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Bunt und vielseitig

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Die CSD-Aktivisten wünschen sich eine umfassende Gleichstellung Homosexueller.
Die CSD-Aktivisten wünschen sich eine umfassende Gleichstellung Homosexueller. © Roman Grösser

Berlin hat ihn, Frankfurt, Hamburg, Siegen, Kiel, Wuppertal und Trier feiern ihn und sogar Altötting. Jetzt feiern Schwule, Lesben und Transsexuelle den Christopher Street Day erstmals auch in Darmstadt.

Im Ursprung hatte ihn nur New York City, den Tag der Erinnerung an den 28. Juni 1969. Inzwischen wird er fast global begangen, der Christopher Street Day, kurz CSD. Berlin hat ihn, Hamburg, Siegen, Kiel, Wuppertal und Trier feiern ihn und gar Altötting. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann er endlich Darmstadt erreicht. Am Samstag war er da, der CSD auf dem Riegerplatz, organisiert zuvorderst vom Verein Vielbunt, mit ausgetragen von vielen Organisationen, Parteien, Verbänden.

Es habe „lange gebraucht, bis der CSD nach Darmstadt kommt“, stellte Schirmherr Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) fest, obschon die Veranstalter von Vielbunt zur Begrüßung vom „guten Pflaster Darmstadt“ sprachen zur Feier eines solchen Festes. Nötig sei ein CSD, so Partsch, „weil weder volle Akzeptanz noch volle Gleichstellung“ von Schwulen, Lesben oder auch Bisexuellen erreicht sei. Außerdem mangele es an konkreter Erinnerungskultur in der Stadt.

Ob im Beamtenrecht oder im Adoptionsrecht, Partsch zeigte sich solidarisch mit den Veranstaltern in der Forderung nach juristischer Gleichstellung. Man müsse weiter klar Position beziehen, „auch gegen Homophobie und viele schäbige Argumente zur Diskriminierung der Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung“.

Dass sich immerhin enorm viel getan hat in Sachen Liberalität und Akzeptanz zeigte die Anwesenheit der Kriminalpolizei, die mit einem eigenen Stand auf dem Riegerplatz anwesend war. Und zwar wie selbstverständlich. Auch Partsch hatte dies hervorgehoben: „Damals, 1969, stand die Polizei noch auf der anderen Seite.“ 2011 steht sie mitten in den Anforderungen einer offenen, liberalen und freizügigen Gesellschaft. Präsent war sie etwa mit Kriminaloberkommissar Björn Rothmüller. Er ist einer der seit einem Jahr fest installierten Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Polizeipräsidium Südhessen.

Toleranz hat Priorität

Der Riegerplatz war am Samstag vor allem auch Informationsbörse. Und das Themenfeld wirkte eindeutig nicht abschreckend, auch nicht für Sponsoren. „Die haben sich bei uns gemeldet“, sagte Klaus Bechthold von Vielbunt. Darunter die Pfungstädter Brauerei, der Bauverein, Citroën Häusler und das Café Dreiklang. Allerorten war also entspannte Buntheit zu sehen. Homosexuelle Pärchen flanierten zwischen den Ständen, daneben aufgebrezelte Transsexuelle genauso klassische Familien samt Kinderwagen.

Eine Podiumsdiskussion versammelte auf der Bühne dann Parteienvertreter übers gesamte Spektrum. Alle trauten sich, niemand blieb weg. Natalie Krieger (Linke), And?e di Stefano (Piraten), Brigitte Zypries (SPD), Yücel Akdeniz (Grüne), Jörg Dillmann (Uffbasse), Sandra Klein (FDP) und Rafael Reißer (CDU). Moderiert von Kerstin Fritzsche und Klaus Bechtold brachte es die Debatte kaum einmal zu einem kleinen Misston oder gar gegensätzlichen Standpunkten. And?e di Stefano sprach praktisch den Konsenstext für alle mit der Feststellung: „Toleranz hat hier in der Stadt oberste Priorität. Da ziehen wir alle an einem Strang.“ (phg.)

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