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„Bölle“-Umbau wird deutlich teurer

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Von: Jens Joachim

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Die Visualisierung zeigt, wie das Stadion am Böllenfalltor nach dem Umbau aussehen soll.
Die Visualisierung zeigt, wie das Stadion am Böllenfalltor nach dem Umbau aussehen soll. © Jan Huebner

Die Stadt Darmstadt will mit 21 Millionen Euro mehr als die Hälfte der Kosten für die Modernisierung des Fußballstadions tragen, in dem die Lilien spielen, und auch noch eine weitere Bürgschaft übernehmen.

Der geplante Umbau des Fußballstadions am Böllenfalltor wird sehr viel teurer als zunächst berechnet. Das Vorhaben wird sich laut einer Vorlage des Darmstädter Magistrats um mehr als 40 Prozent von 28,5 auf rund 40,5 Millionen Euro verteuern. Die voraussichtlichen Mehrkosten wollen sich Stadt und Verein teilen. Der Magistrat hat bereits beschlossen, den Investitionszuschuss an die vom Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98 gegründete SV 98 Stadion GmbH um sechs Millionen Euro zu erhöhen und das Geld im Haushalt 2019 bereitzustellen. Der städtische Zuschuss würde sich somit auf 21 Millionen Euro erhöhen.

Das Land will weitere dreieinhalb Millionen Euro zur Verfügung stellen. Zudem soll die Stadt laut dem Magistratsbeschluss eine weitere Rückbürgschaft in Höhe von maximal 3,5 Millionen Euro gegenüber dem Land übernehmen. Das Land könnte das Geld von der Stadt fordern, wenn eine Bürgschaft gegenüber der Stadiongesellschaft von bis zu sieben Millionen Euro fällig würde.

Noch Ende März war das als Generalplaner beauftragte Architekturbüro 1100 Architekten von 28,2 Millionen Euro Gesamtkosten ausgegangen. Für den ersten Bauabschnitt mit dem Umbau der Gegengeraden inklusive der Umfeldarbeiten wurden rund zwölf Millionen Euro zuzüglich Entsorgungskosten ermittelt. Die Kostenermittlung wurde wegen der öffentlichen Förderung des Projekts durch das Land vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen geprüft. Dieser kam laut Magistratsvorlage zu dem Ergebnis, „dass die Gesamtbaukosten aus baufachlicher Sicht angemessen sind und hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit des Vorhabens keine Bedenken bestehen“. Von einer fehlerhaften Kostenermittlung ging der Landesbetrieb nicht aus.

Inzwischen ist jedoch klar, dass für den ersten Bauabschnitt mit dem Abriss der Gegengeraden und dem Bau einer neuen Tribüne mit Stehplätzen im unteren und Sitzplätzen im oberen Bereich deutlich mehr als die bisher kalkulierten zwölf Millionen Euro ausgegeben werden müssen. Derzeit rechnen Stadt und Verein mit 19,3 Millionen Euro. Die Kosten für den Bau der Haupttribüne werden sich nach einer aktualisierten Kostenermittlung aufgrund der derzeitigen konjunkturellen Lage in der Baubranche auf rund 21,2 Millionen Euro erhöhen.

Nach den Worten von Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) und Stadtkämmerer André Schellenberg (CDU) wäre die alleinige Finanzierung der Mehrkosten von der Stadiongesellschaft und deren Gesellschafter, dem SV 98, „nicht in vollem Umfang darstellbar, ohne die Stadiongesellschaft und den Verein substanziell wirtschaftlich zu gefährden“. Wenn auf den Umbau verzichtet würde, drohe dem Sportverein die Untersagung des Spielbetriebs in dem maroden Stadion, das nicht den Anforderungen der Deutschen Fußball-Liga entspricht.

Ein weiterer Investitionskostenzuschuss für den Umbau des „Bölle“ ist laut Partsch und Schellenberg „unabhängig von weiteren nicht absehbaren Kostensteigerungen nicht vorgesehen und im Rahmen der beihilferechtlichen Vorgaben für die investive Förderung von Sportinfrastrukturmaßnahmen auch nicht möglich“.

SV-98-Geschäftsführer Michael Weilguny bestätigte, dass sich im Rahmen des Vergabeverfahrens zur Beauftragung des ersten Bauabschnitts zunächst acht Unternehmen gemeldet hätten, letztlich aber nur ein Unternehmen ein konkretes Angebot abgegeben habe. In den vergangenen Wochen habe man dann mit dem Unternehmen, das nun als Generalunternehmer für das Gesamtprojekt fungieren soll, Verhandlungen geführt. „Eine letzte Einigung steht aber noch aus“, sagte Weilguny, der damit rechnet, dass der Vertrag mit dem deutschen Unternehmen im Oktober unterzeichnet wird.

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