Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Astrid Mannes gewann 2017 das Bundestagsmandat in Darmstadt. Julia von Buttlar (oben) tritt im Wahlkreis 186 für die FDP an.
+
Astrid Mannes gewann 2017 das Bundestagsmandat in Darmstadt. Julia von Buttlar (oben) tritt im Wahlkreis 186 für die FDP an.

Darmstadt

Bundestagswahl: Wahlkreis 186 in Darmstadt - Wer kandidiert und wie sind die Chancen?

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
    schließen

Ein Teil des Landkreises Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt bilden den Bundestagswahlkreis 186: Ein Zukunftsstandort mit Verkehrsproblemen.

Zum Bundestagswahlkreis Darmstadt (186) gehört nicht nur die kreisfreie Stadt Darmstadt. Bei der Bundestagswahl 2021 zählen auch 14 Kommunen des Landkreises Darmstadt-Dieburg: Alsbach-Hähnlein, Bickenbach, Eppertshausen, Erzhausen, Griesheim, Messel, Modautal, Mühltal, Münster, Ober-Ramstadt, Pfungstadt, Roßdorf, Seeheim-Jugenheim und Weiterstadt. Täglich pendeln von hier Tausende Menschen zur Arbeit, zur Schule, Hochschule und Universität oder zum Shoppen nach Darmstadt.

Die viertgrößte Großstadt in Hessen ist das Herz des Wahlkreises, Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg sowie eines der zehn Oberzentren Hessens. Die 160 000-Einwohner starke südhessische Großstadt ist Wissenschafts- und Digitalstadt. Die Konzentration der Forschungseinrichtungen ist extrem hoch.

Bundestagswahl in Darmstadt - Verkehrsproblematik wird zum Thema

Neben Technischer Universität und zwei Fachhochschulen haben zahlreiche öffentliche und private Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen dort ihren Sitz. Darmstadt wurde fünfmal in Folge als bundesweit zukunftsträchtigste Stadt ausgezeichnet. Angesiedelt sind zahlreiche Großunternehmen, außerdem sitzen hier die europäischen Weltraum-Organisationen Eumetsat und Esa/Esoc. Auch Hessens einziges Abschiebegefängnis ist vor Ort, was häufig zu Protesten gegen die Flüchtlingspolitik führt.

Im digitalen Ausbau tüftelt man an einer Verkehrssteuerung, um die täglich rollende Blechlawine in den Griff zu bekommen. Langfristig sollen umweltfreundliche Fortbewegungsmittel die Oberhand gewinnen, doch mit einem massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der auch die entlegenen Teile des Landkreises mitnimmt, tut man sich schwer. Erst ein Verkehrsgipfel zwischen Stadt und Landkreis hat jetzt neue Straßenbahnverbindungen nach Roßdorf, Groß-Zimmern und Weiterstadt auf den Weg gebracht. Gegen die ebenfalls beschlossene Lichtwiesenbahn gab es indes Proteste, weil die Menschen um die knapper werdenden Grünflächen kämpfen. So steht auch der Verlauf der durch den Westwald geplanten Anbindung an die ICE-Neubaustrecke von Mannheim nach Frankfurt in der Kritik – auch wegen der befürchteten Lärmbelastung.

Bundestagswahl 2021 in Darmstadt - ÖPNV erregt die Gemüter

Nicht nur der ÖPNV erregt die Gemüter, auch die immer knapper werdenden Parkplätze sind ein Reizthema, gerade bei denen, die in die Stadt pendeln. Denn in vielen Vierteln hat die Stadt jüngst eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt, die nicht jedem gefällt. Eines der drängendsten Probleme dürfte jedoch der fehlende bezahlbare Wohnraum sein. Es fehlen allein rund 2500 Sozialwohnungen.

Kandidatinnen und Kandidaten

CDU: Astrid Mannes , Jahrgang 1967, Autorin und Politikerin, Mitglied des Deutschen Bundestages und dort im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, unter anderem ist sie Mitglied des CDU-Bezirksvorstandes Südhessen. Bis 2017 war sie Bürgermeisterin von Mühltal. Landesliste Platz 11.

SPD: Andreas Larem , Jahrgang 1964, Bürgermeister von Messel, Arbeiterkind, das nie studierte, wie er sagt. 2018 wurde er zum ehrenamtlichen Richter beim Arbeitsgericht Darmstadt berufen. Landesliste Platz 15.

Grüne: Daniela Wagner aus Darmstadt, Jahrgang 1957, engagiert sich seit 40 Jahren für grüne Politik, Mitglied des Deutschen Bundestages und dort im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen sowie im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur. Landesliste Platz 15.

FDP: Julia von Buttlar aus Darmstadt, Jahrgang 1971, tätig bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, politische Newcomerin, die sich erst seit zwei Jahren politisch einbringt. Landesliste Platz 10.

Linke: Firat Turgut-Wenzel aus Darmstadt, Jahrgang 1987, selbständiger in der IT-Branche. Seit 2015 bei den Linken, über die kurdische Bewegung arbeitet er in verschiedenen antirassistischen und feministischen Bündnissen und engagiert sich im Klimastreik zusammen mit Fridays for Future. Landesliste Platz 10.

AfD: Meysam Ehtemai aus Limburg, Jahrgang 1980, Parlamentarischer Referent der AfD-Fraktion im Landtag für die Fachbereiche Wirtschaft, Verkehr und Bau. Landesliste Platz 10.

Die Partei: Mario Pingel , Jahrgang 1985, Chef de Rang in einem Restaurant, Vorsitzender des Kreisverbands, Landesliste Platz 22.

Freie Wähler: Harald Paul Uhl aus Darmstadt, Jahrgang 1958, gelernter Krankenpfleger und rechtlicher Betreuer.

MLPD: Anna Schupp aus Darmstadt, Jahrgang 1983, Mediengestalterin bei einer Zeitung, Landesliste Platz 4.

Die Basis: Gerold Hiemenz , Jahrgang 1959, Privatier aus Seeheim-Jugenheim. Ist wegen der Politik um Corona in die Partei eingetreten, wie er sagt.

Mitja Stachowiak aus Reinheim, Jahrgang 1993, Elektroingenieur. Mitbegründer der Klimaliste Darmstadt-Dieburg, für die er formal als Einzelbewerber antritt. cka

Bundestagswahl 2021 in Darmstadt: Radwege, Lockdown und vieles mehr

Dafür tut sich für Radfahrer:innen einiges: Pop-up Radwege sind in der verkehrsarmen Zeit des Lockdowns aus dem Boden geschossen und werden nun verstetigt. Überall in Darmstadt sind Fahrstreifen für Autos weggefallen, wurden Kreuzungen neu gestaltet. Ziel der Rathaus-Koalition aus Grünen, Volt und CDU ist es, Modellstadt für flächendeckendes Tempo 30 zu werden. Im Juli ging ein langgehegter Traum in Erfüllung: Die Darmstädter Mathildenhöhe erhielt den Titel Unesco-Welterbe. Die ebenfalls im Wahlkreis gelegene Fossilienfundstätte Grube Messel steht bereits seit 1995 auf der Unesco-Liste.

Die ländlich geprägten Kommunen im Kreis profitieren durch ihre Nähe zu Darmstadt und Frankfurt. In unmittelbarer Nähe zum Geo-Naturpark Bergstraße Odenwald lebt es sich gut, weswegen die Einwohnerzahlen seit Jahren ansteigen – wie auch in Darmstadt. Das verfügbare Einkommen pro Kopf lag 2017 laut Datenreport 2020 im Schnitt bei knapp 24 000 Euro, in Darmstadt waren es 22 800 Euro. Auch die Arbeitslosenquote ist im Landkreis niedriger als in der Stadt.

Bundestagswahl 2021: Widersprüche im Wahlkreis 186

Politisch ist der Wahlkreis 186 widersprüchlich: Die rund 240 000 Wahlberechtigten stimmen bei Bundestagswahlen anders ab als bei Kommunalwahlen. So sind die Grünen im Darmstädter Parlament seit 1997 die stärkste Kraft. Im Landkreis liegt die SPD traditionell vorn. Trotzdem erhielt seit 2009 bei Bundestagswahlen immer die CDU die meisten Zweitstimmen.

Auch 2017, als CDU und SPD herbe Verluste einfuhren, profitierten nicht die Grünen, die seit Jahren bei etwa 14 Prozent an dritter Stelle verharren, sondern FDP, Linke und AfD. Erstmals seit 1994 gewann die CDU 2017 auch das Direktmandat: Die damalige Bürgermeisterin von Mühltal, Astrid Mannes, setzte sich mit 30,7 Prozent knapp gegen Roßdorfs SPD-Bürgermeisterin Christel Sprößler (29,7 Prozent) durch. Ein zweites Bundestagsmandat ging über die Landesliste der Grünen an Daniela Wagner, Ehefrau von Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch.

Auch diesmal treten Mannes und Wagner an. Wagner hat mit Listenplatz 13 allerdings kaum Chancen, über die Landesliste wieder in den Bundestag einzuziehen. Die SPD schickt Messels Bürgermeister Andreas Larem ins Rennen. Insgesamt gibt es elf Bewerber:innen um ein Mandat in Berlin – so viele wie seit 1998 nicht mehr. (Claudia Kabel)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare