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Bettenhaus statt Klinik-Neubau

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Zurzeit entsteht in Groß-Umstadt das neue Ärztehaus, ein Bettenhaus soll folgen.
Zurzeit entsteht in Groß-Umstadt das neue Ärztehaus, ein Bettenhaus soll folgen. © Guido Schiek

Statt für 110 Millionen für einen kompletten Klinikneubau kommt nun zunächst nur ein Bettenhaus für 68 Millionen, davon 40 Millionen Landeszuschuss.

Manchmal hat’s auch sein Gutes, wenn die Dinge langsamer laufen. „Mit 110 Millionen Euro für einen kompletten Neubau aller Klinikteile hätten wir uns überhoben; das wäre nicht zu refinanzieren gewesen“, sagt Klinikleiter Christian Keller und seufzt dabei erleichtert. Seit weit mehr als einem Jahrzehnt hat der Kreis die Absicht, den Klinikstandort Groß-Umstadt moderner zu machen, zugleich auch effizienter zu konzipieren. In einem zwölfstöckigen Hochhaus – zwei Etagen davon unterirdisch – mit relativ kleinen Stationen ist Effizienz kaum zu erreichen. Da genügt schon der Blick auf tägliche Warteschlangen vor den überforderten Liften, um dies zu verstehen.

Dass ein Neubau sinnvoll ist, sieht auch das hessische Sozialministerium so, und gibt 40 Millionen Euro hinzu. Ein kleiner Kraftakt des Landrats und einige Gespräche in Wiesbaden waren allerdings dazu erforderlich, denn das Land Hessen wollte just zu dem Moment von der hohen Einzelförderung auf geringere jährliche Zuschüsse umstellen, als die Zusage des Landes für die Investition in Groß-Umstadt zwar mündlich, aber noch nicht schriftlich gegeben worden war.

Abgespeckter Kompromiss

Im Gerangel um die unverzichtbaren Landesmillionen gab’s dann den abgespeckten Kompromiss: Statt für 110 Millionen (dabei 70 Millionen vom Land) für einen kompletten Klinikneubau kommt nun zunächst nur ein Bettenhaus für 68 Millionen, davon 40 Millionen Landeszuschuss.

Errichtet wird der neue Trakt dort, wo jetzt noch die Klinikverwaltung und Teile der Kreisverwaltung untergebracht sind, während das Landratsamt Dieburg fertig saniert wird. Wenn auch das derzeit entstehende Ärztehaus auf dem Krankenhausgelände fertig ist, wird die Klinikverwaltung dort einziehen und der dann leer stehende Klinikteil kann noch im Jahr 2016 abgerissen werden, Platz machen fürs neue 240-Betten-Haus. Das wird kein Hochhaus mehr sein, sondern lang gestreckt auf wohl drei oder vier oberirdischen Stockwerken. „Etwa 80 Betten pro Stockwerk“, erläutert der Klinikleiter. So könne das medizinische Personal effizienter arbeiten.

Die Dimension des Vorhabens erfordert ein EU-weites Vergabeverfahren. „Wir haben jetzt Halbzeit“, schildert der Klinikleiter. „Um die zwanzig Architekturbüros nehmen teil, setzen unsere inhaltlichen Vorgaben in fertige Modelle um.“ Diese werden Ende April einem Preisgericht zur Entscheidung vorgestellt. Gut 40 Personen umfasst dieses Gremium: Da sitzen Kreispolitiker jeder Couleur, ein Dutzend Sachverständige aus ganz Deutschland, Experten aus der Kreisklinik und dem Landratsamt.

Modelle von 20 Architekten

Ist der Siegerentwurf gewählt, gehen auch bald die Ausschreibungen für die Fachplaner raus. Der Neubau des Bettenhauses, flankiert vom Rückbau des Hochhauses auf drei oder vier Obergeschosse, erfolgt in vier Abschnitten. Teile der jetzigen Klinik, wie die erst vor Kurzem neu gestaltete Geriatrie, bleiben noch für eine Weile am gewohnten Ort in Betrieb.

„Flexibilität hat bei allem Vorrang“, sagt der Klinikchef – und meint’s auch so. Denn der Gesundheitsmarkt entwickelt sich schnell weiter. Für eine moderne Klinik bedeutet dies, sich anpassen zu können an neue Erfordernisse, die heute noch kaum absehbar sind. Bestes Beispiel: Das vom Landrat in die jüngste Kreistagssitzung eingebrachte Konzept „Zukunft Gesundheit“. Darin wird erstmals das Ziel ins Auge gefasst, ambulante und stationäre medizinische Versorgung im Kreis mit der Pflege alter Menschen Hand in Hand zu entwickeln und so zu sichern. „Ja, auch hierauf können und müssen wir beim Umbau achten; dafür stehen uns dann beispielsweise die frei werdenden Stationen im alten Bettenhaus zur Verfügung“, sagt Christian Keller.

Die neue Kreisklinik auf dem Krankenhausbuckel über Groß-Umstadt wird also als Herzstück der medizinischen Versorgung im Kreis noch an Bedeutung gewinnen. (piz)

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