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Brücke ins Nichts

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Im Februar hatten Evonik-Röhm-Mitarbeiter noch versucht, den Schaden zu beheben.
Im Februar hatten Evonik-Röhm-Mitarbeiter noch versucht, den Schaden zu beheben. © Roman Grösser

Die Brücke über den Graben an der Ostseite des Darmstädter Schlosses, der sogenannte Wörnersteg, soll abgebaut werden – und zwar für immer.

Grund sind Schäden an dem 2007 errichteten Bauwerk über dem Schlossgraben. Das hat der Sprecher der Technischen Universität, Jörg Feuck, auf Anfrage bestätigt: „Die TU und Evonik Röhm haben sich einvernehmlich darauf verständigt, die Brücke abzutragen und damit ein gemeinsames wissenschaftliches Experiment zu beenden.“ Eine Reparatur erscheint zu aufwendig.

Die TU als Bauherrin hat inzwischen einen Abrissantrag bei der Stadt eingereicht. Ausschlaggebend sind nach Angaben des TU-Sprechers die in den kalten Wintern 2009 und 2010 entstandenen Risse in sechs Plexiglasscheiben der Brücke. Sie sind durch temperaturbedingte Spannungen aus den mit den Scheiben fest verbundenen Holz- und Stahlbauteilen ausgelöst worden.

Es war gerade das Ziel des Bauprojekts, zu erkunden, ob Plexiglas als statisch-konstruktiver Bestandteil einer Brücke in Holzbauweise taugt. Auf Initiative des früheren TU-Präsidenten Johann-Dietrich Wörner war der Steg 2007 deshalb in einer Forschungskooperation der TU mit dem Unternehmen Evonik Röhm errichtet worden – als angeblich weltweit erste Plexiglas-Brücke. „Wir wollten das als Pioniere ausprobieren“, sagt Feuck. Doch zwei Jahren nach Fertigstellung zeigten sich Risse.

Noch im Februar hatte Evonik Röhm verkündet, man wolle den Steg reparieren. Das Unternehmen hatte den Bau finanziert und war für die Instandhaltung der Brücke zuständig. Doch eine Prüfung ergab, dass eine Reparatur sinnlos wäre. „Bei keiner der vorgeschlagenen Methoden kann ein Wiederauftreten von Rissen völlig ausgeschlossen werden“, erklärt TU-Sprecher Feuck. Außerdem wäre der finanzielle wie zeitliche Aufwand für Evonik Röhm sehr hoch.

International bekam das Bauwerk viel Lob: 2008 zeichneten Ingenieure die Brücke bei einer Tagung aus. Bei den Darmstädtern stand der Wörnersteg dagegen von Anfang an in der Kritik – wegen seiner klobigen Optik, aber auch, weil der Sinn der Brücke bezweifelt wurde.

Seit Monaten gesperrt

Zwar sollte sie den Besuchern des Darmstadtiums ermöglichen, ohne Umwege zum Schloss zu gelangen. Tatsächlich begann der Steg an der Schlossmauer, endete aber im Nichts. Zudem wurde nie ein besserer Zugang zur Brücke, etwa durch einen Fußgängerüberweg über die B?26 (Schlossgraben), geschaffen. Wohl auch deshalb wurde der Steg kaum genutzt. Zudem war er unter anderem wegen Eisglätte gesperrt. Bereits seit einigen Monaten ist er wegen der Sanierung des Schlosses nicht zugänglich.

Nach Angaben von Evonik-Röhm-Sprecherin Franziska Linne soll der Wörnersteg im kommendem Sommer demontiert werden. ( rf/ryp/ers)

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