Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Medienrummel um Bürgermeister Patrick Koch (Mitte), der gerade das Amtsgericht Dieburg verlässt.
+
Medienrummel um Bürgermeister Patrick Koch (Mitte), der gerade das Amtsgericht Dieburg verlässt.

Dieburg

Bürgermeister von Verdacht des Geheimnisverrats freigesprochen

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
    schließen

Jahre nach einer Verurteilung im Babenhäuser Doppelmord äußert Patrick Koch Zweifel an den Ermittlungen. Jetzt hat das Amtsgericht Dieburg ihn vom Vorwurf der Verletzung des Dienstgeheimnisses freigesprochen. Doch damit ist er Fall nicht erledigt.

Unter großem Andrang von Medien und Zuschauern, die vor dem Amtsgericht Dieburg am Dienstagmorgen Schlange standen und wegen Corona-Beschränkungen größtenteils nicht eingelassen wurden, ist der Pfungstädter Bürgermeister Patrick Koch (SPD) vom Vorwurf der Verletzung des Dienstgeheimnisses freigesprochen worden. Koch zeigte sich nach dem Prozess „erleichtert, aber auch beunruhigt“– es sei noch nicht vorbei, sagte er.

Nach Auffassung des Gerichts war entscheidend, dass keine unmittelbare Gefährdung wichtiger öffentlicher Interessen vorgelegen habe, sagte Gerichtssprecher Leif Kindinger der Frankfurter Rundschau. Das Verfahren um den 2009 stattgefundenen Babenhäuser Doppelmord sei rechtskräftig. Auch eine mittelbare Gefährdung habe nicht vorgelegen, da keine „Erschütterung breiter Bevölkerungsteile im Vertrauen in die Staatsgewalt bestehen“ würde.

Doppelmord in Babenhausen: Einseitige Ermittlungen?

Koch, der zeitweise als Kriminalkommissar in die Ermittlungen um den Doppelmord involviert gewesen war, hatte vergangenes Jahr eine E-Mail an den Anwalt des Verurteilten geschrieben. Darin äußerte er unter anderem den Verdacht einer Vorverurteilung durch den damaligen Polizeipräsidenten. Man habe sich viel zu schnell auf den später Verurteilten als Täter festgelegt. Dies habe „die ganzen Jahre an ihm genagt“, sagte sein Anwalt. Koch selbst soll laut Beobachtern in der Verhandlung gesagt haben: „Habe ich mich möglicherweise an einem Justizirrtum schuldig gemacht?“ Die Staatsanwaltschaft hatte für die mutmaßliche Weitergabe von Interna aus den Ermittlungen eine Strafe von 90 Tagessätzen à 150 Euro gefordert. Der Staatsanwalt kündigte an, Rechtsmittel einzulegen, da er den Freispruch Kochs „nicht für richtig“ halte.

Vor Ort war auch die Ehefrau des 2011 wegen Mordes an seinen Nachbarn zu lebenslänglicher Haft verurteilten Andreas D. Gegenüber der Presse dankte sie Bürgermeister Koch „für seinen großen Mut und seine Ehrlichkeit“. Es sei ein Baustein, der positive Energie für einen neuen Prozess gebe, den man derzeit vorbereite. Erst 2019 war der Versuch eines Wiederaufnahmeverfahrens gescheitert. Eine Beschwerde dagegen wurde 2020 abgelehnt. Bis heute wird das Urteil des Landgerichts Darmstadt von vielen angezweifelt. Acht Freunde von Andreas D. gründeten den Hilfsverein Monte Christo, um Justizopfern zu helfen. Das Interesse für den Doppelmord ist bundesweit groß. Aus Gießen reiste jetzt wegen des Prozesses gegen Koch eine Gruppe Jurastudierender an.

Podcast zum Fall: „Noch viele Fragen offen“

Auch die beiden Münchner Journalistinnen Leonie Bartsch und Linn Schütze waren am Dienstag vor Ort. Ein wichtiger Tag für sie, denn sie verfassten im Auftrag von Pro7 einen fünfteiligen Podcast zum Fall, der nach ihren Worten auch verfilmt werden soll. Dafür sichteten sie in den vergangenen eineinhalb Jahren Gerichtsakten, die ihnen zugespielt worden waren, und sprachen mit zahlreichen Personen – auch Polizisten – wie sie sagen. Viele hätten den Druck bei den Ermittlungen bestätigt, sich allerdings, anders als Koch, nicht getraut, ihre Beobachtungen öffentlich auszusprechen. Ihr Fazit: „Es sind noch viele Fragen offen.“ Zum Beispiel, warum die einzige Überlebende, die autistische Tochter, nicht vor Gericht gehört worden sei. Diese soll von zwei Tätern gesprochen haben, die in ihr Elternhaus eingedrungen seien und die Eltern erschossen hätten. Auch das vom Gericht angenommene Tatmotiv der Ruhestörung durch die Opfer wurde vom Kriminalbiologen Mark Benecke 2013 widerlegt.

Podcast zum Doppelmord in Babenhausen: www.mordaufex.de/die-nachbarn

Zum Weiterlesen:

Aussage zu Doppelmord: Pfungstädter Bürgermeister vor Gericht

Mordfall in Babenhausen: Doppel-Mord soll neu aufgerollt werden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare