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Die Aktion soll den Bäumen zugute kommen.

Darmstadt Wälder

Bodenpflege aus der Luft

Das Darmstädter Forstamt kalkt derzeit Wälder am Kalkofen und Böllenfalltor per Helikopter. Damit soll die Speicherfähigkeit der Böden für Nährstoffe erhöht werden. Insgesamt sollen etwa 600 Hektar Staatswald gekalkt werden.

Zehn Sekunden dauert es, dann ist der Eimer, der an einem etwa 20 Meter langen Seil am Hubschrauber befestigt ist, wieder mit Kalk gefüllt. In diesen zehn Sekunden schwebt der Hubschrauber über der Kalkofenschneise, dann schwenkt er in einem Bogen Richtung Dianaburg, fliegt Richtung Messel weiter und verteilt dort knapp eine Tonne Kalk.

Nach etwa zwei Minuten ist Pilot Felix Lemke mit seinem leeren Eimer wieder zurück. Peter Eichhorn, der am Steuer eines Schaufelbaggers sitzt, hat derweil schon die nächste Ladung des Magnesiumkalks aufgeladen, kippt ihn erneut in den Container und Lemke rauscht mit seinem Hubschrauber wieder ab.

Seit Tagesanbruch sind Lemke und Eichhorn gestern früh im Auftrag des Forstamts Darmstadt dabei, einen Teil des Waldes zwischen dem Arheilger Kalkofen und Messel zu kalken. „Damit wollen wir der Versauerung der Böden entgegenwirken“, sagt Ingbert Wolf, der die Maßnahme beim Forstamt koordiniert.

Die Bodenschutzkalkungen werden etwa alle zehn Jahre wiederholt. Seit ein paar Tagen ist ein Teil des Arheilger Waldes an der Reihe, ab Mitte der Woche folgt ein Bereich zwischen Böllenfalltor, Eberstadt und Trautheim, dann geht es weiter zu einem Gelände zwischen Kuralpe und Seeheim-Jugenheim.

Pro Hektar drei Tonnen Kalk

Ziel der Maßnahme ist es, die Speicherfähigkeit der Böden für Nährstoffe zu erhöhen, erklärt der Leiter des Forstamts, Hartmut Müller. Schadstoffe wie Schwermetall-Ionen, die durch eine Versauerung der Waldböden ins Grundwasser ausgewaschen würden, werden durch den Kalk im Boden gebunden. „Dadurch verbessert sich das Wachstum der jungen Bäume, die älteren werden vitalisiert und die Bodenvegetation wird gefördert“, erklärt Müller. Auch die Durchwurzelung des Bodens werde durch die Kompensationskalkung intensiviert.

Gekalkt werden die vom Forst sorgfältig ausgesuchten Waldflächen, deren Böden schwächer mit Nährstoffen versorgt sind als andere. Insgesamt, so Wolf, werden in den drei Blöcken – Nord (Arheilgen, Messel), Süd (Seeheim, Kuralpe) und Mitte (Böllenfalltor, Eberstadt) – etwa 600 Hektar Staatswald gekalkt.

Zunächst waren rund zwei Wochen für die Aktion eingeplant, „doch das Wetter hat uns einen Strich durch die Planung gemacht“, sagt Forstwirtschaftsmeister Ingbert Wolf. Nebel, Nieselregen und Wind hatten die Pläne durchkreuzt. „Die Bedingungen müssen schon stimmen“, sagt auch Pilot Felix Lemke. Schließlich muss er mit großer Präzision Bahn für Bahn im Wald abfliegen, den Kalkeimer an einem 20 Meter langen Seil hängend.

50 bis 60 Meter über dem Boden

„Das erfordert höchste Konzentration“, sagt Lemke, der einmal pro Stunde auf der Wiese vis-à-vis des Ausflugslokals Kalkofen landet, wo Peter Eichhorn schon bereitsteht, um den Hubschrauber zu betanken.

Auf einem Bildschirm im Hubschrauber zeigt eine Karte dem Piloten an, welche Stücke er kalken muss, welche er bereits gekalkt hat und wo etwa Wiesen oder Gewässer sind, die er ausspart. Die durchschnittliche Baumhöhe beträgt 25 bis 30 Meter, das heißt, Lemke fliegt den Hubschrauber in etwa 50 bis 60 Meter über dem Boden.

Pro Hektar Wald bringt er drei Tonnen Magnesiumkalk aus und verteilt sie über dem Kronenraum. Das Material, so Wolf, wird aus Natursteinbrüchen gewonnen und regelmäßig auf die Qualität, das heißt die Magnesium- und Kalziumanteile hin, überprüft. Der Kalk sei unschädlich für Mensch, Tier und Pflanzen.

Dennoch müssen die Waldbereiche, in denen gekalkt wird, kurzfristig abgesperrt werden. Zwar kommt es nicht zu Störungen wegen Staubentwicklung, doch aus Schutz vor Ästen, die wegen der Hubschrauberverwirbelung herabfallen können, müssen Waldbesucher die Stellen ein paar Tage meiden. an

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