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Knatternd über den Campus: Der umgebaute Bierkasten war nur eines von mehreren ungewöhnlichen Fortbewegungsmitteln.  

Maker Faire

Bierkasten mit Verbrennungsmotor in Darmstadt

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Großes Besucherinteresse herrschte bei der Tüftler- und Erfindermesse am Samstag in der Hochschule Darmstadt.

Ein motorisierter Bierkasten oder ein von Studenten gebauter Rennbolide? Beides gab es am Samstag bei der Erfinder- und Technikmesse Maker Faire – vormals MAKE Darmstadt – auf dem Campus der Hochschule Darmstadt zu bestaunen. Während der PS-starke Bierkasten oder das umgebaute Bobbycar in Aktion zu erleben waren, blieb der Rennwagen des TU Racing Teams freilich stehen.

„Der ist komplett selbst gebaut, einige stecken gut 30 Stunden an Arbeit pro Woche da rein“, sagt Kevin Fröhlich, Wirtschaftsingenieursstudent. „Der Wagen ist auf Beschleunigung ausgelegt“, sagt Maschinenbaustudent Cornelius Mosch, erst kürzlich waren Kommilitonen damit auf der Rennstrecke in Hockenheim unterwegs. „Wir fahren auch noch damit, aber das heben wir uns als Belohnung für das Saisonende auf“, sagt Fröhlich.

Mehrere hundert Besucher nutzen am Samstag die Gelegenheit, die Erfindungen zu bestaunen oder sich über Neuheiten für Tüftler zu informieren. Etwa clevere Haushaltshelfer und Werkzeuge aus dem 3D-Drucker, die Ulrich Bär vom Verein Hackerspace Frankfurt vorstelle. „Wir sind ein Verein von und für technisch Kreative“, sagt Bär.

Wie kreativ der Verein ist, wird an einem besonderen Exponat deutlich, dem Nachbau eines Experiments, das sich derzeit noch auf der Internationalen Raumstation ISS befindet. „Exciss“ nennt sich das etwa zehn mal 15 Zentimeter große Kästchen, mit dem im All Experimente durchgeführt wurden. „Damit soll erforscht werden, wie vor über viereinhalb Milliarden Jahren die Planeten entstanden sind“, sagt Tamara Koch, Doktorandin an der Frankfurter Goethe-Universität.

Das Studentenprojekt Open Adaptronic zeigte etwa schwingungsfreie Astronomieteleskope.  

Verein und Universität haben das Experiment gemeinsam entwickelt, Astronaut Alexander Gerst hat es im All genutzt. „Wir können damit sehen, wie Staubpartikel in der Schwerelosigkeit auf Blitze reagieren“, sagt Koch. Denn laut Theorie haben sich die Staubpartikel einst durch Blitze zu größeren Partikeln verschmolzen, bis irgendwann die Planeten entstanden. Wenn „Exciss“ im April von der ISS zurückkommt, werde das Experiment genau ausgewertet, sagt David Merges von Hackerspace Frankfurt.

Um Kinder für physikalische und chemische Vorgänge zu begeistern, zeigt der Verein Lab3 verschiedene Experimente: Kimberly Klaus überzieht Centstücke mit Zink, um diese dann unter Hitze goldfarben zu verändern. Dass ein Kastanienzweig in Wasser unter Schwarzlicht bläulich leuchtet, führt Christian Hein vor. Groß sei auch das Interesse an Flugstunden für Multikopter, umgangssprachlich Drohnen genannt. „Wir wollen einen Beitrag zum verantwortungsvollen Fliegen leisten“, sagt Matthias Maat.

Wie etwas Wlan und ein paar Sensoren Imkern helfen sollen, etwas über den Gesundheitszustand ihrer Bienenvölker zu erfahren, stellt das Projekt „Iot4bees“ vor: Mit Waage und Sensoren werden Gewicht, Temperatur, Feuchtigkeit und Luftdruck gemessen und an die Smartphones der Bienenzüchter gesendet.

„Im April beginnt ein einjähriger Feldtest bei drei Imkervereinen“, sagt Reiner Wieland von dem südhessischen Projekt. Das große Ziel: in die Serienfertigung zu gehen. Ein beim Tüftlerkreis Makerspace engagierter Imker hatte den Anstoß dazu gegeben, dank eines BASF-Innovationspreises konnten die Prototypen gebaut werden. „Wir hoffen, die Imker mit unserer Erfindung unterstützen zu können“, sagt Weiland.

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