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Der künftige Museumsdirektor Martin Faass will bedeutende Objekte nicht bloß bewahren.

Landesmuseum

Vom Wannsee an den Friedensplatz

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Der Kunsthistoriker Martin Faass wird zum Jahresbeginn neuer Direktor des Hessischen Landesmuseums Darmstadt.

Knapp ein Jahr nach dem Tod von Theo Jülich erhält das Hessische Landesmuseum Darmstadt zum 1. Januar einen neuen Direktor. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) hat am Dienstag den promovierten Kunsthistoriker Martin Faass als Nachfolgers Jülichs vorgestellt, der das Museum seit 2013 geleitet hatte. Der 55-Jährige ist seit September 2006 Direktor des Museums Liebermann-Villa am Wannsee in Berlin und Geschäftsführer der Berliner Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin und gehört seit 2012 dem Vorstand des Landesverbandes der Museen zu Berlin an.

Bei der Präsentation der vielfältigen Sammlungen des Universalmuseums komme es ihm vor allem auf den Bezug zur Aktualität an, sagte Faass bei seiner Vorstellung am Dienstag in Darmstadt. Es gehe darum, „Geschichten zu erzählen“. „Wir können uns nicht darauf ausruhen, dass wir bedeutende Objekte bewahren“, sagte Faass. Diese müssten mit aktuellen Fragen verknüpft werden. Als Beispiele nannte er Auswirkungen des Klimawandels, Insektensterben und die Frage: Wie wollen wir heute leben? Zugleich solle das Museum ein „Ort zum Staunen“ über authentische Dinge sein. Ein Museum mit einer so vielfältigen Sammlung wie in Darmstadt habe in Zeiten einer immer komplexer werdenden Welt große Chancen, Dinge erlebbar zu machen, um die Welt zu verstehen.

Das Haus solle für ganz unterschiedliche Besucherschichten zugänglich werden, stärker in die Stadtgesellschaft wirken und sein Profil von außen genauer erkennbar werden, sagte der gebürtige Karlsruher. Fragen der Digitalisierung müssten ein Schwerpunkt sein.

Eine Findungskommission hatte Faass als neuen Museumsleiter ausgesucht. Faass bringe „sowohl fachlich als auch persönlich die besten Voraussetzungen für seine neue Aufgabe mit“, äußerte Minister Rhein. Er dankte zugleich Museumsdirektorin Gabriele Gruber, die mit dem Museumsteam nach dem Tod Jülichs interimistisch die Leitung des Museums übernommen hatte.

Faass hat in Marburg und Berlin Kunstgeschichte und Germanistik studiert. Seit 1995 hat er mehrere Stationen bei renommierten Einrichtungen der deutschen Museumslandschaft durchlaufen und kann auf Berufserfahrungen als Kurator, Wissenschaftler und Museumsleiter zurückgreifen. So realisierte er zahlreiche Ausstellungen, unter anderem für die Hamburger Kunsthalle, das Museum Kurhaus Kleve, das Kunsthaus Apolda und das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Das Landesmuseum am Darmstädter Friedensplatz umfasst die Abteilungen Naturgeschichte und Kulturgeschichte mit Beständen der Archäologie, der Vor- und Frühgeschichte, der Völkerkunde, der Volkskunde und der Kunstgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Das historische Museumsgebäude wurde 2014 nach rund sechsjähriger Sanierung wiedereröffnet. In neu entstandenen Ausstellungsräumen werden seitdem unter anderem der internationale Jugendstil, die Vor- und Frühgeschichte, die japanische Kunst sowie die ägyptische und griechische Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert. (mit dpa)

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