+
Ein Polizeihund hat bei dem Einsatz auf dem Schlossgrabenfest in Darmstadt auch einen an Hepatitis erkrankten Mann gebissen.

Schlossgrabenfest in Darmstadt

Polizeianwärter nutzte Code, um Festnahme zu verhindern

  • schließen

Neue Details zu den Krawallen auf dem Darmstädter Schlossgrabenfest: Der festgenommene Polizeianwärter war bewaffnet und versuchte mit einem polizei-internen Codewort, sich seiner Festnahme zu entziehen.

Nach Krawallen im Darmstädter Herrngarten kommen neue Details zu dem 22-jährigen Polizeianwärter, der die Beamten angegriffen hatte, ans Licht. Der junge Mann soll mit einem Messer bewaffnet und Pfefferspray bei sich gehabt haben. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) und beruft sich auf Sicherheitskreise.

Als er und seine Freunde bei den Randalen festgenommen werden sollten, habe der Polizeianwärter dann ein polizeiinternes Codewort benutzt, das für sogenannte Akutlagen bei Einsätzen verwendet wird. Damit habe er sich der Festnahme entziehen wollen und seine Freunde befreien wollen. Die Polizeikräfte gingen aber nicht auf diesen Täuschungsversuch ein, sondern nahmen den Anwärter fest. Diese neuen Erkenntnissen wollte eine Polizeisprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bestätigen.  

Gegen den 22-Jährigen läuft ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der versuchten Gefangenenbefreiung. Außerdem werde untersucht, ob ein Fehlverhalten vorliegt, das disziplinarrechtliche Schritte rechtfertigt. „Im schlimmsten Fall muss der Mann mit der Entlassung aus dem Dienstverhältnis rechnen“, sagte die Sprecherin. Allerdings sei es für eine rechtliche Einordnung noch zu früh. Nach einer ersten Vernehmung müssten nun weitere folgen.

Polizei wertet Videoaufnahmen aus  

Die Polizei sucht nach wie vor Zeugen, die Angaben zu dem Gewaltausbruch im Darmstädter Herrngarten machen können. Fotos oder Videos könne auf der Plattform www.polizei-hinweise.de/herrngarten hochgeladen werden. Bislang seien etwa 30 Hinweise eingegangen. Bei den meisten handelt es sich um Handy-Videos oder sonstige Bildaufnahmen, sagte die Sprecherin. 

„Die Aufnahmen - manche davon sind mehrmals gesendet worden - müssen nun ausgewertet werden. Dabei geht es etwa um Hinweise auf weitere beteiligte Täter.“ Auch die Zuordnung von Personen zu bestimmten Taten spiele bei der Sichtung eine Rolle.

Hepatitis-Übertragung durch Polizeihund?

Bei den Randalen in der Nacht zum vergangenen Sonntag setzte die Polizei auch Hunde ein. Nun stellt sich heraus, dass dabei auch ein an Hepatitis C erkrankten Mann gebissen wurde. Weil das Tier bei dem Einsatz noch weitere Personen biss, rät die Polizei Betroffenen, vorsorglich zu einem Arzt zu gehen. Zwar sei eine Übertragung der Krankheit aufgrund eines Bisses eher unwahrscheinlich, sie könne aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Rund 50 Ermittlungsverfahren eingeleitet

Am Rande des Schlossgrabenfestes hatten nach Angaben der Polizei etwa 100 Menschen in der Nacht zum Sonntag im Darmstädter Herrngarten Beamte angegriffen. Die Einsatzkräfte seien zunächst von mehreren kleinen Gruppen mit Flaschen und Steinen beworfen worden, später schlossen sich die Gruppen zusammen. Verletzt wurden dabei 15 Beamte. 112 Personen wurden vorläufig festgenommen und ungefähr 50 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Überwiegend habe es sich um junge deutsche Männer gehandelt. Zum Teil befinden sich unter den Tatverdächtigen polizeibekannte Personen, hieß es am Dienstag.

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) forderte laut einer Mitteilung konsequente Strafen für die Randalierer. Außerdem müssten weitergehende Maßnahmen wie ein Glasflaschen- und Alkoholverbot im Herrngarten geprüft werden, erklärte der Rathauschef zusammen mit Bürgermeister Rafael Reißer (CDU). „Schnellschüsse“ seien jedoch nicht der richtige Weg. Die Vorfälle müssten in den kommenden Wochen „sehr präzise und sehr seriös“ aufgearbeitet werden.

Politische Motive bislang ausgeschlossen

Ersten Ermittlungen zufolge handelte es sich bei den Angreifern nicht um eine spezielle Gruppierung. Auch einen politischen Hintergrund schließe man bisher aus, sagte die Polizeisprecherin. Dass manche Angreifer vermummt gewesen seien, stehe nicht im Widerspruch dazu. „Schon wer sich ein T-Shirt über das Gesicht zieht, gilt als vermummt“, sagte sie. Insofern könnten sich Personen auch ohne vorherige Planung jederzeit vermummen.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte unterdessen harte Strafen. Die Tat sei „auch ein Angriff gegen unseren Rechtsstaat und unsere Gesellschaft“. Er will auf der Innenministerkonferenz (6. bis 8. Juni) erneut eine Verschärfung des Strafrechts für solche gezielten Angriffe fordern. Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Nancy Faeser, kritisierte, Beuths Forderung sei nur Ausdruck von Hilflosigkeit gegenüber einer schweren gesellschaftlichen Fehlentwicklung. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare