+
Rund 50 Bürger informierten sich gestern über die Ziele der Gruppe „Mucken fürs Mühlchen“.

Badesee

Kampf ums Mühlchen

Der Pachtvertrag für das Arheiliger Mühlchen läuft nach der Badesaison 2012 aus. Gegen die drohende Schließung regt sich nun Widerstand: Die Bürgerinitiative "Mucken fürs Mühlchen" will für den Erhalt des Naturbadesees kämpfen.

Die Zukunft des Arheilger Mühlchens ist fraglich: Für die Saison 2013 gibt es noch keinen Pachtvertrag mit dem Eigentümer. Um ihren geliebten Badesee zu retten, hat sich eine Bürgerinitiative „Mucken fürs Mühlchen“ gegründet.

Die „Schwimmfrauen“ – das sind Irmgard, Margot, Doris, Helga, Renate, Margret, Anne und die beiden Männer Ludwig und Peter – treffen sich bei schönem Wetter täglich im Mühlchen und drehen ihre Runden – „seit 25 Jahren“, sagt Irmgard. 70 Jahre ist es her, da hat sich die Arheilgerin das Schwimmen im Mühlchen selbst beigebracht; und seitdem geht sie baden, so oft es geht. „Wir können uns alle nicht vorstellen, dass man das Mühlchen zumacht“, sagt sie.

Nicht nur die Schwimmgruppe bangt um die Zukunft des Naturbadesees, der 1924 gebaut und für den Badebetrieb geöffnet wurde. „Das Mühlchen ist eine Oase für Familien mit Kindern, Rentner, Berufstätige – einfach für alle“, sagt Stefan Nold, der sich als klassischen „Feierabendschwimmer“ bezeichnet. Mit Cornelia Heß hat er nun eine Bürgerinitiative „Mucken fürs Mühlchen“ ins Leben gerufen, die für die Zukunft des Mühlchens durch langfristige Pachtverträge kämpfen will.

Pachtverträge laufen aus

Vor einer Woche erst hat sich die Initiative gegründet, was sich in Arheilgen aber schnell herumgesprochen hat. So kamen gestern früh rund 50 Bürger zum Mühlchen, um sich über Ziel und Aktivitäten der Initiative zu informieren und ihre Bereitschaft zu bekunden, sich für die Rettung des Mühlchens einzusetzen. Auch signalisierten viele, dass sie sich ehrenamtlich fürs Mühlchen engagieren wollen.

Zunächst einmal steht nun das Sammeln von Unterschriften an. „5000 wollen wir bis Ende September zusammen haben“, sagt Nold. Rund 20 000 Einwohner hat der Stadtteil im Norden Darmstadts derzeit, Tendenz steigend. Nicht nur die Arheilger nutzen den Naturbadesee, auch viele Kranichsteiner gehen in dem Bad mit freiem Eintritt häufig schwimmen. Im vergangenen Jahr kamen knapp 27?000 Badegäste, 2010 rund 36?000.

Die Sorge der Nutzer ist berechtigt. Schließlich endet der Pachtvertrag mit den Eigentümern des Mühlchen, der Arheilger Familie Herold und Ruth Schey, nach der Badesaison 2012. Sie verpachten den Naturbadesee an die Stadt, der lediglich das Wiesengelände auf der Westseite des Mühlchens gehört. Das restliche Gelände und das Mühlchen selbst sind im Besitz der Scheys.

Außerdem hatte Bürgermeister Rafael Reißer (CDU) im Frühling dieses Jahres erklärt, man müsse prüfen, welche Schwimmbäder in Darmstadt verzichtbar seien. Als Beispiel nannte der Bürgermeister damals das Mühlchen, das die Stadt jährlich etwa 150?000 Euro kostet. Reißer betonte jedoch gestern, auch er wolle natürlich, dass das Mühlchen den Arheilgern erhalten bleibt. „Aber es muss sich dort etwas ändern.“ Man habe nur Ausgaben und keine Einnahmen. Der Bürgermeister begrüßte die Initiative und vor allem die Aussage vieler Badegäste, sie würden sich auch ehrenamtlich für das Mühlchen einsetzen.

Reißer versprach außerdem, er werde möglichst bald zu einer Bürgerversammlung einladen, „bei der die positiven Ansätze der Arheilger gebündelt werden“. Ein Termin wäre denkbar im August oder September. (an.)

Ansprechpartner der „Mucker fürs Mühlchen“ sind Cornelia Heß (c_hess@gmx.de) und Stefan Nold (stefan. nold@gmx.de). Das nächste Treffen ist am 9. August um 20 Uhr. Der Ort wird noch bekanntgegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare