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Bewegung im ICE-Streit

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Die Nordanbindung Darmstadts über den Flughafenbahnhof zeichnet sich als Kompromiss ab. Doch ob dafür in den nächsten Jahren überhaupt noch Geld zur Verfügung steht vermag derzeit niemand zu sagen.

Bei einer gemeinsamen Sitzung des Verkehrs- und Umweltausschusses zum ICE-Anschluss wurden am Dienstag zwar keine Beschlüsse gefasst, doch zeichnete sich ein Kurswechsel der Darmstädter Stadtverordneten ab: weg von der mehrheitlich geforderten Vollanbindung des Hauptbahnhofs, hin zu einer direkten Schienenanbindung an den Frankfurter Flughafenbahnhof.

Ein Bypass spielte ebenso wenig eine Rolle wie ein Außenbahnhof im Westen der Stadt. Selbst dessen zeitweiliger Hauptverfechter, Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD), machte sich nicht mehr für diese Lösung stark.

Finanzfragen beherrschten die Diskussion im Justus-Liebig-Haus, zu der auch Vertreter von Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) erschienen waren. Ob der Bund überhaupt noch Mittel zum Bau der ICE-Neubaustrecke habe, wollte die Ausschussvorsitzende Brigitte Lindscheid (Grüne) wissen. Antwort von Joachim Nied von der DB Netz AG: Das wüsste man selbst gern. Der Bund überprüfe derzeit große Streckenprojekte wegen des Sparzwangs. Ergebnisse seien im Herbst zu erwarten. Die Planungen liefen jedoch weiter.Überzeugt von einem Bau der Trasse zeigte sich RMV-Geschäftsführer Klaus-Peter Güttler. Für Darmstadt seien damit große Chancen verbunden. Die Stadt müsse allerdings endlich ihre Position klären. Aus seiner Sicht sei eine Nordanbindung an den ICE-Flughafenbahnhof die beste Lösung für Darmstadt. Ein Flughafen-Shuttle auf Schienen „wäre ein leistungsfähiges Fernverkehrs-Angebot.“

Und die Kosten? Güttler zitierte aus einer Studie des Verkehrsberatungs-Unternehmens Intraplan: Demnach lägen die jährlichen Betriebskosten für einen Airport-Shuttle bei 3,9 Millionen Euro. Davon übernehme der RMV die Hälfte, die andere Hälfte müssten sich die angeschlossenen Kommunen teilen.

Erst einmal müsste jedoch gebaut werden. Hier verwies der Oberbürgermeister die Stadtverordneten auf ein Schreiben des Vorstandsvorsitzenden der DB Netz AG, Oliver Kraft, vom 31. Mai. Die Kosten einer zweigleisigen Nordanbindung werden von Kraft mit 26,3 Millionen Euro angegeben. Üblicherweise teilten sich Bund und Land die Kosten für solche Baumaßnahmen, wobei das Land von der betroffenen Kommune einen Anteil fordere. Dafür habe die Stadt kein Geld. Hoffmann zitierte aber weiter aus dem Schreiben Krafts, der für diesen Fall eine volle Kostenübernahme in Aussicht stellte.

Noch einen Schritt weiter dachten Georg Hang (Alternative Darmstadt) und Verkehrsdezernent Dieter Wenzel (SPD): Man solle mit der Bahn über einen Verzicht auf einen Außenbahnhof verhandeln, wenn diese sich dafür an den Betriebskosten auf der Nordanbindung beteilige.

Eine ICE-Anbindung Darmstadts allein über eine Nordanbindung entspricht in etwa den Forderungen, die von kleineren Parteien wie Uffbasse, Uwiga und Linkspartei seit längerer Zeit erhoben werden. ( bad)

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