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Die kleine Katze ist ein Fundtier – ob jemand sie vermisst, ist nicht bekannt.

Darmstadt

Tierisch gute Verhütung

Der Tierschutzverein Darmstadt fordert eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen.

Die schwarze Perserkatze sieht derzeit noch erbärmlicher aus als zu dem Zeitpunkt, als sie gefunden wurde. Ihr total verfilztes Fell musste geschoren werden. Sie befindet sich in einer Box auf der Krankenstation des Katzenhauses im Darmstädter Tierheim am Alten Griesheimer Weg. In der Nachbarbox wird ein Katzenbaby versorgt, das ebenfalls ein Fundtier ist. Die kleine Katze hat beginnenden Schnupfen.

Beide Tiere sind nirgendwo registriert, können also niemandem zurückgegeben werden. Ob sie ausgesetzt wurden oder weggelaufen sind – man weiß es nicht. Würde die kleine Tigerkatze auf der Straße erwachsen, hätte sie erstens ruckzuck selbst Katzenkinder, wäre also Begründerin einer kleinen Population verwilderter Katzen.

Zweitens wäre die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit Katzen-Aids (FIV) infiziert wird, groß. Und drittens drohen natürlich auch alle anderen Krankheiten und Parasiten, mit denen wiederum Freigängerkatzen angesteckt werden.

Damit soll Schluss sein, fordern Tierschutzvereinsvorsitzende Carmen Schell und Tierheimleiter Christian Zentgraf. Sie haben nach Paderborner Vorbild ein Konzept für die Kastrations- und Kennzeichenpflicht für Katzen entwickelt – und stießen bei Ordnungsdezernent Rafael Reißer (CDU) und dem Ordnungsamt der Stadt auf offene Ohren. Wird sie umgesetzt, sagt Carmen Schell, ist Darmstadt damit die erste süddeutsche Stadt, in der es keine anonymen Katzen mit ungehemmtem Vermehrungstrieb mehr gibt.

Nicht nur Schutz für Freigänger-Hauskatzen

Im Moment hängt es am Land. Das Umweltministerium muss eine Delegationsverordnung für den Tierschutzgesetz-Paragrafen 13b in Kraft setzen. Sie ermöglicht es den Kommunen, eigene Verordnungen zu erlassen, erläutert Carmen Schell. Ziel ist ganz klar, „das Elend einzudämmen“, wie sie sagt.

Seit 15 Jahren gibt es das Wildkatzenkastrationsprogramm im Tierheim, berichtet Tierarzt Zentgraf. Mit großem Aufwand und Geldeinsatz werden hier verwilderte Katzen entwurmt, geimpft, gechipt und kastriert, bevor sie wieder in Freiheit entlassen werden. „Die Zahlen nehmen nicht ab“, stellt er fest. Diese Katzen müssen isoliert werden und brauchen professionelle Betreuung – für Tierheime bedeutet auch dies eine Herausforderung.

Von der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht verspricht sich Carmen Schell nicht nur größeren Schutz für Freigänger-Hauskatzen, die leichtere Vermittlung von Fundtieren und die allgemeine Reduzierung des Wildbestands, sondern auch den Zwang zum richtigen Handeln. „Im Moment kann ich mir den Mund fusslig reden“, sagt sie über uneinsichtige Katzenhalter. Eine Verordnung schafft Rechtssicherheit.

Von einer Katzenpolizei, die Kennzeichnung und Kastration kontrolliert, halten Carmen Schell und Christian Zentgraf jedoch nichts. „Ich denke, ein Großteil der Katzenhalter wird das akzeptieren und auch umsetzen“, sagt der Tierheimleiter. „Die Erfahrung aus anderen Städten ist jedenfalls positiv“, ergänzt die Vereinsvorsitzende. In Paderborn, Vorbild für das Darmstädter Konzept, würden zunehmend streunende Katzen gemeldet. (rwb)

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