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Gänse haben die Enten am Woog vertrieben.

Darmstädter Woog

Gänsedreck verärgert Schwimmer

Wasser und Wiesen am Darmstädter Woog sind durch Vogelkot verunreinigt. Wie sich das Problem lösen lässt, ist noch nicht klar.

Normalerweise ist Jürgen Dittmar Stammgast am Darmstädter Woog. Doch etwas trübt die Badefreuden des Rentners: die Hinterlassenschaften von Gänsen im und ums Wasser. „Die Liegewiesen, die Badeplattform, alles ist buchstäblich zugeschissen“, sagt er. „Man kann es nicht anders nennen.“ In diesem Jahr sei es besonders schlimm. „Ich fühle mich im Woog nicht mehr wohl“, sagt Dittmar. Nicht nur aus ästhetischen Gründen – er befürchtet auf Dauer auch eine Gesundheitsgefahr.

Dittmar fühlte sich so unwohl, dass er kurzerhand eine Unterschriftenaktion startete. Er postierte sich mit Fotos der tierischen Hinterlassenschaften vorm Eingang und bekam, wie er sagt, in kürzester Zeit 70 Unterschriften zusammen. Die Forderung der Unterzeichner: Die Stadt solle dafür Sorge tragen, dass der Kot auf dem Gelände permanent und zuverlässig entfernt wird. Oder eine andere Lösung finden, um die Gänse dauerhaft fernzuhalten.

Bei der Stadt sei das Problem schon seit Längerem bekannt, sagt Bürgermeister Rafael Reißer (CDU). Aber: „Eine Lösung haben wir noch nicht. Soweit wir wissen, brüten derzeit ein Nilgänsepaar und acht bis zehn Kanadagänse“, erläutert der Sportdezernent, der für den Eigenbetrieb Bäder verantwortlich ist. Diese zugewanderten Arten hätten in den vergangenen Jahren mehr und mehr die einheimischen Enten und Blässhühner vertrieben.

Schießen ist keine Option

Möglichkeiten, die Gänse fernzuhalten, habe die Stadt schon geprüft. Bislang ohne Erfolg. „Wenn man die Gänse verscheucht, kommt sofort ein neues Paar“, sagt Reißer. Die radikale Variante – nämlich die Tiere jagen zu lassen – komme nicht infrage, da das Schießen in dem dicht besiedelten Gebiet aus Sicherheitsgründen nicht möglich sei. Hinzu kommen Naturschutz-Auflagen.

Am Arheilger Mühlchen gebe es das Gänse-Problem nicht in diesem Ausmaß. Reißers Vermutung: „Der Bademeister hat einen Hund, der morgens gern die Gegend erkundet.“ Und dabei vielleicht Gänse verscheucht, die es sich gerade gemütlich machen wollten. Ähnlich sei das auch am Herrngartenteich, wo es bekanntlich viele Gassigänger gibt. Am Woog sind Hunde aber verboten.

Bademeister sammeln Kot ein

Man könne also nur versuchen, die Gänsepopulation möglichst gering zu halten, indem noch nicht ausgebrütete Eier aus den Nestern genommen werden, sagt Reißer. „Aber die Nester sind meist schwer zu finden.“ Eine schnelle Lösung des Gänse-Problems zeichnet sich also nicht ab.

Mit dem Gesundheitsamt, dessen Verwaltungsverbandsvorsitzender Reißer ist, sei man in engem Kontakt, versichert er. Von einer Gefahr für die Gesundheit durch den Kot gehe man dort derzeit nicht aus. „Trotzdem muss natürlich so viel wie möglich davon weg, auch wenn es nicht gesundheitsschädlich ist.“

Darum gebe es die klare Anweisung an die Bademeister, regelmäßig den Dreck zu entfernen: an Land mit Eimern und Zangen, die Plattform im Wasser wird abgespritzt. „Das ist keine schöne Aufgabe, das ist uns bewusst“, betont Reißer. Zumal die Bademeister all das neben ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich für die Sicherheit der Gäste sorgen, erledigen müssen. Daran wird gleich ein weiteres Problem deutlich: „Uns fehlen im Moment Saisonarbeiter für die Aufsicht“, sagt Reißer. „Acht Leute könnten wir auf jeden Fall noch einstellen.“

Reißer hofft trotz allem auf das Verständnis der Badegäste. „Ein Naturbadeteich mitten in der Stadt hat neben den vielen schönen Vorteilen leider auch Nachteile. Das ist eben auch Natur.“ Immerhin: Die Wasserqualität scheint unter der Verschmutzung nicht zu leiden. Die jüngste Messung des hessischen Landesamts für Geologie vom 8. Juli ergab keine Beanstandungen. mmi

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