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Statt der alten Starenkästen fürchten Raser nun Blitzsäulen.

Neue Blitz-Säulen

Raser lassen die Kasse klingeln

Die neu installierten Blitzsäulen leisten in der Darmstädter Innenstadt ganze Arbeit: Zehntausende Raser werden geblitzt, die Stadt nimmt Millionenbeträge ein.

Das Licht der Ampel springt von Grün auf Gelb. Schnell fährt ein Autofahrer auf der Darmstädter Bleichstraße noch über die Kreuzung mit der Grafenstraße – zu schnell. Ein roter Blitz leuchtet an der Säule am Straßenrand auf. Ein Bußgeld ist fällig.

Die Kontrollanlage an der Kreuzung in der Innenstadt zählt zu den einträglichsten der zehn installierten Stelen. Allein im Dezember verzeichnete das Ordnungsamt dort 1370 Fälle, für die Verwarnungs- oder Bußgeld fällig wurde. Die Fahrer waren zu schnell, fuhren bei Rot, waren nicht angeschnallt oder hatten ein Handy am Ohr. Mehr als 31 700 Euro brachte das ein.

Rund 2,35 Millionen Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr bei Verkehrskontrollen eingenommen. Vor allem die neu installierten Blitzsäulen im Stadtgebiet haben zu den Einnahmen beigetragen.

Laut städtischer Statistik haben sich die Blitzer längst amortisiert. „Wir haben 500 000 Euro investiert“, sagt Ordnungsdezernent Rafael Reißer (CDU). Dazu wurden zehn Säulen und drei Kameras, die wechselweise in den Stelen montiert sind, angeschafft. Als Standorte wurden in Zusammenarbeit mit der Polizei sogenannte Unfallschwerpunkte ausgewählt. Ordnungs- und Bußgelder für fast eine Million Euro wurden inzwischen ausgestellt.

77 026 Verstöße registriert

Hinzu kommen mobile Kontrollen. Zwei Autos hat die Stadt im Einsatz. Mit deren Anlagen werden vor allem Tempo-30-Zonen kontrolliert, aber beispielsweise auch die Karlsruher Straße. 28 201 Mal wurde dabei geblitzt – mit Verwarnungsgeldern von mehr als einer halben Million Euro. Von den stationären und mobilen Geräten wurden 2013 rund 5,45 Millionen Autos kontrolliert und dabei 77 026 Verstöße mit einem Volumen von 1,45 Millionen Euro registriert.

Nicht alles davon fließt in die Stadtkasse. „Zum einen wird immer wieder mal Widerspruch eingelegt“, sagt der zuständige Abteilungsleiter, Günter Pleil. Hinzu kommt, dass bei Bußgeldern, also bei Beträgen von mehr als 35 Euro, das Land Hessen 60 Prozent des Betrags erhält, weil diese Fälle über das Regierungspräsidium Kassel abgewickelt werden.

Verkehrssicherheit als Ziel

Am lukrativsten ist weiterhin der Blitzer westlich von Eberstadt, an der Kreuzung der Karlsruher mit der Pfungstädter Straße. Im Dezember blitzte es dort 2527 Mal. Das ergab Knöllchen in Höhe von fast 40 800 Euro.

Auch wenn solche Einnahmen Bestandteil des grün-schwarzen Konzepts zur Konsolidierung des Haushalts sind, würde Dezernent Reißer die finanzielle Seite am liebsten gar nicht so betonen: „Es geht um die Verkehrssicherheit.“ Die habe in den vergangenen Jahren gelitten. Ein Grund mag sein, dass es zwischen 2002 und 2013 keine fest installierten Kontrollpunkte in der Stadt gab. Die Reparatur der alten „Starenkästen“ erschien als zu teuer.

Reißer glaubt an den erzieherischen Effekt. Vergleichszahlen gibt es aber nur von der Kreuzung an der Karlsruher Straße. Demnach zeigt die Kontrolle Wirkung: In den ersten vier Betriebswochen gab es 12 024 Verstöße, zwischen Januar und Mai vergangenen Jahres im Schnitt monatlich mehr als 2700. Das sind rund 200 mehr als jetzt im Dezember.

Das Polizeipräsidium Südhessen kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben zu einem möglichen Effekt machen. Zwar sei die Zahl der Unfälle in der Stadt zurückgegangen, sagt Pressesprecher Ferdinand Derigs. Das jedoch auf die Verkehrskontrollen zurückzuführen, „wäre Spekulation“. (rf)

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