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Beute sucht Eigentümer

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Mancher findet zwischen Uhren und Schmuck seinen Besitz.
Mancher findet zwischen Uhren und Schmuck seinen Besitz. © Grösser

Im Darmstädter Polizeipräsidium wird Diebesgut ausgestellt. Es stammt aus einer Einbruchsserie im westlichen und südlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg, an der Bergstraße und in Rheinland-Pfalz.

Hunderte von Plastikbeutelchen mit Uhren, Ketten, Armbändern, Broschen oder Ohrringen liegen auf langen Tischen, dazwischen eine Kamera, ein Handy und ein rosa Gameboy. Es sieht aus wie ein Flohmarkt, ist aber keiner. In jedem Beutelchen verbirgt sich ein Schicksal, jedes Beutelchen steht für ein Opfer.

Denn das, was Kriminaloberkommissar Torsten Bergdolt und seine Kollegen am Montag im Polizeipräsidium ausgebreitet haben, ist Beute aus einer Einbruchsserie im westlichen und südlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg, an der Bergstraße und in Rheinland-Pfalz. Der Bande werden an der Bergstraße 32 und in Darmstadt-Dieburg 44 Taten zugeschrieben, 17 können aufgrund von Spuren sicher zugeordnet werden.

Katalogisierung dauert Wochen

Am 16. Juni wurden in Frankfurt zeitgleich sieben Wohnungen durchsucht, drei Männer, die als Haupttäter gelten, sitzen in Haft. Sieben weitere Personen gelten als Mitläufer. Wochenlang waren Bergdolt und seine Kollegen damit beschäftigt, die sichergestellten Wertsachen zu katalogisieren, und soweit bereits möglich, den 76 Einbrüchen zuzuordnen.

Beim Flachbildfernseher, der an der Stirnseite des Raumes steht, hat das geklappt. Er kann seinem Eigentümer zurückgegeben werden, obwohl die Seriennummer herausgekratzt worden war. Bei dem Schmuck ist es schwieriger. „Ring“ oder „Kette“ als Beschreibung in der Liste der gestohlenen Gegenstände reicht nicht aus.

Eine Frau um die 40 aus dem Kreis Bergstraße ist am Montag die erste. 2009 war bei ihnen eingebrochen worden, erzählt sie, Uhren, Schmuck und Kleidung im Wert von 15?000 bis 20?000 Euro haben die Einbrecher gestohlen, nie hätte sie erwartet, ihr Eigentum wiederzusehen. Doch sie hatte Glück: „Die sind am selben Tag in eine Polizeikontrolle gefahren“, sagt sie. „Das meiste haben wir wiedergekriegt.“ Das, was noch fehlte, hoffte sie bei der Ausstellung wiederzufinden. Leider vergeblich.

Aus Münster bei Dieburg stammt ein weiteres Einbruchsopfer, das seinen Schmuck vermisst. Zwar wurden im Ostkreis keine Taten dieser Bande registriert, aber sie möchte trotzdem „einfach mal drüberschauen“. Tatsächlich wird sie fündig, entdeckt einen von zwei zusammenzutragenden Silberringen mit einem geschliffenen Glasstein – er passt.

Allerdings ist der Ring von Tchibo und damit beileibe kein Einzelstück. Bergdolt notiert das Aktenzeichen der Frau und steckt den Ring erst einmal in die Hosentasche. In solchen Fällen entscheidet der Staatsanwalt.

Wenn Beute ihren Eigentümer nicht wiederfindet, könne es auch sein, dass die Tatverdächtigen sie zurückerhalten. Schließlich hatten sie alle behauptet, Schmuck und Geräte gehörten ihnen. Was von Wert ist, könne allerdings auch als Vermögensabschöpfung einbehalten werden und an die Opfer als Entschädigung zurückfließen, sagt Bergdolt.

So schwierig es ist, die Uhren und Schmuckstücke wieder an ihre rechtmäßigen Eigentümer zu bringen, so vergleichsweise leicht haben die Täter es der Polizei gemacht, ihre Spuren zu sichern. „DNA, Fingerabdrücke, Fußspuren, Funkzellendaten, Telefongespräche“, zählt Oberkommissar Bergdolt auf.

Um kurz vor zwölf ist der erste Ansturm vorbei. Und eine Stunde später gibt es tatsächlich den ersten Treffer: eine Kinderhalskette, gestohlen bei einem Einbruch in Alsbach im September. „Auch wenn der Schmuck keinen großen materiellen Wert hat, so hat er doch für viele ideellen Wert“, sagt einer von Bergdolts Kollegen. ( rwb)

Die Beute aus der Einbruchsserie kann noch bis Freitag, 15. Juli, von 11 bis 15 Uhr im Polizeipräsidium in Darmstadt, Klappacher Straße 145, besichtigt werden.

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