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Bürger als Unternehmer

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Die Produkte werden direkt auf dem Hof vermarktet.
Die Produkte werden direkt auf dem Hof vermarktet. © Claus Völker

Seit zehn Jahren wird auf dem Hofgut Oberfeld ökologische Landwirtschaft betrieben. Mit Erfolg: Wurde das Oberfeld vor der Umstellung gerade mal von zwei Mitarbeitern bewirtschaftet, so arbeiten auf dem Hofgut heute rund 40 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit sowie weitere 30 Aushilfskräfte.

Um Rinder, Bürger, Mitarbeiter und Aktionäre hat sich der vorerst letzte Termin der von der Hochschule Darmstadt getragenen Vortragsreihe „Energie für die Zukunft“ in der Centralstation gedreht. Thomas Göbel und Will Schaumann blickten auf zehn Jahre ökologische Landwirtschaft auf dem Hofgut Oberfeld zurück.

Was mittlerweile erreicht wurde, sei 2006 kaum greifbar gewesen, lautete Will Schaumanns fast ungläubiges Resümee in der vollbesetzten Centralstation. Wie Landwirt Thomas Göbel arbeitet Schaumann im Vorstand der „Hofgut Oberfeld Landwirtschaft AG“. Und die wurde gerade mit dem Bundespreis Ökologischer Landbau ausgezeichnet.

In der Tat ist seit der Umstellung auf biologisch-dynamische Landwirtschaft viel passiert: Zum vormals reinen Ackerbaubetrieb kam Tierhaltung (Kühe, Hühner, Gänse) hinzu. Getreide und Milch werden in eigener Bäckerei und Käserei weiterverarbeitet und über einen Laden und ein Café direkt vermarktet. Saisongärten ermöglichen Bürgern, ihr eigenes Gemüse anzubauen.

Das Hofgut selbst ist ein beliebter Treffpunkt. Neben der Landwirtschafts AG haben auch das sozialtherapeutische Projekt Lebensweg und der umweltpädagogische „Lernort Bauernhof“ ihren Sitz auf dem Oberfeld.

Bilanzsumme und Umsatz steigen

Diese Entwicklung lässt sich auch an Zahlen ablesen: Wurde das Oberfeld vor der Umstellung gerade mal von zwei Mitarbeitern bewirtschaftet, so arbeiten auf dem Hofgut heute rund 40 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit sowie weitere 30 Aushilfskräfte. Bilanzsumme und Umsatz sind stetig gestiegen. Ebenso die Zahl der Aktionäre und das von ihnen gezeichnete Kapital.

Rund 120 Aktionäre, denen es weniger um Rendite sondern mehr um eine in Einklang mit der Natur stehende Nahrungsmittelproduktion geht, haben mittlerweile über eine Million Euro in die AG eingebracht – Voraussetzung für Investitionen in Gebäude und Maschinen. „Ebenso wie die vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sind unsere Kunden und Aktionäre das Rückgrat des Hofguts“, betonte Schaumann. „Wir haben so eine breite Basis, auf der wir Entscheidungen treffen können.“

Bewässerungssysteme gegen Klimawandel

Dieses „Bürgerunternehmen“ habe weitere Herausforderungen zu meistern, erklärte Thomas Göbel: Man wolle Kooperationen mit anderen landwirtschaftlichen Betrieben sowie Verarbeitungs- und Vermarktungsnetzwerken aufbauen. Menschen mit Behinderung sollen stärker in den Betrieb integriert, die vorhandene Infrastruktur gestärkt werden.

Reagieren müsse das Hofgut Oberfeld auch auf den Klimawandel. Der heiße, trockene Sommer 2015 habe den Grünfutterertrag halbiert. „Die Frage ist, wie wir auf lokaler Ebene gegensteuern können“, erklärte Thomas Göbel. So müsse der Humusaufbau auf dem Oberfeld weiter vorangetrieben werden. Auch über Bewässerungssysteme will man nachdenken. Die in der abschließenden Diskussion geäußerte Forderung, Bäume auf dem Oberfeld zu pflanzen, nahm der Demeter-Landwirt dankbar auf: „Bei der Biotopentwicklung müssen wir mehr tun.“

Ratlos waren Thomas Göbel und Will Schaumann bei der Frage, wie biologisch erzeugte Lebensmittel für Menschen mit geringem Einkommen erschwinglich werden könnten. „Wir können nicht billiger produzieren“, betonte Will Schaumann. „Für die Qualität, die wir erzeugen, müssen wir auch angemessene Preise verlangen.“ (wka)

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