+
Anna-Lisa Sieben kümmert sich in der Darmstädter Frauenklinik um Frühgeborene.

Darmstadt

Leidenszeit für Kinderkrankenschwestern

Das Bundeskabinett plant, die Ausbildung der drei Berufe Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger zusammenzulegen. Auch in Darmstadt stößt dieses Vorhaben auf heftigen Widerstand.

Das Bundeskabinett hat das Pflegeberufegesetz beschlossen. Demnach soll die bislang spezialisierte Ausbildung der drei Berufe Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger zusammengelegt werden. Die Pläne stoßen auf Widerstand, auch in Darmstadt. „Diese Berufe sollen mit Gewalt zusammengeführt werden“, sagt Arndt Blessing, der Leiter des Bildungszentrums für Gesundheit (BZG) Mathildenhöhe. Das BZG bietet gemeinsam mit dem Alice-Hospital, den Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, dem Klinikum Darmstadt und der Kreisklinik Groß-Gerau Ausbildungsplätze für Pflegeberufe an, darunter Krankenpflege und Kinderkrankenpflege.

„Einen generalistischen Ansatz haben wir jetzt schon“, sagt Blessing. Das heißt: Grundlegendes lernen alle Auszubildenden im BZG in gemeinsamen Modulen. Doch darüber hinaus werden die angehenden Fachkräfte speziell für die Bedürfnisse ihres künftigen Berufs ausgebildet. „Der Schwerpunkt macht etwa 80 Prozent der Ausbildung aus“, erklärt Blessing. In den restlichen 20 Prozent lernen die Auszubildenden etwa die ambulante Pflege kennen. Ab Januar 2018 sollen alle angehenden Pflegefachfrauen und -männer einheitlich ausgebildet werden.

Noch gibt es keine neue Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. „Erst wenn die vorliegt, können wir genau sagen, was das für die Ausbildungsinhalte bedeutet.“ Doch was man jetzt schon absehen könne: „Wenn man drei spezialisierte Ausbildungen zusammenfasst, geht ein Teil der Spezialisierung verloren.“ Bislang bringt die Ausbildung im BZG Fachkräfte hervor. Wenn das neue Gesetz greift, „haben die Auszubildenden lediglich eine Basisausbildung“, sagt Blessing. Also: Was im theoretischen Unterricht nicht mehr gelernt wird, muss in der Praxis nachgeholt werden.

Das sieht auch Birgit Steindecker kritisch. Sie ist Pflegedirektorin am Elisabethenstift. „Ich frage mich, wer diese Nachschulungen finanzieren soll.“ Der Gerontologie in der Krankenpflegeausbildung einen größeren Raum zu geben und Altenpflegern medizinische Kenntnisse zu vermitteln, sei grundsätzlich gut. Aber: „Beide Berufe kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen“.

Qualität wird kaputtgemacht

Hinzu kommt: „Die Krankenpfleger müssen mit technischen Geräten umgehen können, die wir im Altenheim gar nicht haben.“ Die von der Bundesregierung angestrebte höhere Durchlässigkeit in den Pflegeberufen ist für die Altenpflege in den Augen Steindeckers keine gute Nachricht: „Ich fürchte, dann entscheiden sich viele für die Arbeit als Krankenpfleger.“ Große Bedenken gibt es auch bei der Kinderkrankenpflege. „Das ist eine Katastrophe für uns“, sagt Bernhard Lettgen, Chefarzt der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret. „Mit dem Gesetz wird die Qualität in der Kinderkrankenpflege kaputtgemacht.“ (ers)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare