+
Damit der Platz ausreicht, hilft oft nur noch Spiegel einklappen.

Darmstadt

Brandgefährliches Parken

In der Darmstädter Innenstadt kommt die Feuerwehr manchmal kaum zum Einsatzort.

Das wird mal wieder richtig eng“, sagt Werner Barthel. Kaum hat er sein Einsatzfahrzeug gestartet und durch die Torausfahrt an der Alicenstraße gelenkt, kommt er nicht weiter. Rechts parkt ein Auto zu dicht an der Feuerwehrausfahrt, gegenüber steht der Pick-up eines Gärtners. „Ich steig‘ mal besser aus“, sagt Silvio Karach, klettert vom Beifahrersitz, stellt sich auf die Straße und dirigiert seinen Kollegen zwischen beiden Fahrzeugen hindurch. Dafür muss Barthel Millimeter für Millimeter nach vorne, zurück und wieder nach vorne rangieren.

„Das ist hier immer das Gleiche“, seufzen die Männer von der Berufsfeuerwehr mit Sitz in der Bismarckstraße. Dort gibt es – zumindest beim Verlassen des Betriebshofes – weniger Probleme. Diese tauchen dann aber ebenfalls in den Wohnvierteln auf, in denen wegen zugeparkter Straßen immer häufiger kein Durchkommen ist.

Deshalb, so Ordnungsdezernent Rafael Reißer (CDU), appelliere man verstärkt an die Bewohner etwa im Johannes- oder Martinsviertel, ihre Autos so zu parken, „dass auch Großfahrzeuge durchkommen“. So würden Flugblätter an die Autofahrer verteilt, die damit aufgefordert werden, weder an engen Straßenmündungen und Kreuzungen, noch vor Feuerwehrzufahrten zu parken.

Der Erfolg ist mäßig. Alleine von Januar bis Juni haben Ordnungshüter 1435 Strafzettel verteilt, weil Autos den Fünf-Meter-Abstand zu Kreuzungen nicht eingehalten haben. „Und 219 mal waren Feuerwehrzufahrten zugeparkt“, sagt Oliver Tempel von der Kommunalpolizei. Rund 50 Strafzettel verteilen die Streifenpartner Claus Schank und Thorsten Rückert täglich zwischen Rheinstraße und der Firma Merck an Autofahrer, die verkehrsbehindernd parken.

Das ist nicht nur ärgerlich für diejenigen, die ein Knöllchen bekommen. „Das kann vor allem Menschenleben kosten“, sagt Jens Rönnfeldt, Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr Darmstadt. Durch gedankenloses Parken könne wertvolle Zeit für die Rettung verlorengehen.

Fünf Minuten Fahrtzeit für nur 200 Meter

Wer einmal eine Tour mitfährt, weiß danach, dass Rönnfeldt nicht übertreibt. Am Donnerstag um 11.30 Uhr etwa geht in der Alicenstraße nichts. Fünf Minuten dauert es, bis sich Barthel und Karach rund 200 Meter von der Alicenstraße Richtung Lauteschlägestraße vorgearbeitet haben. Immer wieder hüpft Karach aus dem Wagen, klappt Spiegel ein oder dirigiert Barthel durch den Hindernisparcours.

„Das ist heute wieder grenzwertig“, sagt dieser. Schließlich hat der Feuerwehrmann ein 600 000 Euro teures Gefährt zu steuern. 2,50 Meter ist der Wagen breit, die Drehleiter lässt sich bis zu 30 Meter ausfahren. Das gelingt allerdings nur, wenn der Wagen vier Meter von dem Gebäude zu stehen kommen kann, um das es geht. Und dies ist selten der Fall. In Wohngebieten können die Wagen meist etwa zwölf Meter vom Haus entfernt halten, was die Ausfahrhöhe der Leiter auf 23 Meter reduziert.

In knapp 30 Jahren bei der Berufsfeuerwehr hat Silvio Karach schon einiges erlebt. Gleich ist aber immer: „Es muss schnell gehen.“ Das ist bei der Berufsfeuerwehr der Fall wie auch bei der Freiwilligen Feuerwehr, die durch ihren Standort in der Alicenstraße jedoch oft an Grenzen stößt und gar nicht zum Zielort fahren kann, sagt deren frührer Leiter Reinhold Mehm. Daher betont er die Dringlichkeit eines neuen Standorts, die auch Bürgermeister Reißer sieht. Doch zunächst, sagt er, müsse der Neubau der Feuerwehr in Arheilgen finanziert werden. „Mittelfristig“ komme dann die Freiwillige Feuerwehr Innenstadt an die Reihe. „Aber sie muss raus aus dem Wohngebiet“, betont Reißer. (an)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare