Darmstadt Carree

Neue Struktur für Centralstation

Eine noch zu gründende Gesellschaft soll die Kulturarbeit am Carree übernehmen. Die Centralstation hat in den vergangenen 13 Jahren rund acht Millionen Euro an Zuschüssen bekommen.

Rund acht Millionen Euro hat die Centralstation seit 2001 als Zuschüsse von der Stadt erhalten. Das sorgte immer wieder für Kritik. Zuletzt, als im vergangenen Jahr zum festgeschriebenen Betrag von 475 000 Euro erneut zugeschossen werden musste: 250 000 Euro. Dieser „erhebliche Zuschussbedarf“ ist nach Angaben von Kulturdezernent und Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) der Grund für eine jetzt vom Magistrat beschlossene Umstrukturierung. Die defizitäre Kulturarbeit soll eine neue Gesellschaft übernehmen. Dazu wird die Betreibergesellschaft des Darmstadtiums die „Centralstation Veranstaltungsgesellschaft mbH“ gründen.

Bislang hatte die private Centralstation Kulturgesellschaft die Kulturarbeit organisiert. Nach der Diskussion unter anderem über die hohen Zuschüsse war einer der beiden Geschäftsführer, Alexander Marschall, zum Ende vergangenen Jahres von seinem Posten zurückgetreten.

Der Gesellschaft wird nun quasi das Kultursegment entzogen. Auch der verbliebene Geschäftsführer, Michael Bode-Böckenhauer, erhält in der neuen Gesellschaft keine Funktion. Deren Geschäftsführer wird Lars Wöhler, Geschäftsführer der Wissenschafts- und Kongresszentrum Darmstadt GmbH & Co. KG (WKZ). Ein zweiter Geschäftsführer muss noch benannt werden.

Die Centralstation kostenverlässlich fortführen

Weil auch die WKZ der Stadt gehört, ist diese künftig mittelbar alleiniger Anteilseigner der neuen Centralstation GmbH. Die Stadt habe so einen „angemessenen Einfluss“, zumal die neue GmbH künftig zum von der Heag Holding koordinierten städtischen Beteiligungsmanagement gehört. Zudem sitzen im siebenköpfigen Aufsichtsrat Oberbürgermeister Partsch, Kämmerer André Schellenberg (CDU) und ein Heag-Vorstand.

Die neue Konstruktion ist das Ergebnis einer Prüfung über die zukünftige Organisation der Kulturarbeit. Dabei war offenbar Eile geboten. „Aufgrund der äußerst angespannten Liquiditätssituation der Vorgängergesellschaft und einem damit verbundenen insolvenzrechtlichen Risiko ist unverzügliches Handeln geboten“, heißt es in der Magistratsvorlage.

„Ziel war es, die Centralstation mit ihren vielfältigen Aufgaben künftig kostenverlässlich fortzuführen“, erklärte Dezernent Partsch am Donnerstag. Er verspricht sich zudem „erhebliche Synergien“, weil Kongresszentrum und Centralstation gemeinsam gesteuert werden können.

Die neue Centralstation Veranstaltungsgesellschaft mbH übernimmt, wenn die Stadtverordnetenversammlung den Plänen zustimmt, ab 1. April das Kulturprogramm mit Theater, Lesungen, Vorträgen, Ausstellungen, Messen und Konzerten. Das beinhaltet auch Veranstaltungen auf dem Vorplatz des Gebäudes. Die Magistratsvorlage definiert auch das Ziel der GmbH: „Mit Veranstaltungen soll in Darmstadt ein Kulturmittelpunkt von überregionaler Bedeutung in der Region Rhein-Main-Neckar erhalten und weiterentwickelt werden“.

Einige Mitarbeiter bleiben

Bis zur Betriebsübernahme soll die bisherige Gesellschaft ihre Kulturarbeit fortsetzen. Sie behält auch darüber hinaus den Betrieb des Restaurants und des Cafés. Auch die Bewirtung bei Veranstaltungen kann das von Bode-Böckenhauer geführte Unternehmen fortsetzen. Darüber wird es einen Pachtvertrag geben.

Nicht gefährdet werden soll durch die neue Struktur das Integrationsprojekt in der Gastronomie. Wie berichtet, hatte erst zu Beginn dieses Jahres eine Tochter der Nieder-Ramstädter Diakonie das Tagesangebot übernommen. Dort sind auch Menschen mit Behinderungen angestellt.

Die neue Gesellschaft will zudem „eine noch festzulegende Zahl von Mitarbeitern“ aus der jetzigen Centralstation Kulturgesellschaft übernehmen. Diese muss künftig aber auf den Namenszusatz Centralstation verzichten. rf

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