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Bei Fahrer Nando Hafizi  muss Anna Courtpozanis keine Überzeugungsarbeit leisten.
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Bei Fahrer Nando Hafizi muss Anna Courtpozanis keine Überzeugungsarbeit leisten.

Diskriminierung

Blindenhund darf nicht mit ins Taxi

Sehbehinderte mit Hund haben bei vielen Taxifahrern schlechte Karten, dabei ist die Beförderung Pflicht.

Es war spät, die beiden sehbehinderten Frauen wollten einfach nur nach Hause. Gegen 23.30 Uhr mit dem Zug am Hauptbahnhof angekommen, gingen Anna Courtpozanis und Andrea Söder zum Taxistand. Doch mit Blindenführhund Jack im Schlepptau blieben viele Autotüren geschlossen.

Für Courtpozanis ist das kein Ausnahmefall. „Ich habe solche Erfahrungen häufiger gemacht“, sagt die Leiterin des Blindenhilfswerks Hessen. Auch andere Betroffene aus dem Kreis ihrer 220 Mitglieder hätten solche Erlebnisse geschildert.

Tiere sitzen im Fußraum

Warum lehnen Taxifahrer die Beförderung ab? „Es hat vermutlich verschiedene Gründe“, sagt Courtpozanis. Manche wollten keine Hundehaare in ihrem Auto haben. Zudem hätten viele Taxifahrer einen muslimischen Hintergrund und lehnten Hunde grundsätzlich ab, weil sie in ihrer Religion als unrein gelten.

„Das ist ein weit verbreitetes Problem“, weiß auch Michael Müller vom Club Behinderter und ihrer Freunde (CBF). Seiner Ansicht nach hat dieser Umstand viel mit Missverständnissen zu tun. Und die will er – auch in seiner Funktion als städtischer Behindertenbeauftragter für Mobilität – ausräumen. Mit einem Informationsblatt in der Hand und in Begleitung von Anna Courtpozanis hat Müller dieser Tage dem Taxistand vor dem Hauptbahnhof einen Besuch abgestattet.

„Grundsätzlich wollen wir darauf hinweisen, dass solches Verhalten nicht zu tolerieren ist und gegen das Personenbeförderungsgesetz verstößt“, heißt es in dem Blatt. In der Selbstverpflichtung der örtlichen Taxiunternehmen stehe sogar: „Blinden- und Servicehunde müssen befördert werden.“ Andernfalls drohen Geldbußen.

Vorbehalte gegen die Hunde sind aus Müllers Sicht „völlig unbegründet“. Taxifahrer müssten nicht die Verschmutzung ihrer Sitze fürchten, weil Blindenhunde darauf abgerichtet sind, im Fußraum Platz zu nehmen. Auch religiöse Gründe entbehrten jeder Substanz: Nach Auskunft des Imams der Emirsultan-Moschee in Darmstadt gelten Hunde zwar tatsächlich als unrein, doch seien Arbeitshunde davon ausgenommen. Im Falle von Taxiunternehmer Pektas, der vor dem Hauptbahnhof steht, müssen Müller und Courtpozanis auch tatsächlich keine Überzeugungsarbeit leisten. Es sei selbstverständlich, Blinde mit Hunden mitzunehmen, sagt er.

Auch bei Ferry Kimiaghalam vom Vorstand der „Taxi Funk Darmstadt“ stoßen die Behindertenlobbyisten auf offene Ohren. „Unsere Fahrer sind verpflichtet, Blindenhunde mitzunehmen“, sagt er. „Und der größte Teil macht das auch.“

Dass Anna Courtpozanis das anders zu spüren bekommen hat, kann Kimiaghalam nur bedauern. Um den Verstoß des Fahrers zu ahnden, bräuchte er die Taxi-Nummer. Weil Sehbehinderte diese schlecht lesen können, rät er, umgehend die Nummer der Zentrale zu wählen. Dann sei der Fahrer vielleicht noch feststellbar.

Darüber hinaus empfiehlt er Blinden, nach Möglichkeit eine halbe Stunde vor der Taxifahrt die Servicenummer anzurufen und auf eine Fahrt mit Blindenhund hinzuweisen. Dann würden gezielt geeignete Taxis vorbeigeschickt. „Und der Fahrer kommt dann auch ans Gleis oder den Eingang und begleitet den Kunden zum Taxi.“ ( aw)

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