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Jule Thaetner hat ein thermografisches Verfahren zur Früherkennung von Brustkrebs entwickelt.

Jugend forscht

Dem Brustkrebs auf der Spur

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Deutschlands beste Nachwuchsforscher präsentieren ihre 105 Projekte im Kongresszentrum "Darmstadtium"

Sie forschen bis abends, an den Wochenenden und in den Ferien und lassen sich auch von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen: 182 Talente stellen bis Sonntag beim 53. Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ im Darmstädter Kongresszentrum „Darmstadtium“ ihre 105 Forschungsprojekte vor. Alle Jungforscherinnen und Jungforscher haben sich als Landessieger für das diesjährige Bundesfinale qualifiziert. Ursprünglich hatten sich wieder mehr als 12 000 Interessenten mit ihren Ideen für den Wettbewerb beworben. Ausgerichtet wird das Bundesfinale vom Darmstädter Pharma- und Technologieunternehmen Merck, das in diesem Jahr sein 350-jähriges Bestehen feiert, und von der Jugend- forscht-Stiftung. 

Für ihre Brustkrebsdiagnose per Temperaturmessung wurde Jule Thaetner aus Kassel in diesem Jahr schon zur hessischen Landessiegerin im Fachgebiet Biologie gekürt. Besonders gut kam ihr interdisziplinärer Ansatz bei den Juroren an. Schon seit 2014 ist die Zwölftklässlerin der Elisabeth-Knipping-Schule am Schülerforschungszentrum Nordhessen in aktiv. Die 18-Jährige forschte nach einer Alternative zum Mammografie-Screening als Diagnoseverfahren zur Früherkennung von Brustkrebs

Das Diagnoseverfahren ist insbesondere wegen der Belastung durch Röntgenstrahlen und der psychischen Stresssituation, der die Frauen ausgesetzt werden, umstritten. Thaetner suchte daher nach einer Alternative. Sie entwickelte ein thermografisches Verfahren, bei dem Krebszellen mit Wärmebildaufnahmen von gesunden Zellen unterschieden werden. Vermutlich wegen des unterschiedlichen Stoffwechsels erscheinen die Krebszellen in den thermografischen Aufnahmen kühler als gesunde Zellen. 

Ein Unternehmen stellte Thaetner für die Forschungen eine Wärmebildkamera zur Verfügung. Ihre Methode testete die Schülerin zunächst an tierischen Proben. In einer ersten klinischen Studie mit Patientinnen, die eine Krebs-Sprechstunde aufsuchten, konnte die Nachwuchsforscherin anschließend zeigen, dass sich Krebstumore mittels Thermografie nachweisen lassen. Noch ist ihr Verfahren allerdings nicht präzise genug für eine zuverlässige Früherkennung von Krebs. 

Ein paar Stände weiter erklären Jessica Grabowski, Annalena Bödiker und Felicia Walter, wie beim Menschen ein spezielles Rezeptor-Gen den Geschmackssinn steuert. Die drei Schülerinnen der Kasseler Jacob-Grimm-Schule hatten zunächst im Selbsttest festgestellt, dass sie auf einen Bitterstoff, der auch im Rosenkohl enthalten ist, unterschiedlich reagieren. Jessica schmeckte den Stoff sehr intensiv bitter, Felicia nur leicht bitter und Annalena überhaupt nicht. Dieses Phänomen erforschten sie und entdeckten dabei die bislang unbekannte genetische Variante des „Halb-Schmeckers“. Ihre Forschungsergebnisse könnten bei Unverträglichkeiten zur einer Verbesserung der individuellen Ernährungsempfehlungen beitragen. 

Auf die Frage, was sie zum Forschen antreibe, antwortete Jue Thaetner, Krebs sei „eine sehr spannende Krankheit“, die noch intensiver erforscht werden müsse. In ihrer Familie seien zwar alle gesund, die „erschreckend hohen Zahlen“ von Brustkrebserkrankungen aber seien ihre Motivation, sagte die 18-Jährige. Ihre Pläne für nach dem Abitur liegen fast auf der Hand: Thaetner würde gerne Medizin studieren.

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