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Brich dein Schweigen: Hilfe bei sexuellem Missbrauch

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Von: Claudia Kabel

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Polizeivizepräsident Rudi Heimann übergibt Plakete der Präventionskampagne „Brich Dein Schweigen“ an Jugenddezernentin Christel Sprößler, daneben Jugendkoordinatorin Lynn Beier und Kriminalhauptkommissar Michael Rühl.
Polizeivizepräsident Rudi Heimann übergibt Plakete der Präventionskampagne „Brich Dein Schweigen“ an Jugenddezernentin Christel Sprößler, daneben Jugendkoordinatorin Lynn Beier und Kriminalhauptkommissar Michael Rühl. © Claudia Kabel

Kampf gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche: Landkreis Darmstadt-Dieburg und Stadt Darmstadt steigen in die Kampagne ein.

Dreizehn Jahre lang, von 1992 bis 2005, soll ein heute 62-jähriger Mann aus Darmstadt drei Kinder sexuell missbraucht haben. Auch zum Oral- und Analverkehr soll er sie gezwungen haben. Das jüngste Kind war damals zehn. Am nächsten Montag beginnt der Strafprozess vor dem Landgericht Darmstadt gegen den mutmaßlichen Täter. Es ist nur einer von drei Prozessen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern, die das Gericht für diesen Monat angesetzt hat. In den anderen beiden Fällen in Bad König und Rödermark wurden Kindern Pornos gezeigt, sie wurden im Intimbereich berührt und manipuliert oder geküsst.

Die Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen sind in Hessen laut Kriminalstatistik deutlich gestiegen, die Dunkelziffer gilt als hoch. In Südhessen wurden im Vorjahr 118 Kinder und Jugendliche Opfer sexuellen Missbrauchs. Das Polizeipräsidium Südhessen hat deshalb im März mit dem Verein Bürger und Polizei Bergstraße und den Rotary- Clubs der Region die Präventionskampagne „Brich dein Schweigen“ gestartet. Am Dienstag stieg der Landkreis Darmstadt-Dieburg mit ein, von diesem Donnerstag an wird sich auch die Stadt Darmstadt einbringen. Polizeivizepräsident Rudi Heimann übergab jeweils die Plakate. „Die Aktion soll die breite Masse der Bevölkerung ansprechen“, sagte Heimann am Dienstag vor dem Kreishaus in Darmstadt-Kranichstein. Sexueller Missbrauch von Kindern gehe durch alle Gesellschaftsschichten. Die Plakate mit den Nummern der Hilfstelefone sollen an öffentlichen Orten wie Rathäusern, Jugendzentren und Kitas ausgehängt werden, sagte Sozial- und Jugenddezernentin Christel Sprößler (SPD). Sie richten sich nicht nur an die Opfer, sondern auch an das Umfeld der Betroffenen: Eltern, Lehrkräfte, Betreuer:innen und Freund:innen. Jeder siebte Hinweis kommt laut Heimann von Gleichaltrigen. Kinder müssten häufig bis zu acht Personen von dem Missbrauch erzählen, bis ihnen geglaubt werde.

Dabei handele es sich nicht immer nur um Fälle von Pädökriminalität, sagt Polizeihauptkommissar Michael Rühl vom Fachbereich Cybercrime. Auch das Verbreiten von Nackbildern oder Videos im Internet, etwa in Chatgruppen und sozialen Netzwerken, gilt als Missbrauch. Dies könne nicht nur strafrechtliche Konsequenzen für den oder die Täter:in haben, sondern auch schlimme Folgen für das Opfer, die bis zu Depressionen oder gar Selbstmord reichten. „Viele gehen blauäuigig ins Internt und sind sich der Tragweite gar nicht bewusst.“ Wenn ein Inhalt einmal viral gegangen sei, lasse er sich nur noch schwer zurückholen. Auch an die Betroffenen und Urheber;innen in solchen Fällen richte sich das Beratungsangebot.

Beteiligte Anlaufstellen

Hilfetelefon sexueller Missbrauch: 0800 / 22 55 530

Onlineberatung und Hilfe in der Nähe: www.hilfe-portal-missbrauch.de

Beratungstelefon zur Prävention von Kinder- und Jugendpornographie: 0800 / 55 222 0

Opferberatung Darmstädter Hilfe : www.darmstaedter-hilfe.de

Kinderschutzbund Darmstadt: www.kinderschutzbund-darmstadt.de

Beratungsstelle für Mädchen und Frauen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind: Wildwasser Darmstadt: www.wildwasser-darmstadt.de

Beim Netzwerk gegen Gewalt ist eine Broschüre zum richtigen Umgang mit digitalen Medien abrufbar unter: netzwerk-gegen-gewalt.hessen.de

Ziel der auf zwei Jahre angelegten Kampagne ist, das Thema ins Bewssutsein zu rücken und zu enttabuisieren, damit eine Früherkennung gewährleistet und Kontakthemmungen zur Beratung abgebaut werden können. Auch sollen Hilfsangebote bekanngemacht und erweitert und Täter:innen verunsichert und identifiziert werden, erläutert die Polizei.

Bisher wurden in Südhessen mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler und mehr als 100 Lehrkräfte bei elf Kinovorführungen informiert. Für die Ansprechpartner:innen aus dem Bereich Kindeswohl im Sport gab es einen Online-Infoabend, Plakate hängen zudem schon in 1300 Arztpraxen. Auch der Kreis Groß-Gerau beteiligt sich bereits.

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