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Ein bisschen Ulk gehört dazu

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Fest für die Massen: der Kerbumzug 1987 in der Liebfrauenstraße.
Fest für die Massen: der Kerbumzug 1987 in der Liebfrauenstraße. © Archiv Bezirksverein Martinsviertel

Vom 11. bis 13. September feiert das Martinsviertel seine 60. Kerb nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zu den Anekdoten, die die Historie der Martinskerb mit dem watzevierteltypischen ulkenden Leben füllen, gehört zweifelsohne die mit der Pyroshow. Weil ein furioses „Brillanthöhenfeuerwerk“, wie es etwa zum runden Geburtstag 1990 abgeschossen wurde, finanziell meist nicht leistbar war, ließ der Bezirksverein Martinsviertel 2002 seine Kreativität spielen – allen voran Kerbevater Hans-Peter Peter, genannt Pezi. Wer der Einladung zum „Brillantfeuerwerk“ am Kerbemontag folgte, blickte unverhofft auf wenig Spektakuläres – brennende Wunderkerzen. Immerhin: Sie sollen besonders lang gewesen sein. „Das war das Feuerwerk, von dem die Leute noch heute schwätze“, sagt der Kerbevater kichernd.

„Wir haben immer gerne Mist gemacht“, stellt Pezi im Rückblick auf die Kerb fest, die dieses Jahr zum 60. Mal nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert wird. Einmal hätten sie den Bessungern, zu denen man seit jeher eine liebevolle Stadtteilfeindschaft pflegt, anlässlich ihrer Lappingskerb ein paar Lappinge (sprich: Hasen) geschenkt. Später seien sie zu Braten verarbeitet worden. Und die Martinsviertler bekamen im Gegenzug einen lebenden Watz (sprich: Schwein) aufgedrückt. Dessen Karriere endete ebenfalls beim Schlachter.

Die Kerb aber hat bis heute überlebt. Davon künden auch jede Menge Bilder aus dem Bestand des Bezirksvereins, der sich 1952 im Zuge der Wiederbelebung der Kerb gegründet hat: Da kutschiert beispielsweise der Kerbeausschuss mit dem Martinskerb-Vater und Viertel-Original Georg Hahn (Hahne Schorsch) an der Spitze 1951 an den kriegszerstörten Häusern der Lauteschlägerstraße entlang. An die erste Kerb kann sich Pezi nicht erinnern. Aber wie er als älterer Bub das Kirchweihfest erlebte, das ist ihm noch präsent.

Einige Jahrzehnte später hat ihn die Kerb noch immer nicht losgelassen. Seit 1981 gibt er den Kerbevater und ist damit „mit Abstand der älteste Darmstadts“, wie Armin Schwarm, sein Mitstreiter im Bezirksverein-Vorstand, feststellt. Es ist längst zum Running Gag geworden, dass partout kein Nachfolger in Sicht ist.

Immer neue Ideen

„Wir haben als Martinsviertler ’ne ganz besondere Kerb“, befindet Peter Schmidt vom Vereinsvorstand und meint damit auch die Rolle Pezis. Der nämlich hält grundsätzlich keine Kerbrede und verhilft dem Watzeviertelfest somit zum Alleinstellungsmerkmal in der städtischen Kerbeszene.

Doch nicht nur die Konstante, auch der Wandel gehört zur Kerbegeschichte dazu. Zu den jüngsten Neuzugängen gehört das Bouleturnier im Herrngarten. Einen Belebungsschub hat das Traditionsfest auch durch die seit 2000 am Kerbesamstag parallel tobende Watzemussiggnacht mit Live-Musik in den Kneipen des Viertels erfahren.

Die 60. Martinskerb nach dem Krieg – was wünschen die Väter da dem nicht mehr ganz jungen Geburtstagskind? Schmidt: „Dass die Urbanität erhalten bleibt und die Leute dadurch das Viertel und die Kerb annehmen.“ Schwarm: „Der Pezi wünscht sich, dass er einen Nachfolger findet.“ Pezi: „Sonst bestimm’ ich einen.“ Scherz beiseite, Kerbevater-Geburtstagswunsch: „Gutes Wetter!“ Übrigens: Ein Feuerwerk wird es wieder geben. Diesmal ein richtiges. ( aw)

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