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Sicher verzurrt: Die 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe.

Einsatz

Bombe auf dem Messplatz in Darmstadt routiniert entschärft

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Zwei Wohnquartiere mit 9000 Menschen im Norden der Darmstädter Innenstadt mussten am Freitag geräumt werden. Die Entschärfung einer Fliegerbombe verzögerte sich.

Für die Experten vom Kampfmittelräumdienst war es letztlich „ein Routinefall“. Doch Thomas Rech, der zuständige Dezernatsleiter beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt war am Freitagnachmittag dennoch sehr erleichtert, als die rund 500 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe mit Gurten festgezurrt auf der Ladefläche eines Lastwagens zum Abtransport bereit lag. In der Regel bergen die Experten vom Kampfmittelräumdienst laut Rech meist kleinere Bomben, die nur etwa 50 Kilogramm wiegen.

Die amerikanische Fliegerbombe war am Dienstag bei Sondierungsarbeiten für den geplanten Bau eines Wohnquartiers auf dem Messplatz gefunden worden. Der Blindgänger lag nur einen Meter unter der Erde und hatte zwei mechanische Zünder. Er wurde von einem Team um Jürgen Lorang nach etwa eineinhalb Stunden entschärft. Dabei entstand ein Loch von etwa zweieinhalb Meter Tiefe.

Anregende Gespräche ergaben sich im Ausweichquartier im Kongresszentrum.

Um den Fundort der Bombe, in der sich laut Rech zwischen 170 und 200 Kilogramm Sprengstoff befand, war am Freitagmorgen eine 750 Meter weit reichende Sperrzone eingerichtet worden. 9000 Menschen im Bürgerparkviertel und einem Teil des Martinsviertels mussten ihre Häuser verlassen. Die meisten von ihnen gingen entweder zur Arbeit oder in die Schule, bummelten durch die Stadt, hielten sich in einem Café auf oder kamen bei Verwandten und Freunden unter. Wer nicht wusste, wo er sich aufhalten sollte, für den hatte die Stadt im Kongresszentrum „Darmstadtium“ und in einer Sporthalle an der Kasinostraße zwei Ausweichquartiere eingerichtet. Dort kümmerten sich Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes um die Menschen.

Im „Darmstadtium“ waren es nach Angaben von Daniel Klose, dem stellvertretenden Sprecher der Stadt, 70 Menschen, in der Sporthalle etwa 30. Sie lasen dort Bücher oder Zeitung, arbeiteten an ihren Laptops und konnten sich auch mit Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) oder Bürgermeister Rafael Reißer (CDU)unterhalten.

Planvoll im Einsatz: Polizeisprecherin Christiane Hansmann.

Die Entschärfung der Bombe verzögerte sich um etwa zwei Stunden, weil sich noch Menschen im Sperrgebiet befanden. Wie Polizeisprecherin Christiane Hansmann sagte, waren es aber keine renitenten Anwohner, die die Polizei auf Trab hielten. Zuletzt hatte die Besatzung eines Polizeihubschraubers mit einer Wärmebildkamera eine Seniorin erspäht, die sich noch in dem Evakuierungsgebiet aufhielt. Die Frau hatte von der Bombe und der Räumung des Stadtviertels nichts mitbekommen.

Die Evakuierung der Sperrzone hatte am Morgen begonnen. Zunächst waren Straßen gesperrt sowie der regionale Zug- und lokale Straßenbahnverkehr im Norden der Innenstadt vorübergehend eingestellt worden. Betroffen waren auch acht Schulen und elf Kindertagesstätten, die nicht öffneten, sowie die Darmstädter Werkstätten und eine Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen.

Ein Polizist weist an einer Absperrung am Riegerplatz im Martinsviertel einem Anwohner den Weg.

Zunächst verlief die Evakuierung planmäßig. Menschen packten ihre Sachen und verließen, wie angeordnet, bis gegen 8 Uhr ihre Wohnungen. Polizisten fuhren durch die Straßen und riefen mit Lautsprechern dazu auf, die Wohnungen zu verlassen. Zudem klingelten Polizeibeamte an allen Haustüren, um sich zu überzeugen, dass sich niemand mehr in den Gebäuden aufhält.

Die Entschärfung der Bombe sollte eigentlich um 11 Uhr beginnen, verzögerte sich dann aber bis 13 Uhr. Gegen 14.30 Uhr verkündete dann RP-Sprecher Christoph Süß im Kongresszentrum, die Bombe sei „erfolgreich entschärft“ worden. Kurz darauf wurden die Straßensperren aufgehoben und die Anwohner konnten sich auf den Weg machen, um wieder in ihre Wohnungen zurückzukehren.

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