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Immer mehr Hilfebedürftige klopfen beim Caritasverband Darmstadt an

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Von: Annette Schlegl

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Hoch die Tassen auf 100 Jahre Caritasverband Darmstadt: Pflegedienstleiterin Victoria Kees (li.), Caritasdirektorin Stefanie Rhein und Direktor Winfried Hoffmann.
Hoch die Tassen auf 100 Jahre Caritasverband Darmstadt: Pflegedienstleiterin Victoria Kees (li.), Caritasdirektorin Stefanie Rhein und Direktor Winfried Hoffmann. © Renate Hoyer

Der Caritasverband Darmstadt besteht seit genau 100 Jahren. Immer mehr Hilfesuchende, aber zu wenig Personal – das ist aktuell das größte Problem der Organisation.

Genau 100 Jahre ist es jetzt her, dass Hilfeleistungen für Menschen in sozialen Notlagen in Darmstadt professionalisiert wurden: Studentenseelsorger Wilhelm Schleußner gründete am 3. August 1922 den Caritasverband Darmstadt. Ein Jahrhundert später sind die Herausforderungen für die Menschen ähnlich wie damals: rasant steigende Geldentwertung, Not wegen hoher Kosten, Armut im Alter. Und die Aufgaben werden für den Verband in Zukunft nicht weniger, blickt Caritasdirektorin Stefanie Rhein voraus.

Caritasverband Darmstadt sieht besorgt in die Zukunft

Jenseits der Jubel-Arien zum 100-jährigen Jubiläum – wie schaut der Caritasverband Darmstadt in die Zukunft? Sie habe größte Sorge um die Pflege, sagt die Direktorin. Es sei eine riesige Herausforderung, Personal zu gewinnen, das in der Pflege tätig wird. In diesem Bereich seien im Verband die meisten Beschäftigten tätig, gefolgt von den Mitarbeiter:innen in der Psychiatrie und in der Suchthilfe. Die Frühberatung für Kinder von 0 Jahren bis zum Schuleintritt sei auf fünf Angebote angewachsen – trotzdem gebe es noch eine Warteliste von eineinhalb Jahren. Auch im Bereich soziale Arbeit sei es für den Caritasverband Darmstadt äußerst schwierig, Stellen zu besetzen.

Die Pandemie habe Menschen zur Caritas geführt, „die vorher nicht bei uns waren“. Sie suchen den Kontakt zur Schuldnerberatung, zur psychosozialen Beratungsstelle oder zur Suchtberatung. Außerdem kommen Fluchtfamilien, größtenteils aus der Ukraine und zum Teil mit traumatisierten Kindern, in der Frühberatungsstelle an. Die Nachfrage nach hauswirtschaftlicher Versorgung steige stetig. „Viele wollen im Alter so lange wie möglich zu Hause bleiben, aber die Angehörigen wohnen oft weit weg“, erklärt Caritasdirektor Winfried Hofmann. Für all das benötige man Personal.

Personal fehlt schon, Geld wird fehlen beim Caritasverband Darmstadt

Gleichzeitig geben Kommunen und Landkreise laut Stefanie Rhein immer weniger Zuschüsse. Und es werden wohl Leistungen gekürzt werden, die keine Pflichtleistungen in der freien Wohlfahrtspflege sind. Auf längere Sicht werde die Kirchensteuer rückläufig sein – was auch den Darmstädter Caritasverband als katholische Einrichtung treffen werde. „Die allgemeine Lebensberatung ist zum Beispiel ein rein kirchensteuerfinanzierter Dienst für Menschen in Krisensituationen. Dafür gibt es keine staatliche Stelle, aber das machen wir als Caritas“, sagt Rhein.

Deshalb müsse man überlegen, wie sozialraumorientierte Netzwerke, also Nachbarschaftshilfe und Stadtteilarbeit, aktiviert werden können. Der Caritasverband verstärke seine Angebote bereits, so Hofmann - unter anderem erweitert er die Stadtteilarbeit in Eberstadt-Süd durch die Vernetzung mit den Angeboten der Allgemeinen Lebensberatung, die bisher überwiegend in der Stadtmitte im Caritaszentrum St. Ludwig in der Wilhelm-Glässing-Straße verortet war.

Caritasverband Darmstadt gibt fünfstellige Summe aus, um Personal für zu rekrutieren

Fünf stationäre Einrichtungen unterhält der Caritasverband Darmstadt, dazu über 40 ambulante Einrichtungen und Dienste. Er ist nicht nur in der Stadt Darmstadt tätig ist, sondern auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg, im Odenwaldkreis und im Kreis Bergstraße. 1200 Mitarbeiter:innen sind beschäftigt, sie erhalten Tariflohn – „und zwar schon immer“ –, haben eine zusätzliche Rentenversicherung. Und trotzdem sei es schwer, Fachkräfte zu finden, erklärt Hofmann. Deshalb habe der Verband aktuell für einen fünfstelligen Betrag eine Kampagne aufgesetzt. „Viele Menschen brauchen uns, aber wir haben nicht genug Personal.“

Auf einem Linienbus, der ein Jahr lang in Darmstadt-Eberstadt und im Odenwald unterwegs ist, wurde Werbung geschaltet: „Steig ein - gemeinsam geht es vorwärts“ steht dort in Caritas-Rot geschrieben. So möchte der Verband auf seine Hilfsangebote aufmerksam machen, aber auch auf seine Jobangebote.

Im Jubiläumsjahr des Caritasverbands sind Kochevents zu gewinnen

Wer den Bus entdeckt und mit ihm ein Foto unter #Ichsteigein postet oder bis zum 31. Dezember eine E-Mail an 100jahre@caritas-darmstadt.de sendet, kann eines von sechs Kochevents für zwei Personen im Karolinger Hof in Lorsch gewinnen. Das Busmotiv findet sich auf der eigens für das Jubiläumsjahr veröffentlichten 85-Cent-Briefmarke.

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