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Brückenteile sind fertig

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So sieht die Liliendreifaltigkeit der Künstlerin Jill Klohe aus: Stadion, Team und Fans.
So sieht die Liliendreifaltigkeit der Künstlerin Jill Klohe aus: Stadion, Team und Fans. © Andr Hirtz

Die inklusive Stiftung „Davin“ hat 100 Holzlatten von Prominenten bemalen lassen. Die Latten sollen eine gut sechs Meter lange Da-Vinci-Brücke ergeben.

Phase eins des Großprojekts ist abgeschlossen: Hundert Künstler und Promis haben alle hundert Holzteile bemalt und gestaltet, die zusammen eine gut sechs Meter lange Da-Vinci-Brücke ergeben. Die Konstruktion kommt völlig ohne Nägel und Schrauben aus, ist also selbsttragend – und das ist ebenso symbolisch, wie die fünf Buchstaben des Großprojekts „Davin“ für Darmstadt, für da Vinci, für V wie Verbindung und Vernetzung und für Inklusion stehen.

Bewo, der Träger für Betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderungen und Betreiber des inklusiven Angebots „Zwischenräume“ hat „Davin“ ins Leben gerufen. Jedes der von einem Künstler oder Promi gestalteten Originale soll für 10 000 Euro verkauft werden, so dass am Ende eine Million für die inklusive Stiftung zusammenkommt, die die von „Zwischenräume“ verfolgte Teilhabe aller Menschen mit und ohne Handicaps an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, von Freizeit und Bildung bis Kunst und Kultur dauerhaft finanzieren kann.

Nicht nur, dass inzwischen sämtliche sechzig Zentimeter langen Brückenteile gestaltet sind. Auch die Künstler sind fotografiert und haben zum größten Teil ein Statement abgegeben, was sie mit Inklusion und eine Brücke verbinden. „Es ist gelungen, Florian Sitzmann zu kriegen“, freut sich Koordinatorin Elke Hitzel. Der Mann, der seine Beine als Jugendlicher bei einem Motorrad-Unfall verlor und in der vergangenen Woche Vater von Zwillingen geworden ist, hat ein eindeutiges Statement verfasst: „Inklusion steht uns gut“.

Schauspieler Samuel Koch, seit seinem Wetten-Dass?“-Unfall vom Hals abwärts querschnittsgelähmt, hat sein Lebensmotto von Künstler Wolfgang Ries gestalten lassen: „Menschen, die uns eine Stütze sind, geben uns Halt.“ Dabei sind natürlich die Politiker dieser Stadt, Vertreter der Kulturszene wie das Kabarett-Duo Kabbaratz oder der Stadtwirtschaft, aber natürlich auch die Lilien.

Jill Klohe, Künstlerin und Lilienfan, hat gleich drei Brückenteile liebe- und beziehungsvoll gestaltet: Eines zeigt die Ultras bei einer Stadion-Choreografie mit dem Schriftzug SV Darmstadt 98 und ist mit angehäkelten Fransen rechts und links gestaltet wie ein Fanschal. Ein zweites zeigt einen Flutlichtmast im Traditionsstadion am Böllenfalltor auf dem Sandsteinsockel des Langen Ludwig.

Benefizkonzert eines Frauenchores

Und ein drittes bildet Spieler in Aktion ab – auf der Rückseite unterschrieben, und zwar in der Woche vor dem Aufstiegssonntag. „Da ging es bei denen drunter und drüber und trotzdem haben sie dafür zur Verfügung gestanden“, sagt Koordinatorin Marion Zepp dankbar. Damit „Zwischenräume“ selbst einen Sitz im Kuratorium der Stiftung erhält, setzen Elke Hitzel und Marion Zepp auf Kleinvieh, das Mist macht. Gestaltet wurden nämlich nicht nur 100 lange Brückenbauteile, sondern auch halb so große Stücke, die zugunsten von „Zwischenräume“ verkauft werden.

Inzwischen haben sie rund ein Viertel der benötigten Summe zusammen und nutzen das Interesse, das in der Kunstszene an den Holzteilen besteht, für die Gestaltung weiterer kleiner Elemente.

Außerdem steht in der kommenden Woche im Saal der Michaelsgemeinde ein Benefizkonzert mit dem Frauenchor „Pepperroses“ an, die unter dem Motto „Glamour, Schutt und Muckefuck“ eine musikalische Revue durch die zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts präsentieren wollen.

Danach geht es in den Endspurt der Katalog-Präsentation der Bauteile. Theo Jansen vom Fotoclub und Hannelore Anthes und Anette Seelinger unterstützen die beiden tatkräftigst. „Der Katalog macht nochmal richtig viel Arbeit“, stellt Elke Hitzel fest. Im November, zur Ausstellungseröffnung der Da-Vinci-Brücke mit Repliken der Brückenteile in der Sparkasse soll er vorliegen. Danach folgt die nicht minder wichtige Phase zwei des Großprojekts: Verkaufen. (rwb)

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