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An den Umbauplanungen für die Kreuzung Carl-Ulrich-Straße/Frankfurter Straße scheiden sich die Geister.

Neu-Isenburg

„Stopp! Alles zurück auf Null“

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Gegensätzliche Ansichten zur Verkehrsentwicklung in der Innenstadt.

Im Grund genommen wollen beide das Gleiche: weniger Durchgangsverkehr in Neu-Isenburg. Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) spricht von einem Verlagern und Verdrängen, Maria Sator-Marx, Fraktionsvorsitzende der Grünen, vom Vermeiden. Hunkel erhofft sich vom Umbau des Verkehrsknotens Frankfurter Straße/Carl-Ulrich-Straße, der im Frühjahr kommenden Jahres starten soll, eine große Entlastung. Die Grünen-Politikerin dagegen sieht für die Stadt bisher kein funktionierendes Verkehrskonzept und fordert: „Stopp! Alles zurück auf Null und neu überdenken.“

„Die Lastwagen sollen aus der Friedhofstraße verbannt werden“, sagt Hunkel. Allerdings müsse die Stadt hier abwarten, bis der Unfallschwerpunkt am Autobahnanschluss in Dreieich-Sprendlingen beseitigt ist. Erst vor zwei Wochen hatte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir zugesagt, dass noch in diesem Jahr Ampeln an den Zufahrten zur A 661 an der Anschlussstelle Dreieich installiert werden. „Wenn dieses Thema geregelt ist, ist die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil bereit, ein Durchfahrtsverbot für die Friedhofstraße zu erlassen“, erklärt der Bürgermeister.

Neues Radverkehrskonzept bis Jahresende

Auch die Aufhebung der Autobahnbedarfsumleitung hängt von der Anschlussstelle Dreieich ab, sei aber „beschlossen und vom Land zugestimmt“. Seit mehreren Jahren möchte die Stadt diese Umleitung aufheben lassen, die die Isenburger Straßen stark belastet. Die Strecke führt derzeit noch über die Friedhofstraße und die Carl-Ulrich-Straße.

Künftig kann der Verkehr von Zeppelinheim kommend über die Siemens- und die Rathenaustraße sowie die Nord-Querspange auf die Autobahn 661 und die A 3 rollen. Der Bürgermeister bezeichnet diese Straßen als „weniger sensible Bereiche“, da dort in der Hauptsache Bürogebäude, aber kaum Wohnungen liegen.

Für etwa 20 000 Euro, so Hunkel, überarbeiten Studenten der Hochschule Darmstadt zusammen mit den städtischen Fachstellen und dem ADFC derzeit das Radverkehrskonzept aus dem Jahr 2000. Ende des Jahres soll es auf dem Tisch liegen. Neue Radwege soll es allerdings nur im neuen Stadtquartier Süd und im Baugebiet Birkengewann geben. In der Hauptsache sei eine Umgestaltung der Straßen durch Mehrzweckstreifen angedacht, erklärt der Bürgermeister, und nennt die Hugenottenallee, die Friedensallee und den Gravenbruchring.

Im Frühjahr 2015 soll der Verkehrsknoten Frankfurter Straße/ Carl-Ulrich-Straße in Angriff genommen werden. „Dort liegen aber sehr viele Leitungen, die erst umgelegt werden müssen“, sagt Hunkel und spricht von viel Feinabstimmung, die noch nötig sei. In der Straßenplanung sei das zukünftige Verkehrsaufkommen durch das Stadtquartier Süd bereits berücksichtigt. „Wir wollen dort keinen zusätzlichen Verkehr reinholen“, sagt Hunkel, es solle auch „keinen Schleichverkehr geben“. Deshalb sollen die Mitarbeiter der Büros am Rande des Quartiers Stellplätze vorfinden.

Hoffen auf attraktive Substitute

„Die Neu-Isenburger Verkehrsprobleme werden dilletantisch angegangen“, sagt Maria Sator-Marx. Es gebe immer wieder Verkehrszählungen, aber kein Verkehrskonzept. Man setze zu viel auf Individualverkehr und zu wenig auf den ÖPNV und auf Alternativen zum Auto. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie werde von der CDU immer wieder verunglimpft, dabei wäre das eine deutliche Entlastung für den Zugang nach Frankfurt. „Glücklicherweise sind alle überzeugt davon, dass es eine wirkliche Entlastung durch die Regionaltangente West geben kann“, meint sie, auch wenn dieses Bauwerk vom Ursprung her schon im Jahr 2000 fertig sein sollte.

Die Planungen für den Knoten Frankfurter Straße/Carl-Ulrich-Straße sind der Fraktionsvorsitzenden der Grünen ein Dorn im Auge. Dort solle das gleiche, nicht zufriedenstellende „Ampel-Ei“ entstehen wie an der Kreuzung der Hugenottenallee mit der Carl-Ulrich-Straße. „Isenburg baut hochkomplizierte, ampelgesteuerte Pseudokreisel“, ärgert sie sich über diese Lösung. Im übrigen plane hier das Unternehmen, „das schon das Ampel-Ei verplant hat“. Deshalb habe sie erhebliche Zweifel, „dass es besser wird“.

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