, weil er nicht so tief ist, meint Schneider. „Im Freibad, wo so viel Gewusel ist, muss man viel mehr aufpassen.“ Platz zum Schwimmen gebe es dennoch genug. Etwa im Familienbad, wo sogar Bahnen abgeteilt sind. Dort erhebt sich auch der Zehn-Meter-Sprungturm für ganz Mutige. Dass das Woog-Wasser ein wenig trüb ist, stört Schneider nicht. „Ich bin ein See-Mensch und mag kein Schwimmbadwasser.“ Den Woog besucht sie seit zehn Jahren. „Mit den ganzen Gänsen und Enten hier ist das ein richtiges Stück Natur in der Stadt.“( ers)

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