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Des Bürgermeisters Schmuck

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Werner Schuchmann (Ober-Ramstadt) trägt die Kette nur zu besonderen Anlässen.
Werner Schuchmann (Ober-Ramstadt) trägt die Kette nur zu besonderen Anlässen. © Karl-Heinz Bärtl

Amtsketten werden seit dem 19. Jahrhundert vor allem von Bürgermeistern und Universitätsrektoren getragen. Sie ist das, was für den König einst die Krone war – allerdings weit bescheidener. Von 23 Rathaus-Chefs im Landkreis haben heute nur drei eine Amtskette.

Amtsketten werden seit dem 19. Jahrhundert vor allem von Bürgermeistern und Universitätsrektoren getragen. Sie ist das, was für den König einst die Krone war – allerdings weit bescheidener. Von 23 Rathaus-Chefs im Landkreis haben heute nur drei eine Amtskette.

Bürgermeister sind heute vor allem Verwalter. Die große Bühne bleibt ihnen meist verwehrt. Gut, dass manche wenigstens über standesgemäßen Prunk verfügen: eine Amtskette. Drei davon gibt es noch im Landkreis.

Der Bürgermeister öffnet behutsam den großen Holzkasten und blickt fast ehrfürchtig hinein. Werner Schuchmann (SPD) hat sichtlich Respekt vor dem Schmuckstück, das ihn von innen anfunkelt: die Amtskette von Ober-Ramstadt. Seine Amtskette. Und doch wieder nicht, denn der repräsentative Schmuck aus vergoldetem und versilbertem Metall wird irgendwann an den nächsten Verwaltungschef übergehen.

Seit neun Jahren ist Schuchmann Bürgermeister. Seither hat er die Kette sechs Mal getragen, schätzt er. Aus dem Kästchen nehmen will er sie nur zu außergewöhnlichen Anlässen. „Das ist schon etwas Besonderes.“ Offizielle Tragevorschriften gibt es jedoch nicht.

Die Kette besteht aus Münzen, von denen die größte das Stadtwappen zeigt, die anderen die Wappen dreier Partnerstädte – drei neu hinzugekommene müssen noch eingearbeitet werden. Die erste Version der Kette – sie wurde 1995 bei einer Verschwisterungsfeier gestohlen – kostete 1986 rund 3000 Mark.

Amtsketten werden seit dem 19. Jahrhundert vor allem von Bürgermeistern und Universitätsrektoren getragen. Sie ist das, was für den König einst die Krone war – allerdings weit bescheidener.

Die Babenhäuser Bürgermeisterin Gabi Coutandin (SPD) hat die Kette zum Gespräch gleich umgehängt. „Es gibt immer wieder Vereine, die mich bitten, die Kette zu gewissen Anlässen zu tragen, wie kürzlich ein Jubiläumsspringen. Das habe ich natürlich getan.“ Die Kette, sagt Coutandin, hätten ja schließlich die Bürger bezahlt.

Dem Groß-Umstädter Bürgermeister Joachim Ruppert (SPD) wurde die Ketten-Etikette von seinem Vorgänger Wilfried Köbler erklärt. „Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt.“ Was Ruppert an der Kette schätzt: „Man kommt mit vielen Menschen ins Gespräch, die neugierig sind, was die Symbole auf der Kette bedeuten.“ Auch im Ausland falle er damit auf. Manchmal greift aber auch er zur Schärpe – die sei bei Umzügen einfach praktischer. (ers.)

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