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Viele SV-98-Fans kommen nicht zu Fuß oder per Tram ins Stadion, sondern mit dem Auto.

Lilien Darmstadt

Keine Absperrung bei Lilien-Heimspiel

Die Stadt nimmt Abstand von drastischen Maßnahmen, die Stadion-Anwohner im Steinberg- und Paulusviertel bei Heimspielen des SV 98 vor weiteren Belastungen schützen sollten. Stattdessen setzen die Verantwortlichen auf eine erhöhte Polizeipräsenz, ein Park-and-Ride-Konzept und auf die Einsicht der Fans.

Auch am Samstag gab es bei der Begegnung SV 98 - Schalke immer wieder Klagen von Anwohnern im Steinberg- und Paulusviertel über verstopfte Straßen, zugeparkte Bürgersteige, blockierte Rettungswege und Einfahrten, betrunkene Fans, weggeworfene leere Flaschen und Wildpinkler. Die Rede war von „Zumutung“ und „chaotischen Zuständen“, ein Bürger schrieb in einem offenen Brief an Bürgermeister Rafael Reißer (CDU), man sei ein „Sklave der Heimspiele“ der 98er, so bewundernswert deren sportlicher Erfolg auch sei.

Die Stadt hatte die Beschwerden aufgegriffen und bei einer Informationsveranstaltung im vergangenen Juli in der Orangerie ein Konzept angekündigt, das Anlieger besser vor Verkehr, Lärm und sonstigen Belästigungen schützen sollte. Damals hieß es unter anderem, dass das Parken anreisender Fußballfans in den beiden stadionnahen Vierteln mittels Absperrungen und kontrollierter Ein- und Ausfahrten reduziert werden solle. Angedacht sei, das Quartier rund zwei Stunden vor Spielbeginn bis 15 Minuten nach Anpfiff abzusperren. Ordnungsdezernent Reißer hatte im August mit Blick auf das Konzept angekündigt: „Zur Rückrunde soll alles stehen.“

Doch die angekündigten drastischen Maßnahmen sind inzwischen vom Tisch. „Eine Absperrung der Viertel“ werde es nicht geben, sagte der Geschäftsführer der städtischen Stadionbetreibergesellschaft, Klaus Drach. Insgesamt habe sich die Aufregung um die Begleitumstände der An- und Abreise tausender Fans nach Einschätzung der Stadt gelegt. „Die Darmstädter haben gelernt, damit umzugehen.“

Gleichzeitig kämen mittlerweile mehr Fans mit Bus und Bahn oder dem Fahrrad zum Spiel. „Der von vielen beim Aufstieg der Lilien befürchtete Super-GAU“ sei ausgeblieben, alles habe sich sogar „bemerkenswert gut eingespielt“, betonte Drach.

Mit Augenmaß

Deshalb und mit Verweis darauf, dass es auch bei der Bürgerversammlung im vergangenen Sommer Anwohner gab, die eine Absperrung der Wohnviertel und die damit verbundenen Einschränkungen abgelehnt hatten, warnte der Geschäftsführer vor Überreaktionen bei diesem Thema. „Wir handeln vernünftig und mit Augenmaß und vermeiden unnötigen Aktionismus“, sagte Drach.

Damit würden auch die öffentlichen Kassen geschont und die Vergeudung von Steuergeldern vermieden. Die Kosten und der Aufwand einer möglichen Absperrung der Viertel ständen nach Drachs Worten in keinem Verhältnis zu den damit möglicherweise erreichten Verbesserungen für die Anwohner.

Drach räumte ein, dass es schwer sei, bei „diesem schwierigen Stadion-Standort alle glücklich zu machen“. „Dass es einigen Menschen nicht passt, können wir durchaus nachvollziehen“, betonte er mit Blick auf die Belastungen der Anwohner. Die Verantwortlichen der Stadt „hätten das Thema aber von allen Seiten beleuchtet“.

Der Geschäftsführer kündigte an, dass künftig bei den Heimspielen mehr Polizei und Kommunalpolizei vor Ort sei, um für Recht und Ordnung zu sorgen. „Parkverstöße werden geahndet“, betonte Drach.

Zudem soll auch das in der Vergangenheit angekündigte Park-and-Ride-Konzept samt Shuttle-Dienst umgesetzt werden, um den Autoverkehr rund ums Böllenfalltorstadion zu verringern. Dazu gebe es Gespräche mit der Technischen Universität und der Telekom über eine Nutzung ihrer Parkhäuser auf der Lichtwiese und im Westen der Stadt. Mit dem Betreiber der Innenstadt-Tiefgaragen, Q-Park, gebe es bereits einen entsprechenden Vertrag.

Einen weiteren Park-and-Ride-Platz könnte es am Steinbruchtheater in Mühltal geben. Darüber wird nach Drachs Worten momentan verhandelt. (joni)

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