Darmstadt

Bessere Betreuung in den Jugendzentren

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Die Stadt Darmstadt stockt ihre Haushaltsmittel für die Kinder- und Jugendarbeit auf 3,9 Millionen Euro auf. Die Qualität der Angebote soll steigen.

Die Stadt Darmstadt baut ihre Kinder- und Jugendarbeit um und leistet dabei nach eigenen Angaben „Pionierarbeit in Hessen und bundesweit“. Ziel der Neustrukturierung sei es, „allen Kindern und Jugendlichen ein bedarfsgerechtes und qualitätsvolles Angebot zu machen“, sagte Kinder- und Jugenddezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) bei der Präsentation des Konzepts. 
Das kürzlich von der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung beschlossene Konzept sieht eine Aufstockung der Mittel im Haushalt um 350 000 auf 3,9 Millionen Euro vor. Wesentlicher Bestandteil der Neustrukturierung ist, dass künftig alle Träger Verträge mit einem Budget für ihre Mitarbeiter bekommen. Dazu kommen zusätzliche Mittel für Honorarkräfte oder einzelne Projekte. Auch ein fester Betreuungsschlüssel, der sich nicht nur nach der Zahl der Jugendlichen einer Einrichtung richtet, sondern auch nach sozialen Rahmenbedingungen, wurde festgelegt. Die kleinsten Einheiten haben danach mindestens anderthalb Stellen. 

Beispiel für eine solche Einrichtung ist das Jugendzentrum „Penthaus“ in Wixhausen. Bisher hat es eine Betreuerstelle gehabt, nun soll eine halbe Stelle dazukommen. „Damit stellen wir Planungssicherheit für die Einrichtungen der Kinder- und Jugendförderung her. Das hatten wir bisher noch nie“, sagt Dezernentin Akdeniz. In allen Phasen der Neustrukturierung waren die freien Träger eingebunden. „Das Ergebnis ist eine Vertrags- und Planungssicherheit für die freien Träger, wie sie einmalig in ganz Hessen ist“, betont Michael Lindner, Vorsitzender des Fachausschusses Kinder- und Jugendarbeit. 

Ein großer Meilenstein sei, dass gemeinsam mit den Trägern Qualitätsstandards entwickelt wurden, sagte Kerstin Briese, Abteilungsleiterin der Kinder- und Jugendförderung. „Das gibt es so bisher bei Kindertagsstätten und ist neu in der offenen Jugendarbeit.“ Zu den vereinbarten Standards gehöre, dass es in jedem der zehn Stadtbezirke ein Angebot für Jugendliche geben muss. Bislang gibt es auch unterversorgte Gebiete. Laut Dezernentin Akdeniz sind das Bessungen, das Woog- und das Edelsteinviertel sowie das Verlagsviertel. Geplant sei ein neues Jugendzentrum in der Lincoln-Siedlung. Auch sollen in unterversorgten Gebieten künftig Streetworker die Jugendlichen dort aufsuchen, wo sie sich aufhalten. „Wir fangen mit der Arbeit vor Ort an, bis wir geeignete Räume finden“, sagt Briese. 

Darmstadt: Kritik von Linkspartei

Laut Thomas Gehrisch, dem Leiter des Darmstädter Jugendamts, waren in den Prozess nicht nur alle 22 Träger mit ihren 31 Jugendeinrichtungen eingebunden, sondern auch die Jugendlichen selbst. „Die Beteiligung junger Menschen hilft uns dabei, kind- und jugendgerecht zu bleiben“. In Darmstadt gibt es 22 434 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 21 Jahren. Wie Kerstin Briese darstellte, wünschen sie sich vor allem mehr Freiflächen und längere Öffnungszeiten abends und an den Wochenenden.

Die Linkspartei hatte das Neustrukturierungsprogramm als neoliberale Maßnahme kritisiert, die auf dem Rücken von Mitarbeitern und den sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen ausgetragen werde. Die Fraktion fürchtet schlechtere Tarifbedingungen für die Betreuer und den Wegfall von etablierten Strukturen. Dem widersprach Dezernentin Akdeniz jedoch vehement: „Wir verändern das Angebot nicht, um es dann wegfallen zu lassen. Im Gegenteil: Die Stadt weitet ihr Angebot aus.“

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