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Was bewegte eine Gruppe dazu, die Polizei in Darmstadt anzugreifen?

Schlossgrabenfest in Darmstadt

Angriff auf Polizei: Kein politisches Motiv erkennbar

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Polizisten werden im Herrngarten in Darmstadt mit Flaschenwürfen attackiert. Mehr als 100 Tatverdächtige werden festgenommen. Ein politisches Motiv sei nicht erkennbar, so die Polizei.

Nach dem Ende der Musikdarbietungen beim Schlossgrabenfest sind in der Nacht zum Sonntag im und um den Herrngarten Einsatzkräfte der Polizei angegriffen worden. Bislang seien keine Hinweise gefunden worden, die darauf hindeuteten, dass der Angriff einen politischen Hintergrund habe, sagte ein Polizei-Sprecher am Sonntagnachmittag. Über 100 Personen seien nach den Ausschreitungen festgenommen worden. Vorwiegend handele es sich bei ihnen um junge deutsche Männer, aber auch Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund seien darunter gewesen, so der Sprecher weiter. Die meisten der Festgenommenen seien am Nachmittag wieder aus dem Gewahrsam entlassen worden.

15 Polizisten waren bei dem Angriff verletzt worden. Die Polizeibeamten seien am frühen Sonntagmorgen gegen 2 Uhr „von einer größeren Menschenmenge attackiert“ und „massiv“ und „unvermittelt“ mit Flaschen beworfen worden, sagte ein Polizei-Sprecher. Die Angreifer seien zudem teilweise vermummt gewesen. Augenzeugen berichteten, die Menge habe immer wieder „A-C-A-B“ (All Cops are Bastards - alle Polizisten sind Bastarde) skandiert.

Keine Angaben zum Motiv

Gegen 1.30 Uhr hatte die Polizei Streitigkeiten oder sich anbahnende Auseinandersetzungen rund um das Festgelände gemeldet. Über die Motivlage und zur Ursache der gewaltsamen Attacken konnte ein Polizeisprecher in der Nacht auf Anfrage der FR zunächst keine verlässlichen Angaben machen. Am Morgen teilte die Polizei mit: Der Anlass für die Gewalttätigkeiten sei „noch unklar“. Die Ermittlungen zu den Hintergründen dauerten an. Später teilt die Polizei mit. Ein politisches Motiv sei nicht erkennbar.

Von 2.30 Uhr kreiste mehr als zwei Stunden lang ein Polizeihubschrauber über der Darmstädter Innenstadt und dem Herrngarten, um die Einsatzkräfte am Boden zu unterstützen. Die Polizei zog gemäß ihrer „Null-Toleranz-Strategie“ „eine Vielzahl von Polizeikräften“ im Bereich des Herrngarten zusammen, um „entschlossen“ gegen die Gewalttäter vorzugehen, wie vermeldet wurde.

Herr der Lage mit Großaufgebot

Mit einem Großaufgebot wurde versucht, Herr der Lage in und um die innerstädtische Grünanlage zu werden. Nur mit personeller Unterstützung von Polizisten anderer Polizeipräsidien und der Bundespolizei konnte der Herrngarten laut Polizeibericht schließlich geräumt werden, wobei weiterhin Flaschen auf die eingesetzten Beamten geworfen worden seien.

Es gelang den Beamten auf diese Weise, die Auswirkungen der gewaltsamen Ausschreitungen auf den Nahbereich rund um den Herrngarten zu begrenzen. Gleichwohl konnten einzelne weitere Straftaten - wie Sachbeschädigungen oder Brandstiftungen an einem Altkleidercontainer sowie an einem Stapel abgelegter Zeitungen an der Einmündung der Emilstraße in die Frankfurter Straße - nicht verhindert werden.

Bis zum frühen Morgen gab es mehr als 100 Festnahmen. Unter anderem wurden Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet. Mehrere Dutzend Menschen  wurden in Seitenstraßen entlang der Frankfurter Straße zum Teil von Polizisten eingekesselt. Die Beamten nahmen nach und nach die Personalien auf und durchsuchten Kleidungsstücke und Taschen.

Deutsche und Ausländer

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei handelte es sich nicht um eine spezielle Gruppierung. „Viele der festgenommenen Personen waren stark angetrunken“, sagte ein Polizeisprecher. „Ersten Ermittlungen zufolge schlossen sich die kleinen Gruppen - womöglich aus Solidarität – zusammen und gingen gewaltsam gegen die Beamten vor“, sagte der Sprecher. Hinter dem Gewaltausbruch habe man bislang keine „Strategie“ feststellen können.

Bei den zum Teil vermummten Angreifern habe es sich zumeist um Deutsche gehandelt. Es seien aber auch Ausländer aus unterschiedlichen Milieus unter den Angreifern gewesen. „Einen politischen Hintergrund können wir bisher nicht erkennen“, fügte der Sprecher hinzu. Die Beamten waren zunächst wegen Ruhestörung und einer mutmaßlichen Körperverletzung zu dem Park gerufen worden.

Gewaltausbruch verurteilt

Polizeipräsident Bernhard Lammel verurteilte am Sonntagmorgen die Angriffe: „Solch ein Gewaltausbruch ist mit nichts zu rechtfertigen.“ Lammel lobte zudem das in der sehr gefährlichen Einsatzlage „entschlossene und professionelle Einschreiten der eingesetzten Beamten“. Er bedauerte zudem, dass viele Kollegen in der Nacht verletzt worden seien. (mit dpa)

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