1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Bombenleger erneut vor Gericht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Frank Sommer

Kommentare

Vor acht Jahren verschanzte sich ein Mann mit Waffen in seiner Wohnung, lieferte sich einen Nervenkrieg mit der Polizei. Jetzt soll der „Bombenleger von Viernheim“ in seiner Gefängniszelle Feuer gelegt haben.

Unter großem Medieninteresse hat am Montag vor der 15. Strafkammer des Landgerichts die Verhandlung über eine Brandstiftung in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt begonnen. Dem 52-jährige Jürgen K., der 2008 als „Bombenleger von Viernheim“ bekannt- und 2010 zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde, wird Brandstiftung und Körperverletzung vorgeworfen. K. wird dabei nur als Beschuldigter geführt, Oberstaatsanwalt Klaus Tietze-Kattge geht laut Gutachten von einer Schuldunfähigkeit durch eine paranoide Schizophrenie aus und fordert eine Unterbringung des Mannes in einer Psychiatrie.

K. wird vorgeworfen, am 14. August 2015 gegen 5.45 Uhr den Eingang seiner Zelle mit einem Bettgestell und Möbeln verbarrikadiert und anschließend eine Matratze, Bücher und Papier angezündet zu haben. Da in den Zellen das Rauchen erlaubt ist, besaß K. legal ein Feuerzeug. Übereinstimmend berichten drei Krankenpflegekräfte der JVA, dass die Zellentür durch die Hitze sich verzogen habe und eine starke Rauchentwicklung auf der Station herrschte, so dass die übrigen Insassen evakuiert werden mussten. Die Pfleger erlitten leichte Rauchgasvergiftungen.

Bei der Brandbekämpfung durch die drei Zeugen habe sich die Barrikade als erhebliches Hindernis erwiesen. K. selbst habe in der Nasszelle am Boden gelegen, über den Kopf habe er sich eine Plastiktüte gezogen. Beim Versuch, ihn aus der Zelle zu bergen, habe K. die Retter beschimpft und sich gewehrt, so dass er anschließend in eine Sicherheitszelle gebracht wurde.

Fehlende Kompetenz unterstellt

Dort, so erzählt es der Beschuldigte selbst, sei er wegen der ihm wiederfahrenen Behandlung wütend geworden und habe mit einer Papierhose und -decke in der Sicherheitszelle die Toilette verstopft und sie zum Überlaufen gebracht. „Ich bin ja vom Fach und weiß, wie das geht“, sagt der gelernte Gas- und Wasserinstallateur. Ein Polizist, der ihn wegen des Brandes vernehmen wollte, sagt aus, er habe K. in der Zelle in einem „nicht ansprechbaren Zustand“ vorgefunden, K. habe nur vor sich hingeredet.

Vor Gericht gibt sich K. mal trotzig, mal aggressiv: Immer wieder fällt er dem Vorsitzenden Richter Daniel Kästing oder Zeugen ins Wort und erzählt ausschweifend seine Sicht der Dinge. Er solle in einer Psychiatrie mit Medikamenten „ruhiggestellt“ werden, das Urteil dazu stehe schon längst fest, sagt K.

Mal überzieht er Bedienstete anderer Gefängnisse und Gutachter mit Schimpfworten, dann reagiert er aufbrausend auf den hinter ihm sitzenden Sachverständigen: Mehrfach wendet er sich diesem zu und unterstellt ihm fehlende Kompetenz oder wirft ihm vor, ihn bei einer Befragung zusammenschlagen gelassen zu haben. In einem vom Richter vorgelesenen Brief K.s an einen Mitgefangenen bezeichnet er sich als „deutschen Panzer“ und rühmt sich, einem Gutachter eine „pädagogische Gesichtsmassage“ zukommen gelassen zu haben.

Daran, seine Zelle angezündet zu haben, könne er sich nicht mehr erinnern, sagt K., er leide unter Gedächtnislücken. Zudem habe er kurz zuvor Alkohol getrunken, den er selbst aus Glasreiniger in seiner Zelle destilliert habe. Geschlafen habe er in seiner Zelle nur in einem „Bannkreis“, an eine Wand habe er die Zahl 666 geschrieben, da das hessische Justizsystem „ein satanisches System“ sei.

Die Verhandlung wird am Mittwoch mit dem Bericht des Gutachters fortgesetzt.

Auch interessant

Kommentare