1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Bürgerhaus für einen Euro

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Mit voller Wucht treffen Finanzkrise und strukturelle Probleme das beschauliche Modautal. Die Gemeinde hat die höchste Pro-Kopf-Verschuldung im Landkreis. Um zu sparen, wird an sämtlichen Stellschrauben gedreht.

Mit voller Wucht treffen Finanzkrise und strukturelle Probleme das beschauliche Modautal. Das Geld ist so knapp wie nie, die finanzielle Belastung der Flächengemeinde wächst. Wie der Mangel 2010 verwaltet werden soll, legte Bürgermeister Jörg Lautenschläger (CDU) seinen Gemeindevertretern am Montagabend dar und stellte den Haushaltsentwurf vor.

Die höchste Pro-Kopf-Verschuldung im Landkreis Darmstadt-Dieburg müssen die derzeit 5004 Modautaler nach seinen Angaben tragen. Der Ergebnishaushalt mit einem Volumen von rund sechs Millionen Euro weist einen Fehlbetrag von 832 224 Euro auf.

Die Zahlen sind verheerend. Nachdem der Gemeinde 2009 bereits Steuern und Zuweisungen in Höhe von 400 000 Euro weggebrochen seien, verliere man in diesem Jahr nochmals Einnahmen von mehr als 500 000 Euro, erläutert Lautenschläger. Gleichzeitig sei eine Kreis- und Schulumlage von gut zwei Millionen Euro zu leisten.

Um zu sparen, wird an sämtlichen Stellschrauben gedreht. So bringt eine Anhebung der Hundesteuer im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von gut 6000 Euro. "Nicht wirklich viel", sagt Lautenschläger. Dennoch hofft er, dass sie sich auch kleine Beiträge in der Summe auswirken. "Auf jede Aufgabe muss geschaut werden, auch wenn sie noch so klein ist."

Sparen bedeutet aufschieben

Derzeit bedeutet sparen aber auch oft aufschieben. Kein Wunder bei elf Ortsteilen mit 76 Kilometer Gemeindestraßen, acht Feuerwehren, acht Bürgerhäusern und zehn Friedhöfen - die Instandhaltung ist eine Sisyphusarbeit. Auf die Dauer sei dies aber keine Lösung, mahnt Lautenschläger. "Wenn wir sitzen und warten, werden die Liegenschaften schleichend verfallen." Er fordert deshalb "richtungsweisende Zukunftsentscheidungen."

Richtig spruchreif sind seine Ideen noch nicht, aber vorstellen kann sich der Bürgermeister viel. Möglichkeiten böte ein gesteigertes Engagement von Privatleuten und Vereinen. "Denkbar wäre, dass ein Verein ein Bürgerhaus kauft, von mir aus für einen Euro." Auch über Friedhöfe samt Trauerhallen müsse man reden. Trotz stetig gestiegener Friedhofsgebühren schießt die Gemeinde jedes Jahr kräftig zu. (loc)

Auch interessant

Kommentare